Ausstellung in Berlin: Mehr Kultur für Kwolon

In China, man liest und hört es immer wieder, werden mitunter ganze Städte aus dem Boden gestampft. Als Europäer denkt man dann oft: wenn das mal nicht schiefgeht. Die Berliner Architektur-Galerie Aedes zeigt nun am Beispiel von Hongkongs Stadtviertel Kwolon, wie ein neues Kulturviertel geplant wird und dabei durchaus spannende Architektur entsteht – und neuer städtischer Raum.


Mit 11 Hektar Fläche ist der Art Park als zentraler Ruhepol des Bezirks geplant. Bild: Aedes

An großen Namen mangelt es nicht: Herzog & de Meuron sind mit von der Partie, UN Studio und auch Rocco Design Architects. Das muss natürlich nicht zwingend etwas heißen. Außer, dass sich die Chinesen die Entwicklung des Kulturstandorts West Kwolon in Hongkong eine Stange Geld kosten lassen. Und dass es sich lohnt, einmal genauer hinzuschauen, was da eigentlich so passiert unweit des Victoria-Hafens. Für das ambitionierte Großprojekt wurden nämlich eigens 40 Hektar Land aufgeschüttet – das entspricht in etwa der Fläche von 56 Fußballfeldern. Viel Platz, um der lokalen Kulturszene den ein oder anderen Prachtbau zu spendieren. Ob dort auch Platz für eine lebendige Kulturszene ist, davon kann man sich seit dem Wochenende in der Galerie Aedes überzeugen.

Mehr Kultur für Kwolon – Aushängeschild für Hongkong

Herzog & de Meuron sind mit dem Entwurf für das neue Museum für visuelle Kunst vertreten. In jedem Fall ein Hingucker. Bild: Aedes

Constructing Culture – Kultur konstruieren, so der Titel der Ausstellung. Und so werden hier dann auch nicht nur Gebäude geplant, sondern auch der Raum dazwischen. Denn der Hongkonger Regierung geht es nicht nur um Spielstätten und Museen von internationaler Strahlkraft. Mindestens ebenso wichtig ist die Interaktion der Künstler untereinander sowie mit der Stadt und deren Bewohner. Schön abzulesen etwa an dem gut 11 Hektar großen „Art Park“. Er ist als Begegnungsstätte und Ruhepol des Quartiers gedacht. Eine Hafenpromenade umschließt die Wasserfront des Areals auf zwei Kilometer länge. Hotels, Büros, Cafés und Restaurants ergänzen die Museen, Galerien und Bühnen im Viertel. So soll gewährleistet sein, dass das Leben auch zwischen den Aufführungen und Vernissagen nicht erlahmt. Der öffentliche Nahverkehr muss indes in den Untergrund ausweichen. Die Wege in West Kwolon gehören  den Fußgängern und Radfahrern.

Museen und Bühnen von internationaler Strahlkraft

Das Xiqu Centre wird die neue erste Adresse für chinesische Oper in Hongkong. Bild: Aedes

Architektur im klassischen Sinne gibt es aber natürlich auch zu sehen. So etwa das Museum für visuelle Kunst, M+ genannt. Es stammt aus der Feder von Herzog & de Meuron und inszeniert spektakulär den Zusammenprall von Vertikale und Horizontale. Auch der Raum und Freiraum den die Kubatur des Gebäudes im hochverdichteten Hongkong für sich in Anspruch nimmt, ist ein Statement. Und absolut sehenswert. Ganz anders das Xiqu Centre von Bing Thom Architects und Ronald Lu & Partners. Der neue Prachtbau für die klassische chinesische Oper ist weit gefälliger, mit fließenden Formen und einer Vorhang-Fassade. Ob heroische Geste oder gefälliges Understatement, Vielfalt ist hier erwünscht. Und damit stehen die Chancen gut, dass den Planern es am Ende tatsächlich gelingt, einer lebendigen Kulturszene das Bettchen zu bereiten. Für alle Kultur- und Architekturfans in jedem Fall eine lohnende Ausstellung.

Aedes Architekturforum, Christinenstr.18-19, 10119 Berlin, Di-Fr: 11-18.30 Uhr, So-Mo 13-17 Uhr. Bis zum 13. Juli 2017. www.aedes-arc.de

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