Fritzchens Fische fahren Fahrstuhl

Foto: Vattenfall

Sie kommen, vor allem im Frühjahr und Herbst. Und sie kommen in Massen: Bis zu 25 000 Fische täglich erklimmen die Fischtreppe in Geesthacht. Nach 550 mühsamen Metern, auf denen sie innerhalb einer Stunde zwei Höhenmeter überwinden, plumpsen sie schließlich in einen Korb, der sie über das letzte Hindernis hebt.

Die Elbe ist einer der stolzesten Flüsse Deutschlands. Allerdings hat der Mensch im 20. Jahrhundert viel Schindluder mit ihm getrieben. Überfischung, Verschmutzung und der Ausbau als Schiffahrtsweg haben die Fischbestände seit Einsetzen der Industrialisierung dezimiert, mehrfach drohte ihm der ökologische Exitus. Und spätestens mit dem Bau der Staustufe bei Geesthacht in den 1960er-Jaren, verabschiedete sich einer der prominentesten Bewohner des Gewässers: der kapitale Atlantik Stör – bis zu drei Meter lang wird ein erwachsenes Exemplar.

Am südlichen Elbufer ist bereits seit 1998 eine kleinere, 216 Meter lange Fischaufstiegstreppe in Betrieb. Sie ersetzte eine ältere Anlage, die sich als unbrauchbar erwiesen hatte. Für die Wiederansiedlung des Störs jedoch war auch die neue Anlage zu klein. Eine größere musste her. Nämlich die größte ihrer Art in Europa.

Seit 2010 steht sie am nördlichen Elbufer: 550 Meter windet sie sich in Kurven gegen den Höhenunterschied. Sie besteht aus 49 einzelnen Kammern, die je 16 Meter breit, neun Meter lang und rund 1,75 Meter tief sind. Durch 1,20 Meter breite Schlitze – groß genug für einen ausgewachsenen Stör – gelangen Lachse, Aale, Flussneunaugen und zahlreiche andere Arten in die jeweils nächste Kammer. In der steht das Wasser zehn Zentimeter höher als in der Vorhergehenden.

Lift erleichtert die letzte Etappe

Einfach so davonschwimmen können die Fische nach dem anstrengenden Aufstieg jedoch nicht: Erst landen sie in einen Fangkorb, der sie gleich einem Aufzug in die Monitoringstation der Anlage hebt. Dort werden die Arten bestimmt, gemessen und gewogen. Erst dann setzen sie die Mitarbeiter sie in eine bewässerte Röhre, die sie zurück in die Elbe führt. Und sie können die Wanderschaft zu ihren Laichgründen fortsetzen.

Entstanden ist die Anlage als ökologische Ausgleichsmaßnahme des Energieanbieters Vattenfall, der aus der Elbe Wasser zur Kühlung eines Kraftwerks entnimmt. Und der Aufwand scheint sich gelohnt zu haben: Zwei Millionen Fische und 50 verschiedene Arten haben den Fischaufzug bislang genutzt, berichtet der NDR vor Kurzem. Darunter auch der wiederangesiedelte Stör. Wer sagt denn, dass die Eroberung der Vertikalen nur uns Menschen vorbehalten ist?

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