Team der Senkrechtstarter: Unsere Entdeckungen der Hinrunde

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Thomas Müller, Aubameyang oder Lewandowski: Dass einige Stars der 53. Bundesliga-Spielzeit ihren Stempel aufdrücken würden, war zu erwarten. Doch wer kam mehr oder weniger aus dem Nichts und wurde zum Shootingstar? Wer erlebte ein kaum für möglich gehaltenes Comeback? Wir zeigen die positiven Überraschungen der Hinrunde. 

Zwar steht noch ein Spieltag vor der Winterpause aus, ein Zwischenfazit lässt sich aber trotzdem schon ziehen. Manche Bundesligaspieler haben sich erst in den vergangenen Monaten einen Namen gemacht, vor der Saison kannten sie nur ausgewiesene Experten. Oder aber Altbekannte erlebten ihren zweiten oder gar dritten Frühling. Senkrechtstarter präsentiert seine Fahrstuhlmannschaft: Spieler auf dem Weg nach oben, in die Beletage des Fußballs.

Tor

Rune Jarstein (Hertha BSC Berlin) 12 Spiele, 13 Gegentore, Kicker-⌀-Note 2,88
Knapp zwei Jahre steht der 37-malige norwegische Nationaltorwart schon im Kader von Hertha BSC, doch bis zum 19. September 2015 hatte er gerade mal zwei Ligaspiele für die Hauptstädter absolviert – und beide verloren. Als sich die etatmäßige Nummer eins, Thomas Kraft, dann gegen Wolfsburg verletzte, ergab sich für Jarstein die dritte Chance auf einen Sieg. Auch die blieb ungenutzt: 0:2 endete das Spiel. Doch Jarstein blieb im Tor, und Hertha stürmte mit 7 Siegen in den folgenden 11 Spielen bis auf Tabellenplatz 3 vor. Auch dank Jarstein, dem notenbesten Berliner dieser Saison.

Abwehr

Marvin Matip (FC Ingolstadt 04), 16 Spiele, 1 Tor, Kicker-⌀-Note 2,84
Matip? Da gab es vor dieser Saison zunächst mal Joel, WM-Teilnehmer 2010 und 2014 mit Kamerun, Innenverteidiger bei Schalke 04 und seit sechs Jahren fester Bestandteil der Bundesliga. Doch plötzlich droht ihm sein sechs Jahre älterer Bruder Marvin den Rang abzulaufen: Er ist nach Kicker-Noten drittbesser Verteidiger der laufenden Saison (hinter Martínez und Boateng von den Bayern), unumstritten in der derzeit zweitbesten Abwehr der Liga (hinter den Bayern), und auch das zweite Länderspiel für Kamerun dürfte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Dann ja vielleicht an der Seite seines Bruders.

Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen), 16 Spiele, Kicker-⌀-Note 3,00
Schon mit 17 lief der Hamburger mit ivorischen Wurzeln in der Bundesliga auf, wurde bald Stammspieler, damals noch für den HSV. Trotzdem verschwand er anschließend für ein Jahr in der Zweiten Liga – offenbar nicht zu seinem Schaden. Denn seit dieser Saison ist Tah zurück, und wie: Alle 16 bisherigen Hinrundenspiele absolvierte er für Leverkusen von der ersten bis zur letzten Minute. Genauso in der Champions League, wo er gegen den AS Rom und den FC Barcelona überzeugen konnte. Mit noch immer jugendlichen 19 Jahren.

Matthias Ginter (Borussia Dortmund), 12 Spiele, 2 Tore, 7 Torvorlagen, Kicker-⌀-Note 3,04
Zugegeben, der Mann ist Weltmeister (wenn auch ohne Einsatz in Brasilien). Doch als Senkrechtstarter darf er trotzdem gelten, schließlich ging es für den 21-Jährigen nach zwei Fritz-Walter-Medaillen in Gold, 70 Bundesligapartien für den SC Freiburg und dem anschließenden Wechsel zum BVB erst mal wieder relativ steil bergab: Nur neun Spiele von Beginn an in der vergangenen Dortmunder Horrorsaison, Notenschnitt 4,17. In dieser Saison nun die Wiederauferstehung mit bislang 21 Pflichtspieleinsätzen, zwei Toren und – für einen Verteidiger – sensationellen sieben Torvorlagen.

Aytaç Sulu (SV Darmstadt 98), 16 Spiele, 4 Tore, Kicker-⌀-Note 3,09
Der 30-jährige Deutsch-Türke dürfte vor der Saison der unbekannteste unserer elf Spieler gewesen sein, hatte er doch bis dato keine Bundesligapartie absolviert und überhaupt erst eine Saison in der Zweiten Liga hinter sich. Doch wie auch Marvin Matip entwickelte sich Sulu zur Konstante und zum sicheren Rückhalt in der Abwehr eines Aufsteigers. Darmstadt galt vielen als krassester Außenseiter der Bundesligageschichte, bislang bewegt man sich aber im soliden Mittelfeld der Liga. Ein Verdienst auch von Sulu, der keine Minute verpasst hat und dazu noch vier Mal traf.

Mittelfeld

Douglas Costa (FC Bayern München), 12 Spiele, 2 Tore, 12 Torvorlagen, Kicker-⌀-Note 2,38
Kann ein brasilianischer Nationalspieler überhaupt eine wirkliche Überraschung sein? Er kann. Dann nämlich, wenn er wie Costa bislang noch in keiner großen europäischen Liga sein Können unter Beweis stellen durfte. Und dann, wenn er derart einschlägt wie der 25-Jährige in München. 21 Tore hatte Wolfsburgs Kevin De Bruyne in der vergangenen Saison vorbereitet und damit einen neuen Bundesligarekord aufgestellt. Costa steht nach 12 gespielten Partien bereits bei 12 Vorlagen. Wenn er gesund bleibt und seine Form wahrt, könnte die Bestmarke schon in dieser Spielzeit wanken. Dass Costa auch noch den besten Notenschnitt aller Spieler in dieser Saison aufweist, scheint da nur noch Beiwerk.

Kingsley Coman (FC Bayern München), 10 Spiele, 3 Tore, 2 Torvorlagen, Kicker-⌀-Note 2,94
Noch weniger Fußballfans als Douglas Costa dürften hierzulande Kingsley Coman gekannt haben, bevor die Bayern ihn im Sommer verpflichteten. Dabei hatte der 19-Jährige schon für Paris Saint-Germain und Juventus Turin gespielt. In München schienen seine bevorzugten Positionen, die Außenbahnen, mit Robben und Ribéry hochklassig und ausreichend besetzt – aber deren Verletzungsanfälligkeit entpuppte sich als Comans Glück. 15 Pflichtspiele im Bayern-Trikot stehen für den Neunationalspieler Frankreichs zu Buche, samt 7 Vorlagen und 4 Toren.

Yunus Mallı (1. FSV Mainz 05), 16 Spiele, 8 Tore, 1 Torvorlage, Kicker-⌀-Note 2,91
Nur vier Spieler konnten in dieser Saison bislang mehr Tore erzielen als der 23-jährige Deutsch-Türke Yunus Mallı – und die spielen in München, Dortmund und Leverkusen. Mehr als jedes dritte Tor von Mainz hat Mallı erzielt und sein Team so auf einen unerwarteten siebten Platz geschossen. Die Leistungsexplosion des schon länger als Talent geltenden Dribblers hat Begehrlichkeiten geweckt: Obwohl Mallı sein gesamtes (Fußballer-)Leben in Deutschland verbrachte und die Jugendmannschaften des DFB durchlief, entschied er sich im Herbst für die Türkei und absolvierte im November sein erstes A-Länderspiel für die Heimat seiner Eltern.

Mahmoud Dahoud (Borussia Mönchengladbach), 16 Spiele, 2 Tore, 4 Torvorlagen, Kicker-⌀-Note 3,17
Kaum einer steht so sehr für den verrückten Saisonverlauf und die wiedergefundene Stärke der Gladbacher Borussia wie der 19-jährige, in Syrien geborene Mahmoud Dahoud. Ein einziges Mal war er in der vergangenen Spielzeit kurz vor Schluss eingewechselt worden, das war’s in Sachen Bundesligaerfahrung. In dieser Hinrunde stand er in jeder Partie auf dem Platz. Zu Saisonbeginn wurde er viermal eingewechselt, alle vier Spiele gingen verloren. Ab dem 5. Spieltag stand er dann immer in der Anfangself – und Gladbach siegte in 8 von 12 Partien.

Angriff

Yoshinori Mutō (1. FSV Mainz 05), 16 Spiele, 7 Tore, 4 Torvorlagen, Kicker-⌀-Note 3,17
Fußstapfen zu füllen, ist eine Herausforderung – und Shinji Okazakis Fußstapfen in Mainz waren groß. 27 Tore in 65 Spielen hatte der Japaner für die Rheinhessen erziehlt, bevor er zum jetzigen Premier-League-Spitzenreiter Leicester City weiterzog. Als Ersatz wurde Landsmann Mutō vom FC Tokyo geholt, und die Hoffnung auf eine schnelle Eingewöhnung erfüllte sich: Schon im dritten Spiel traf Mutō doppelt, fünf Tore und vier Vorlagen ließ er seitdem folgen. Nur drei Bundesligastürmer haben in dieser Saison bessere Kicker-Noten: die übermächtigen Lewandowski und Aubameyang sowie Karim Bellarabi von Bayer Leverkusen. Ein verheißungsvoller Start für den Mann aus Fernost.

Vedad Ibišević (Hertha BSC Berlin), 9 Spiele, 6 Tore, 2 Torvorlagen, Kicker-⌀-Note 3,28
Unsere Elf komplettiert ein lange Zeit abgeschriebener Comebacker mit der imposanten Erfahrung von 211 Bundesligaspielen. Seine größte Zeit hatte der Bosnier Ibišević vor sieben Jahren, als er den damaligen Aufsteiger Hoffenheim mit 18 Treffern in 17 Spielen zur Herbstmeisterschaft schoss und in der Kicker-Rangliste in der Kategorie „Weltklasse“ landete. Es folgten ein Kreuzbandriss, mehrere Jahre und Tore in Hoffenheim und Stuttgart und schließlich der Tiefpunkt mit der vergangenen Spielzeit, in der Ibišević in 14 Spielen für die Schwaben kein einziges Mal traf. Ende August wechselte der 31-Jährige dann zu Hertha BSC – und erlebt dort einen weiteren, späten Frühling: bislang 6 Tore in 9 Spielen und einen fast schon sensationellen dritten Tabellenplatz mit den Berlinern.

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