Streit um Wohnhochhaus in Berlins historischer Mitte

Vor zwei Wochen berichteten wir von der Münchner Hochhaus-Debatte, in der sich die Geister an einem 75 Meter hohen Büro- und Hotelturm scheiden. Doch was man tief im Süden kann, kann man in der Hauptstadt offensichtlich erst recht: mit Feuereifer über Bauprojekte streiten.

Mühlendamm Ecke Fischerinsel: Die Lage des geplanten Neubaus © DWSW architektur

Mühlendamm Ecke Fischerinsel: Die Lage des geplanten Neubaus © DWSW architektur

Dabei ist der Stein des Anstoßes in Berlin auf den ersten Blick noch viel weniger bedrohlich, gerade einmal 58 Meter soll ein 19-geschossiger Neubau im Zentrum der Stadt in die Höhe ragen. Es geht dabei auch nicht um Gewerbeflächen, sondern um Platz für 200 bezahlbare neue Wohnungen, nicht zuletzt für ältere Menschen. Heikel ist hingegen der Standort des geplanten Gebäudes: der Mühlendamm auf der Fischerinsel.

Der Kiez auf dem südlichen Teil der Spreeinsel im Bezirk Mitte gehört zum ältesten besiedelten Gebiet Berlins, ab 1237 zählte die Fischerinsel zur Stadt Cölln, die sich später mit Alt-Berlin vereinigte. Das Zentrum der heutigen Hauptstadt, das es wegen der einstigen Teilung ja eigentlich gar nicht gibt: Hier, zwischen den Armen der Spree, liegt es zumindest historisch.

Modell des Siegerentwurfs © DWSW architektur

Modell des Siegerentwurfs © DWSW architektur

Nun will die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) auf dem landeseigenen Grundstück unweit der sechs bereits bestehenden Hochhäuser aus DDR-Zeiten ein weiteres errichten, 33 Millionen Euro sollen investiert werden. Erste Bäume werden dieser Tage gefällt. Gegen den Neubau engagieren sich die Bürgerinitiative Fischerinsel und der Verein Berliner Historische Mitte. Anwohner fürchten eine zunehmende Verschattung der Nachbargebäude sowie unzureichende Durchlüftung.

Den europaweiten Wettbewerb um den Wohnturm hatte im vergangenen September das Architekturbüro DMSW mit seinem Entwurf gewonnen, gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten von bbz.

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