Keine Zauberei – Wissenschaft: Wenn Moleküle Aufzug fahren

Über das Wesen der Metapher hat uns ein gewisser Thomas Müller anlässlich eines Fußballgroßereignisses im vergangenen Sommer Erhellendes gesagt: Eine Metapher sei eine Verbildlichung zur besseren Versinnlichung. Genau.

In diesem Sinne und in diesem Herbst eines wissenschaftlichen Großereignisses, der Bekanntgabe der Nobelpreisträger nämlich, hat uns also folgende Metapher natürlich besonders gut gefallen: der molekulare Aufzug. So nennt Sir J. Fraser Stoddard, neben Bernhard Feringa und Jean-Pierre Sauvage seit heute Nobelpreisträger für Chemie, nanokleine molekulare Maschinen, deren Potenzial die Wissenschaftsredaktion der Zeit ziemlich anschaulich aufbereitet hat. Tatsächlich nämlich passt dieses Bild nicht nur in der unten stehenden Infografik ziemlich gut: Moleküle werden zu einer Nanomachine, in der wiederum andere Moleküle ihr Level ändern. Eine Aufzugsfahrt im Blutkreislauf.

Bildschirmfoto 2016-10-05 um 15.31.46Was die drei Forscher in ihren Labors entwickelten, ist tatsächlich bahnbrechend, auch wenn die realen Anwendungsgebiete noch Zukunftsmusik sind: In einer Welt, die 10.000 mal kleiner ist als ein menschliches Haar, ließen sich aus Molekülen Fahrzeuge und Motoren bauen, die etwa Medikamentenwirkstoffe über den Blutkreislauf zielgenau am jede beliebige Körperstelle bringen könnten.

Die Nobelpreiträger nannten ihre Prototypen analog zur realen Welt „molekularen Muskel“ (Sauvage) „molekularen Motor“ (Feringa) oder eben „molekularen Aufzug“ (Stoddard). Gut möglich, dass der Brite, der seit 2003 an der University of California, Los Angeles, lehrt und vor allem forscht, auf diese Metapher während einer Aufzugsfahrt gekommen ist.

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