Aufzüge in aller Welt: Sendig-Aufzug (Bad Schandau)

By Oxensepp / Wikimedia Commons

Mit 50 statt 152 Metern Höhe, aber gleicher Bauart gilt der Personenaufzug in Bad Schandau als „kleiner Bruder“ des Hammetschwand-Liftes bei Luzern. Von der Aussichtsplattform bietet sich hier ein weiter Blick über das Elbtal der Sächsischen Schweiz.

Personenaufzug Bad Schandau © Wikimedia Commons/Tnemtsoni

Erdacht und vollständig finanziert wurde der elektrische Personenaufzug durch den ortsansässigen Hotelier Rudolf Sendig in den Jahren 1904/1905, in der Spätphase des Jugendstils. Noch heute befördert der Lift seine Passagiere von Bad Schandau bis hoch hinauf in den Ortsteil Ostrau auf der sogenannten Ostrauer Scheibe, einem Plateau, auf dem es in einem Freiluftgehege Luchse zu sehen gibt. Auf dem Weg nach oben überwindet der Aufzug einen Höhenunterschied von 47,76 Metern.

Bis 1921: Gleichstrom von der Straßenbahn

Hergestellt wurde der Aufzug einst durch die Firma August Kühnscherf & Söhne, er fährt in einem 52,26 Meter hohen, bei der Firma Kelle & Hildebrandt in Großluga fabrizierten, genieteten Stahlfachwerkturm, der an der oberen Ausstiegshaltestelle über eine Brücke mit der Felswand verbunden wurde. Die Fördermaschine ist in einem separaten Raum neben dem Einstieg der Talstation angeordnet, in der Turmspitze befinden sich die Umlenkräder der Seilführung. Der Antrieb des Aufzugs erfolgte seit Beginn durch elektrischen Strom, bis 1921 mit Gleichstrom. Dieser wurde während der Sommermonate der Fahrleitung der elektrischen Kirnitzschtalbahn entnommen, im Winter und im Notfall erfolgte die Versorgung durch einen Akkumulator, der vorher aus dem Ortsnetz gespeist wurde.

Während des Ersten Weltkrieges war der Betrieb der Anlage eingestellt. 1921 wurde der Antrieb des Personenaufzugs auf Drehstrom umgestellt, für den Notbetrieb blieb eine Handkurbel. 1950 wurde eine Treibscheibenfördermaschine eingebaut. 1961 wurden zwei zusätzliche Abspannseile und 1978 eine neue Steuerung angebracht. In den Jahren 1989/1990 wurde die Anlage, die 1954 unter Denkmalschutz gestellt wurde, renoviert.

Zuletzt schaffte es der Personenaufzug gar bis nach Hollywood, er war Schauplatz einiger Szenen im 2013 gedrehten und später oscarprämierten Film Grand Budapest Hotel.

Technische Daten:

Eröffnung: 1905 / Rekonstruktion: 1989 – 1990 / Gesamthöhe: 52,26 Meter / Plateauhöhe: 47,76 Meter / Turmkonstruktion: genietete Fachwerkkonstruktion / Durchmesser Turm am Fuß: 5,20 Meter / Durchmesser Turm am oberen Ausstieg: 2,50 Meter / Zugangssteiglänge: 35 Meter bei 3 Metern Breite / Breite der Aussichtsplattform: 1,25 Meter / Fördermaschine: am Turmfuß angeordnet / Steuerung: vom Fahrkorb aus (Schleppleitungen) / Kapazität: 12 Personen / Hersteller: Firma Kühnscherf & Söhne, Dresden

(Quellen: de.wikipedia.org, bad-schandau.de, bergbahngeschichte.de)

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