#liftclip: Zahlenspiele zu Halloween

Sie verheißen Glück, symbolisieren die Schöpfungsgeschichte oder chiffrieren gar den wahren Namen des Biestes, vulgo: des Teufels. Und wo findet sich in der Regel eine Vielzahl von Zahlen? Nicht nur das, sogar solche, die per Fingerdruck Befehle ausführen? Richtig, im Fahrstuhl! Wenn das mal nicht unheimlich ist. Gerade zu Halloween. Dachten sich zumindest asiatische Teenager – und ersannen das Fahrstuhlritual. Richtig ausgeführt, soll es den Fahrgast in eine andere Welt transportieren…

Die Aufzugtür gleitet geräuschlos beiseite, gibt den Blick frei auf einen Hotelflur. Helle Wände, geblümter Teppich, kahl, in fahlem Licht. Niemand steigt aus oder ein. Du bist allein. Seufzend setzt sich der Lift in Gang. Es ist fast Mitternacht. Im fünften Stock, nach einigen Stopps, die einem strengen Ritual folgen, steigt eine Frau zu Dir in die Kabine. SIEH sie NICHT an! SPRICH NICHT mit ihr! Wenn sie gefallen an Dir findet, lässt sie dich nie wieder gehen. Dann bist Du dazu verdammt, auf ewig ziellos durch diese Welt zu irren. Diese trostlose Welt. Diese jenseitige Welt. Diese ANDERE WELT!

Gänsehaut bekommen? Fein. Denn darum geht’s ja auch. Nicht nur zu Halloween. Rund um den Globus schleichen sich Teenager Nacht für Nacht in Hotels, Parkdecks, Bürokomplexe und Wohnhochhäuser. Mindestens zehn Stockwerke muss das Gebäude haben, einen Fahrstuhl und kaum Publikumsverkehr. Denn auf der Reise in die andere Welt können sie keine Trittbrettfahrer gebrauchen, sie würden das Ritual ruinieren. Wer aber in festgelegten Etappen hoch und wieder runter fährt, ohne dass jemand zu- oder man selbst aussteigt, der begegnet womöglich dieser Frau. Sie sieht zwar menschlich aus. Ist es aber nicht. Jetzt nur ruhig bleiben und den Blick abwenden.

Lift fährt auf eigene Faust in die andere Welt

So weit so gut. Doch dann wird es etwas unglaubwürdig: Man soll den Knopf für den ersten Stock drücken, der Lift fahre dann trotzdem in den zehnten. Wirklich? Um solch eine kapitale Fehlfunktion zu erleben muss man sich schon an sehr zwielichtigen Orten rumtreiben, an die sich ehrbare Fahrstuhlmonteure einfach nicht hin trauen. Wie dem auch sei: Steigt man im 10. Stock aus, habe man die andere Welt erreicht.

Was man vorher wissen sollte: Auch für die Rückkehr gibt es – ein nicht weniger komplexes – Ritual. Daher vor der Abfahrt bitte gleich die Rückfahrt buchen. Denn ob es in der anderen Welt Internet, und damit Zugang zu den einschlägigen Gruselforen gibt, ist leider nicht bekannt.

Wer am 31. Oktober, also an Halloween, noch nichts vorhat, kann sich ja selbst einmal auf Expedition begeben. Denn bislang finden sich auf YouTube zwar zahllose Selbstversuche – eine erfolgreiches Zusammentreffen mit der bewussten Dame hat allerdings noch keiner dokumentiert. Schade eigentlich. Sind Begegnungen im Fahrstuhl doch immer höchst interessant. Das ist jedenfalls unsere Meinung. Hier einer der Versuche in voller Länge:

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