SOLAR IMPULSE: Wolken, Winde und der moment of truth

Über einen Monat harrt die Crew der Solar Impulse nun schon in China aus, denn die nächste Etappe des Solarflugzeugs erfordert stabiles Wetter: Es geht über den Pazifik, auf einen Rekordflug in doppelter Hinsicht. Jeden Tag kann es losgehen.

Vor gut fünf Wochen, am 21. April, landete die Solar Impulse 2 im ostchinesischen Nanjing. Seitdem heißt es für alle Beteiligten: zum Himmel schauen, hoffen und warten. Denn die nächste Etappe wird alle sechs bisherigen in den Schatten stellen, es geht an die Überquerung des Pazifischen Ozeans bis nach Hawaii. Und weil das ohnehin schon eine wahre Mammutaufgabe und eine ungeheure Pionierleistung bedeutet, nämlich den längsten je absolvierten Flug eines Solarflugzeugs, was Distanz (8172 Kilometer) und Dauer betrifft (5 Tage), darf buchstäblich kein Wölkchen den Himmel trüben und das Gelingen des Pazifikflugs unnötig gefährden.

Aus diesem Grund wurde der Start der Si2 schon mehrfach verschoben, zuletzt am Montag. Erst wenige Stunden, bevor das Flugzeug abheben sollte, hieß es von Seiten der Flugkontrolle: Hiergeblieben, die Risiken sind zu hoch. Das Wetter war instabiler geworden und dadurch auch schwieriger vorherzusagen. Eine kontinuierliche Wolkendecke über China und dem Japanischen Meer würde aber das Aufladen der Lithium-Batterien über die 17.248 Solarzellen erschweren. Eine Kaltfront über dem Pazifik und aufkommende Winde hätten außerdem zur Folge, die Flugzeit auf sieben Tage ausweiten zu müssen – eine zu hohe Belastung für den Piloten, für den maximal 20 Minuten Schlaf am Stück möglich sein werden. Und schließlich hätte auch der vorgesehene Notfallflughafen in Japan bei schlechtem Wetter nicht angeflogen werden können.

Für den Piloten André Borschberg bedeutet die siebte Etappe, mindestens fünf Tage und Nächte ununterbrochen in der Luft zu sein, eingedeckt mit einem Proviant von 2,5 Kilogramm Essen und 3,5 Litern Wasser – pro Tag. Gymnastik und Yoga sollen den Piloten fit und wach halten. Dabei wird es im 3,8 Kubikmeter großen Cockpit nicht immer gemütlich sein: Temperaturen zwischen -40 und +40 Grad Celsius werden erwartet. Kein Wunder, dass Borschberg twitterte: „Es wird der Flug meines Lebens.“ Die Organisatoren nennen den Pazifikflug auch „the moment of truth“, den „Moment der Wahrheit“.

Wann es nun wirklich weitergeht, bleibt abzuwarten. Flugdirektor Raymond Clerc hat schon kämpferisch angekündigt: „Wir machen keine Pause.“ Schon in den kommenden Tagen sieht er ein mögliches neues Startdatum.

Über den verschobenen Start zum Pazifikflug und die Hintergründe berichteten internationale Medien:

In den kommenden Wochen und Monaten halten wir Sie auf dem Laufenden, mit Bildern, Videos und aktuellen Statusmeldungen auf SOLAR IMPULSE @ Senkrechtstarter.

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