Love in an Elevator: Der Aufzug als Metapher in der Popmusik

Die Popmusik ist in den Aufzug verliebt, wie wir schon mehrfach festgestellt haben. Warum eigentlich? Weil der Fahrstuhl ein wunderbarer Behälter für allerlei Metaphern ist.

Am 5. Mai 2014 hatte eine in einer Aufzugskabine des New Yorker Luxushotels The Standard montierte Überwachungskamera die folgende Szene in schemenhaften, aber nicht minder aufschlussreichen Schwarz-Weiß-Bildern festgehalten: Der Rapper Jay Z wird mit Schlägen und Tritten traktiert – von seiner Schwägerin, der Schwester der Sängerin Beyoncé Knowles. Die Videos von jenem »Elevator Fight« wurden bis heute millionenfach auf YouTube geklickt – womit die Popmusik, ja, die Popkultur also ein weiteres Mal im Aufzug angekommen war.

Soul-Diva Beyoncé übrigens tat sogleich das aus Künstlersicht Zwangsläufige: Sie schlug Profit aus dem Eklat. Wenige Wochen später stand ein Remix des Songs Flawless auf ihrer Website, darin die Zeilen: »We escalate, up in this bitch like elevators. Of course sometimes shit go down, when it’s a billion dollars on an elevator.« Singen im Aufzug, singen über den Aufzug – darum also soll es im Folgenden gehen.

Sozialer Aufstieg durch die Aufzugstür

Schon 1966 sang sich der hintersinnige Chronist der Wirtschaftswunderjahre Hazy Osterwald mitten hinein in die Symbolwelt dieses fahrenden Kastens. »Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt«, lautete seine aus der Perspektive des viel zitierten kleinen Mannes formulierte Erkenntnis. Die zugehörige Botschaft war für einen Schlager übrigens ungewohnt ernüchternd: »Sie müssen warten, sie können zum Weg nach oben jetzt erst gar nicht starten.« Der Popsong, oder in diesem Fall der Schlager, erträumt sich ja immer wieder gerne die besseren Verhältnisse. Und der Weg dorthin führt gerne durch den Aufzugsschacht.

Der Aufzug als Metapher für den sozialen Aufstieg: Rapper Eminem wählt nicht einmal diesen Umweg – er fährt ganz direkt in den obersten Stock, wenn er in seinem Song Elevator über seine eigene Erfolgsgeschichte rappt: »I’m living in a house with a fucking elevator.« Eminem, geboren als Marshall Bruce Mathers in einer trostlosen US-amerikanischen Vorstadt, in der es nicht einmal zweigeschossige Häuser gab, weiß ein klares Indiz seines unbestrittenen Erfolges zu benennen: Er lebt jetzt in einer Villa, in der es sogar einen privaten Aufzug gibt.

Zumeist aber sind die Aufzüge öffentlich. Und als solche eben Orte, an denen sich die Menschen begegnen. Männer und Frauen zumal, weshalb etwa die in den Nullerjahren populären Sugababes in einem Musikvideo ihre Fahrt zwischen den Stockwerken als Anbahnung amouröser Abenteuer inszenieren. »Push the Button«, flöten sie nacheinander drei Herren entgegen, die auch gleich gehorsam den Aufzug mit den Sängerinnen herbeirufen. Man ahnt auch hier eine, nun ja, tiefere Ebene, die Aufforderung zum Knopfdruck soll sagen: Ergreift die Initiative, Männer!

Auf und nieder immer wieder

Überhaupt, der Eros. Liebstes Thema im Pop, zumal, wenn sich die Popmusik in den Aufzug begibt. Hier gibt es das verdruckste Begehren im überfüllten Fahrstuhl (Crowded Elevator der Rocker Incubus), da den ungleich freimütigeren Wunsch nach der schnellen Erfüllung (NDW-Teenie-Band Prinzz: »Liebe im Fahrstuhl, keiner wird uns hör’n, Liebe im Fahrstuhl, keiner wird uns stör’n.«). Beliebt ist zudem das Motiv des Liftboys, meist schüchterner Jüngling und nicht selten verführt von der zusteigenden Femme fatale, etwa in Laid Backs Elevator Boy.

Womit wir fast zwangsläufig beim prominentesten Auftritt des Aufzugs in der Popgeschichte angekommen sind. »Love in an Elevator« sang Aerosmiths Steven Tyler 1989 zum Klang wimmernder E-Gitarren und wünschte sich nichts sehnlicher, als mit der Frau seines Herzens steckenzubleiben. Hier fährt der Fahrstuhl nach unten – und wird so zum Ort, um allen Fantasien freien Lauf zu lassen, ganz nach dem Motto »Livin’ it up when I’m goin’ down«. So gibt sich das zugehörige Video als Feier des Irrsinns, samt tanzenden Schaufensterpuppen und allerlei Sonderlingen, die dem Aufzug entsteigen.

Übrigens schöpfte auch Tyler die Inspiration für seinen Song aus einer persönlichen Erfahrung. Denn, so befeuerte der Sänger die Mythenbildung, ein Techtelmechtel hinter geschlossenen Aufzugstüren habe er einst am eigenen Leibe erlebt.

 

Dieser Beitrag ist erschienen im Schindler Magazin „Der Aufzug. Wie er uns bewegt (2015)“. Unter www.schindler.com lässt es sich gratis herunterladen – oder auch kostenfrei als Print-Version bestellen.

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