Videos im Aufzug: Hier spielt die Musik (III)

Musik liegt in der Luft. Dass dies oft ausgerechnet in den wenigen Kubikmetern einer Aufzugskabine der Fall ist, müssen wir wohl zu den Mysterien der vertikalen Mobilität zählen. Jetzt ist auch Steve Martin unter die Aufzugsmusiker gegangen.

Über die hohe Affinität von Musikvideoregisseuren zu Aufzügen haben wir uns ja bereits hier und hier gesprochen. Es kann nicht nur an der günstigen Location liegen oder daran, dass Musiker so gern Aufzug fahren. Vielleicht schon eher daran, dass die Verbindung von Fahrstuhl und Musik auf eine lange Tradition verweist – in der Fahrstuhlmusik, auch als Muzak bekannt. Vielleicht aber auch nicht. Bleiben wir bei dem empirischen Befund. Und der spricht für sich, ist doch jetzt schließlich auch Komiker- und Schauspiellegende Steve Martin unter die Aufzugsmusikanten gegangen. Denjeningen, die Steve Martin noch aus Filmen wie Roxanne oder der unvergessenen „Screwball-Komödie mit Herz“ Ein Ticket für Zwei kennen, ist vielleicht entgangen, dass der 2014 mit dem Ehrenoscar ausgezeichnete Schauspieler auch ein begnadeter Banjo-Spieler ist und bereits 2010 einen Grammy für sein Bluegrass-Album The Crow: New Songs for the 5-String Banjo abgeräumt hat. Für den Song Never going back vom Album So Familiar, das er im vergangenen Jahr mit der Folk-Sängerin Edie Brickell veröffentlichte, stieg er sogar in den Aufzug. Erst spielt er, dann steigt Edie Brickell dazu, bis schließlich die gesamte Bluegrass-Band versammelt ist.

Doch nicht nur im Geburtsland des modernen Personenaufzugs steigen Musiker gern in den Lift, auch deutschsprachige Popmusiker suchen immer wieder gern den Knopf nach oben. Vor Kurzem erst zeigten Die Fantastischen Vier sogar ein ausgeprägtes Markenbewusstsein und ließen die Zuschauer ihres Musikvideos wissen, in welchem Aufzug es für sie nach oben ging.

Kraftklub, das Deutschpop-Phänomen aus Chemnitz, verzichtete gar darauf, den Aufzug als Kulisse für ein Musikvideo zu verwenden und machte ihn vielmehr zum Hauptdarsteller. Unter dem Titel Der größte Fahrstuhl der Welt zeigten sie in einem YouTube-Film, wie viele Menschen in einen Aufzug passen können – vorausgesetzt dieser Aufzug hat…, aber wir wollen nicht zu viel verraten.

Das vielleicht schönste Bild von einem Aufzug in einem Musikvideo haben wir indes bei der Schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann entdeckt. In dem Video zu ihrem Lied In The End sieht man sie ständig auf einem Laufband laufen: am elterlichen Esstisch, in einer Kirche, bei einer Gruppentherapiesitzung und eben im Aufzug (0:50s und 1:15s). Welch treffendes Bild für das Phänomen, das Paul Virilio einst rasender Stillstand genannt hat: Wir rennen immer schneller und haben doch das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen. Nur gut, dass es noch Treppen gibt.

Hier geht es zum ersten und zweiten Teil von unserer Reihe „Musikvideos im Aufzug“. Wer etwas über Popbands und Aufzüge im Allgemeinen und Besonderen erfahren möchte, mag hier weiterlesen.

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