Aufzüge in aller Welt: Paternoster im Rathaus Schöneberg

Es ist ein typisches Behördenvehikel – auch wenn es, anders als manch Amtsschimmel, keine Pausen kennt. Inzwischen ist die Spezies Paternoster jedoch fast ausgestorben. Bis auf ein paar wenige, berühmte Exemplare. Darunter die beiden im Rathaus Schöneberg, die bis vor Kurzem sogar noch für den Publikumsverkehr zur Verfügung standen.

Gebäude mit Paternoster und ehemaliger Regierungssitz: Rathaus Schöneberg. Foto: Ahrenberg

Wollen wir noch Mal ne‘ Runde mit dem Aufzug drehen? So richtig Sinn ergibt dieser Satz nur, wenn man mit dem Aufzug einen Paternoster meint. Denn der verkehrt bekanntlich im Kreisverkehr. Und wer das Aussteigen vergisst, fährt nach dem Aufstieg unversehens wieder nach unten. Diesen Nervenkitzel wollte schon so mancher auskosten. Allein die Gelegenheit hat gefehlt. Denn in den Genuss einer Paternosterfahrt kamen zumeist nur Angestellte großer Firmen oder Mitarbeiter von Behörden. Für den Gebrauch war schon immer ein gewisses Maß an Trittfestigkeit und Timing von Nöten. Für den Publikumsverkehr galten die Packesel unter den Lifts daher von je her als zu anfällig für Unfälle.

Nicht so in Berlin, nicht so im Rathaus Schöneberg. Bis im Juni 2015 eine neue Betriebssicherheitsverordnung in Kraft trat, war hier auch Besuchern die Mitfahrt erlaubt. Über je vier Stockwerke ging die Fahrt in den Treppenhäusern F und C. So mancher Besucher vergaß über die Fahrt, was ihn eigentlich in das Rathaus geführt hatte. So es denn je einen anderen Grund gab, als eben einmal mit einem Paternoster zu fahren.

Von hier aus wurde West-Berlin regiert

Historischer Ort: Kennedy Gedenkplakette am Rathaus Schöneberg. Foto: Ahrenberg

Erstaunlich war die publikumsfreundliche Politik allemal – schon damals. War doch das Rathaus Schöneberg nach dem Krieg kein Bezirksrathaus mehr, sondern der Sitz des Berliner Senats. John F. Kennedy rief sich hier zum Berliner Mitbürger aus. Und Luftbrückenheld Clay übergab den Berliner hier ihre Freiheitsglocke. Sie ist eine Nachbildung der Liberty Bell in Philadelphia.

Keine Frage: In der Zeit als Regierungssitz der Landes Berlin hat das Schönberger Rathaus historische Anlässe zu Hauf erlebt. Und unermüdlich, mittendrin, schaufelten die beiden Paternoster die Besucher in die oberen Etagen. Ein Sinnbild demokratischer Ubiquität, wie sie sonst in den zentralen der Macht nur selten anzutreffen ist. Schade, dass die Betriebssicherheits…. wie auch immer, dieser hübschen Tradition einen Riegel vorgeschoben hat. Seit 2015 dürfen nur noch eingewiesene Mitarbeiter die Paternoster benutzen.

Wer dennoch einmal mitfahren möchte, für den haben wir hier eine moderne Lösung. Eine Videomitfahrt aus Zeiten, als Paternosterfahren noch nicht als Extremsport galt. Viel Spaß dabei!

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