Gefilmte Fahrt: YouTuber „Windhund27“

YouTuber Windhund27 in einem seiner Aufzug-Videos.

Aufzug-Videos auf YouTube begeistern Fahrstuhl-Fans in aller Welt. In unserer Reihe „Gefilmte Fahrt“ steht dieses Mal Marcus alias „Windhund27“ Rede und Antwort. Der 46-jährige Familienvater filmt vor allem Fahrstühle in seiner Heimatstadt Berlin. Seinen Channel betreibt der YouTuber rein als Hobby. Neben Aufzügen interessieren ihn Eisenbahnen und Funktechnik.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen YouTube-Channel zu Fahrstühlen anzulegen?
Das Interesse an Aufzügen bestand bei mir schon seit längerer Zeit. Inspiriert durch die Videos von Uplifting Post Tower reifte bei mir ebenfalls die Idee, einen YouTube Kanal mit Schwerpunkt „Aufzüge“ zu erstellen. Da meine film- und fototechnischen Möglichkeiten jedoch zum damaligen Zeitpunkt nicht ausreichten, um Videos in annehmbarer Qualität zu erstellen, blieb es jedoch erst einmal bei dem Gedanken. 2012 bekam ich durch einen Freund eine Kamera geschenkt, und es konnte losgehen. Von daher zeigen meine ersten Videos noch das Datum 2012 im Abspann. Meinen YouTube Kanal eröffnete ich dann im Mai 2013 und die ersten Videos erschienen.

YouTuber mit persönlichen Kontakten

Ihr Channel hat inzwischen fast 300 Abonnenten. Ab welchem Punkt ging es aufwärts?
Mein Kanal entwickelte sich seit der Erstellung regelmäßig weiter, und die Zahl der Abonnenten wuchs an. Wann der Kanal seinen eigentlichen „Bekanntheitsgrad“ erreichte, kann ich heute gar nicht mehr genau sagen. Das mein Kanal einst im gleichen Atemzug wie Uplifting Post Tower, The French Elevator Channel, Old Lifts modern Lifts, genannt werden würde, daran habe ich zum damaligen Zeitpunkt nicht ansatzweise gedacht.

Wer sind Ihre Follower, kennen Sie einige von ihnen persönlich?
Meine Follower kommen aus allen Teilen der Gesellschafft, quer über
den Globus verteilt. Vom technikinteressierten Schüler über den architektonisch interessierten
Zuschauer und den Aufzugtechniker bis hin zum Diplom-Ingenieur sowie Nahverkehr-Fans sind alle in meinem Publikum vertreten. Zu einem engeren Kreis pflege ich auch private Freundschaften, so zu Old Lifts modern Lifts, Uplifting Post Tower, Jan Langer und Elevatormuseum. Mit Old Lifts modern Lifts sowie Uplifting Post Tower habe ich schon
einige interessante Aufzugtouren gamacht.

Die Aufzug-Community ist groß, die Zahl der Filmer ebenso. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Ohne Aufzüge wäre die moderne Großstadt nicht möglich gewesen, auch die Arbeitswelt haben sie grundlegend mitgeprägt. Was wären die Industrie, Krankenhäuser heute ohne Aufzüge? Aufzüge sind für viele Menschen im Alltag eine, oft unersetzliche, Hilfe und steigern die Lebensqualität. Ähnlich wie beim Öffentlichen Personen Nahverkehr, für den es eine ausgeprägte Fan-Szene gibt, lag es nahe, das sich auch für Aufzüge eine entsprechende Szene entwickelt. Durch Soziale Netzwerke, Film- und Videoportale ist es möglich, sich mit Gleichgesinnten weltweit zu vernetzen. Jeder Aufzugfan hat seine Interessengebiete, der eine begeistert sich mehr für Design, der andere wiederum für die Technik, ein anderer sammelt Aufzugteile. In der Aufzugcommunity trifft man sich dann und tauscht sich aus. Sicher ist es bei vielen auch nur eine temporäre Erscheinung. Viele YouTube-Aufzug-Kanäle sind heute nicht mehr aktiv oder gänzlich verschwunden.

Wichtigte Details in Aufzug-Videos

"Windhund27" interessiert sich für Details wie alte Aufzugschlüssel.

„Windhund27“ interessiert sich für Details wie alte Aufzugschlüssel.

Was macht für Sie persönlich den Reiz eines guten Aufzug-Videos aus?
Ein gutes Aufzugvideo zeigt Details der Anlage. Dazu gehören Türen, Befehlsschalter, Hinweisschilder in der Kabine und natürlich Aufnahmen der Kabine. Maschinenräume und Antriebstechnik sind ebenfalls ein wichtig. Hierbei muss klar sein: Aufnahmen, die zu illegalen Handlungen verleiten können oder aus diesen resultieren bzw. Handlungen zeigen, mit welchen man sich und andere in Gefahr bringt, haben in einem Aufzug-Video nichts zu suchen. Dazu zähle ich das Hantieren an Schaltkästen, Sicherheitskreisen und anderen, sicherheitsrelevanten Anlagenteilen, ebenso auch das Liftsurfen. Von solchen Aktivitäten distanziere ich mich klar und deutlich! Weitergehend versuche ich so zu filmen, das ich keine Personen in meinen Videos zeige. Das ist aber, gerade an belebten Orten oder Bahnhöfen nicht immer komplett zu schaffen.

Wie entdecken Sie interessante Aufzüge?
Ich bin viel unterwegs, da entdecke ich immer das eine oder andere Gebäude. Auch über den Freundes- und Bekanntenkreis sowie Kollegen werde ich auf Aufzüge aufmerksam. Im Internet habe ich ebenfalls schon schöne Aufzüge entdeckt.

Und wie schaffen Sie es, die Aufzüge benutzen zu können, die Sie filmen?
Im Regelfall nehme ich vorher Kontakt mit Anwohnern oder Hausmeistern auf. Nachdem ich mein Anliegen erklärt habe, gibt es eigentlich keine Probleme. Oftmals entwickeln sich gute Gespräche, in denen ich gleich noch interessante Details rund um das Gebäude und
den Aufzug erhalte. Ganz wichtig ist es, das man sich vorher anmeldet, wenn man etwa in Schulen und Kindertagesstätten filmen will. Gleiches gilt für Anlagen, die nicht öffentlich zugänglich sind. Ein freundliches, seriöses und respektvolles Auftreten ist der beste Schlüssel. Es öffnete mir so manche (Aufzug)-Tür. Natürlich respektiere ich es, wenn es nicht gewünscht ist, das Aufnahmen gemacht werden. Das kam aber bis jetzt nur sehr selten vor. Für mich auch sehr wichtig: Der normale Betrieb des Gebäudes hat Vorrang! Gerade in Krankenhäusern sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den Ablauf dort nicht zu behindern.

Welche Aufzug-Videos schauen

Welches Ihrer Videos gefällt Ihnen selbst am besten?
Hmmm, schwer zu sagen. Einen direkten Favorit zu benennen, ist schwer. Ich nenne mal drei.

Platz 1:

Aufzug im Rathaus Berlin-Pankow, Baujahr 1952. Es knarrt, es quietscht … doch, der Aufzug hat etwas.

Platz 2:

Schindler-Aufzug, Baujahr 1960, in Berlin. Noch original erhalten, sehr genial!

Schließlich Platz 3:

Nagel und Kaemp, Baujahr 1909, aufgenommen in Hamburg.

Das Werk welches Aufzug-Filmers würden Sie weiterempfehlen?
Ganz klar: Jan Langer. Sein YouTube-Kanal und seine Webseite behandeln ausschließlich Aufzüge, welche zu Zeiten der ehemaligen DDR gebaut wurden. Ein Projekt, das in seiner Ausführlichkeit, Ausführung, und Thematik meines Erachtens nach einzigartig ist. Etwas Besseres wird man zu dieser Thematik nicht fnden! Dann den YouTube-Kanal von richieselevators. Auch dieser Kanal hat einen besonderen Hintergrund. Er wird von einem Vater für seinen kranken Sohn gemacht, der Aufzüge mag. Absolut unterstützenswert! Dann noch StefV1985, Misha Gianoli, Uplifting Post Tower,  Old Lifts modern Lifts, ADDEs Transporting Adventures, Elevatormuseum, Verschiedene Zug-Aufzugvideos sowie DieselDucy.

Gibt es Aufzüge, die Sie noch nicht gefilmt haben, aber gern mal vorstellen würden?
Ich würde gerne die Paternoster im Haus des Rundfunks in Berlin sowie im Axel-Springer-Hochhaus in Berlin filmen. Das wird aber schwer, denn, soweit mir derzeit bekannt, bekommt man dort keine Filmgenehmigung. Na, vielleicht klappt es ja doch noch einmal.

Die weiteren Interviews der Reihe „Gefilmte Fahrt“ auf dem Senkrechtstarter.

2 Kommentare

  1. Old Lifts Modern Lifts

    Super Artikel. Marcus! 🙂 Ich hoffe, dass schon irgendwo, dass „Außenstehende“ den Hintergrund von unserem Hobby noch besser verstehen können 😉

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