Drei vor zehn vom 06.05.2016: Neues aus der vertikalen Welt

Diese Woche gab es viel zu bemängeln: den Zustand der deutschen Aufzüge, die Bewegungsarmut der Deutschen, die Barrierefreiheit deutscher Städte. Mit den News der Woche halten wir Sie auf dem Laufenden über Neues aus der Branche, alles, was mit vertikaler Mobilität zu tun hat, und alles, was Sie getrost wieder vergessen können.

TÜV: Viele Aufzüge in Deutschland haben Mängel

Same procedure as every year.  Erstens: Der VdTÜV, der Verband der Technischen Überwachungsvereine, veröffentlicht seinen Anlagensicherheits-Report, eine Mängelstatistik von überwachungsbedürftigen Anlagen, zu denen – Sie werden es ahnen – auch Aufzüge zählen. Zweitens: In den kommenden Tagen warnen uns Überschriften in allen Medien davor, dass es zum Argen steht bei der Aufzugssicherheit in diesem Land. Drittens: Ein Jahr später beginnen wir wieder mit erstens. In diesem Jahr kulminierte die mediale Begleitung in der dpa-Schlagzeile „Viele Aufzüge in Deutschland haben Mängel“. Das ist in der Tat eine interessante Feststellung, die sicher noch weitere Verbreitung finden könnte, wenn man „Aufzüge“ einfach durch die Variable x ersetzt. nonameDann ließe sich die Headline „Viele Autos in Deutschland haben Mängel“ ebenso verwenden wie die Nachricht, dass auch viele Fahrradwege, Schulaufführungen, Restaurants und selbst Männer und Frauen in Deutschland Mängel aufweisen. Denn dass der Mensch ein Mängelwesen ist, wissen wir ja spätestens seit Gehlen. Ob das für den Aufzug auch zutrifft, hängt wesentlich davon ab, wie man einen Mangel definiert. Der TÜV hat dafür eine schöne Liste. Wenn es allerdings um die Frage nach der Sicherheit von Aufzügen geht, sollten wir uns nicht darauf beschränken, die Mängel zu zählen, denn laut Adam Riese VdTÜV sind fünf geringfügige Mängel bereits ein sicherheitserheblicher Mangel. Wenn wir also die Aufzüge ohne Mängel und mit geringfügigen Mängeln (fehlende Dokumentation oder defekte Kabinenbeleuchtung beispielsweise) ausschließen, die sicherheitserheblichen teilweise einklammern, dann bleiben gerade einmal 0,62 Prozent Aufzüge in Deutschland, die durch gefährliche Mängel auffielen. Die Wahrscheinlichkeit auf einer Treppe zu Schaden zu kommen – auf den volkswirtschaftlichen Schaden von Treppenstürzen hat der TÜV Rheinland vor Kurzem selbst hingewiesen – ist folglich um ein Vielfaches höher als bei einer Fahrt mit dem Aufzug – selbst wenn dieser Mängel hat. Das bringt uns zu folgendem Fazit: Viele Schlagzeilen in Deutschland haben Mängel.
Mehr dazu unter welt.de und auf welt.de.

YouGov: Ab vier Etagen schlägt der Aufzug die Treppe

Bleiben wir doch gleich beim Thema Aufzug versus Treppe. Dass die Treppe in der Unfallstatistik eine sehr schlechte Figur macht, wissen wir bereits. Auswirkungen auf die Entscheidung, den Aufzug oder die Treppe zu nehmen, scheint das allerdings nicht zu haben. Bei dieser Frage zählt vor allem die Entfernung. Und dabei gibt es eine ganz klare Obergrenze, wie der Onlinemarktforscher YouGov jüngst ermittelte: Ab vier Etagen tendiert der Deutsche gern zum Aufzug. Während sich bei noch 92 Prozent der Befragten für die Treppe entscheiden, wenn sie nur eine Etage hoch müssen, waren es bei vier Etagen nur noch 27 Prozent. Wie valide diese Daten aber andererseits sind, können wir hier nicht beurteilen: Viele Statistiken in Deutschland haben Mängel.
Mehr dazu unter yougov.de.

Barrierefreiheit: Nutzer bewerten ihre Stadt

Für viele Menschen stellt sich die Frage nach Treppe oder Lift überhaupt nicht. Sie sind auf den Aufzug angewiesen. Auf sein Vorhanden- und Zuhandensein. Wie gut das in deutschen Städten funktioniert und ob die Aufzüge nicht nur nicht fehlen, sondern auch funktionieren, wie barrierefrei die Stadt überhaupt ist, darüber können Nutzer anlässlich des Aktionstags für Barrierefreiheit am 5. Mai auf der Website der Aktion Mensch abstimmen. Aktuell teilen sich Budenheim, Dormagen und Flensburg den ersten Platz, aber die Abstimmung läuft noch. Die deutsche Hauptstadt belegt mit 47 Prozent einen mittleren Platz, und das obwohl die Berliner Verkehrsbetriebe eine Aufzugsverfügbarkeit von immerhin 98 Prozent bieten. Wie das Ergebnis im Einzelnen auch ausfällt, auf eines kann man sich in punkto Barrierefreiheit sicher verständigen: Viele Städte in Deutschland haben Mängel.
Mehr dazu unter tagesspiegel.de.

Prominent ignoriert: Stecken zwölf Polizisten im Fahrstuhl fest

Was machen zwölf Polizisten im Aufzug? Ein dummes Gesicht, könnte man meinen. Zumindest wenn der Aufzug steckenbleibt und die zur Rettung gerufenen Feuerwehrleute erst mal ein Selfie von sich und den eingeschlossenen Polizisten auf Twitter posten, bevor sie sich anschicken, die Befreiung einzuleiten. So geschehen in der Polizeiakademie in Kansas und doch ganz anders. Denn wie es sich bei der Police Academy gehört, nahmen die Polizisten die ganze Geschichte mit Humor und posteten das Foto später selbst auf ihrer Facebookseite. Wie es sich in solchen Fragen gehört, enthält sich der Senkrechtstarter jeglichen Kommentars und beendet dieses Brückentags-Drei-vor-zehn mit dem gebotenen Hinweis, dass so schöne Geschichten nur entstehen, wenn Aufzüge auch mal Mängel haben.
Mehr dazu unter spiegel.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.