Fragen am laufenden Band: Rolltreppe oder Fahrtreppe?

Wieso, weshalb, warum – so groß wie die Rolltreppen selbst sind auch die Fragen, die sich um sie ranken. Aber jeden Monat wird es eine weniger, denn unser Fahrtreppen-Experte Siny Thottakara beantwortet für den Senkrechtstarter die Fragen am laufenden Band. Dieses Mal: Heißt es eigentlich nun Rolltreppe oder Fahrtreppe?

Niemand sagt Fahrtreppe. Es sei denn, man hat professionell mit ihr zu tun. Planer, Architekten, Bauträger, Facility Manager, Techniker, Prüfingenieure – alle, die mit Fahrtreppen arbeiten, reden auch in der Regel von Fahrtreppen. Ganz anders bei dem viel größeren Kreis derer, die sie nur benutzen: Wer auf der Fahrtreppe fährt, nennt sie Rolltreppe.

Nun könnte man einfach behaupten, „Fahrtreppe“ wäre der Fachausdruck für die umgangssprachliche „Rolltreppe“. So ganz trennscharf ist das allerdings nicht, zumindest nicht begriffsgeschichtlich. Wie Andrea Mihm in ihrer lesenswerten Dissertation zur Rolltreppe (sic!) darlegt, wird der Begriff „Fahrtreppe“ zum ersten Mal in einer Fachzeitschrift im Jahr 1898 erwähnt. Kurioserweise bezeichnete er dort aber mitnichten eine Treppe, sondern eine Laufband, das – über mehrere Rollen geführt – zwei Stockwerke verbindet. Also eher eine stufenlose „Rolltreppe“.

Die Fahrtreppe rollt und die Rolltreppe fährt

Doch auch die so genannte „Rolltreppe“ taucht zuerst in der Fachliteratur der Jahrhundertwende auf und nimmt von dort aus ihren Weg in die großen Lexika wie Brockhaus und Herder, wo sie ab den 1930er Jahren zu finden ist. Dort wird sie dann als „Treppe mit fahrenden Stufen“ beschrieben, was wiederum die Frage aufwirft, ob hier nicht doch eher von einer „Fahrtreppe“ die Rede sein müsste.

Noch verwirrender wird es, wenn man das Wort „Escalator“ hinzu nimmt, dass früher auch in deutschen Veröffentlichungen zu finden war, heute aber fast nur noch im angloamerikanischen Sprachraum verwendet wird. Das Komposita aus den lateinischen Wörtern „scala“ (Stufe) und „elevare“ (emporheben) heißt wörtlich übersetzt „Hebetreppe“. Zum Glück sind aber wenigstens Wortschöpfungen wie „Treppenaufzug“, „Schrägaufzug“ oder „Fahrrampe“, mit denen „Fahrtreppen“ früher bezeichnet wurden, inzwischen verschwunden.

Rolltreppe oder Fahrtreppe – Hauptsache sie läuft

Doch kommen wir zurück auf unsere Ausgangsfrage „Fahrtreppe oder Rolltreppe?“. Natürlich beides. In den Produktbezeichnungen der Hersteller und in Richtlinien und Normen ist in der Regel von „Fahrtreppen“ die Rede. In der Umgangssprache hat sich dagegen die „Rolltreppe“ durchgesetzt. Anhand der Googletreffer wird das deutlich: 219.000 liefert die „Fahrtreppe“, 966.000 die „Rolltreppe“. Insofern können wir in Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Andi Möller sagen: Rolltreppe oder Fahrtreppe – Hauptsache sie läuft!



Siny Thottakara
leitet den Bereich Fahrtreppen bei Schindler Deutschland, nimmt aber auch hin und wieder mal den Aufzug. Einmal im Monat beantwortet er im Senkrechtstarter Fragen am laufenden Band.

Alle bisher erschienenen Folgen der Kolumne „Fragen am laufenden Band“ finden sich hier.

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