Ausstellung im DAM: Hochhausstadt Frankfurt

Keine deutsche Stadt ist derart stark vom vertikalen Bauen geprägt wie Frankfurt am Main. Die Ausstellung „Himmelstürmend“ des Deutschen Architekturmuseums zeigt noch bis April, wie und warum die Bankenstadt in die Höhe wuchs.

Architektonisches Werden und Vergehen zeigte sich im abgelaufenen Jahr 2014 nirgendwo deutlicher als in Frankfurt. Während erst vor wenigen Wochen die Europäische Zentralbank von ihrer bisherigen Zentrale im Eurotower in einen dekonstruktivistischen Neubau im Ostend zog, war schon im Februar mit dem AfE-Turm der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität ein unverkennbares Kind der frühen 1970er-Jahre dem Zeitgeist gewichen; die Sprengung des brutalistischen Stahlbetonbaus war bundesweit live im Fernsehen zu verfolgen.

Die Macher der Ausstellung HIMMELSTÜRMEND – Hochhausstadt Frankfurt hätten sich also kaum einen passenderen Zeitpunkt für ihre Schau aussuchen können. Sie reicht vom Wiederaufbau Frankfurts nach dem Zweiten Weltkrieg bis in eine Gegenwart globaler Finanzmärkte. „Ausgewählte Bauten werden dabei in ihren historischen, ökonomischen und kulturellen Kontext gestellt“, schreibt das DAM auf seiner Homepage und nennt beispielhaft das Bienenkorbhaus und das Junior-Haus als klassische historische Bauwerke, den Silberturm und Messeturm, den Commerzbank Tower und den Main Tower. Auch visionäre Projekte finden ihren Platz in der Ausstellung, wie der Campanile, der Millennium-Tower oder Überbauungspläne für den Hauptbahnhof.

Für die Frankfurter Rundschau zeigt die Schau, dass „nicht jeder Hochhausplan ein vernünftiger war“, weil seit jeher „Frankfurts Hochhausbau ein Tummelfeld kapitaler Hybris ist“. Außerdem erinnert die Zeitung daran, dass die Stadt während des Häuserkampfes im Westend 1973 als „Inkarnation einer verfehlten Stadtentwicklung“ galt.
Für den Hessischen Rundfunk ist eine besondere Entdeckung in der Ausstellung Ludwig Mies van der Rohes Wettbewerbsentwurf für die Zentrale der Commerzbank: „Der nahezu unbekannte Entwurf wäre – wenn er realisiert worden wäre – sein einziges Hochhaus in Deutschland gewesen. Doch sein Entwurf konnte sich nie durchsetzen.“ Ein Nachbau des verschollenen Wettbewerbsmodells ist in der Frankfurter Schau zu sehen.
Spiegel Online wiederum erachtet als besonders sehenswert, „was in Frankfurt ungebaut geblieben ist oder derzeit prospektiert wird“. So gehe ein gewisser Grusel aus von den verworfenen Plänen für Frankfurt 21, „nach denen nur die Fassade des Bahnhofs stehen geblieben und mit kubistischen Klötzen überbaut worden wäre“. Der Trend gehe hin zum Wohnungsbau der gehobenen Preisklasse, etwa in den Gateway Gardens, wo „ein neues Stadtviertel für globalisierungsfreudige Menschen entstehen wird – weitab von der Stadt, dafür mit direktem Anschluss an den Flughafen“. Die „Niederungen des sozialen und damit erschwinglichen Wohnungsbaus“ würden damit zunehmend aus dem Blick geraten, so der Autor.

Die Ausstellung Himmelstürmend ist noch bis zum 19. April im Deutschen Architekturmuseum zu sehen, das Begleitprogramm bietet unter anderem Vorträge der Architekten Albert Speer und Helmut Jahn.

Coop Himmelb(l)au: Europäische Zentralbank (EZB) © Foto: Robert Metsch, 2014

Coop Himmelb(l)au: Europäische Zentralbank (EZB) © Foto: Robert Metsch, 2014

Sprengung des AfE-Turms, 2. Februar 2014 Foto: © Boris Zdravkovski, 2014

Sprengung des AfE-Turms, 2. Februar 2014 Foto: © Boris Zdravkovski, 2014

Bienenkorbhaus Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Foto: © Klaus Meier-Ude, 1977

Bienenkorbhaus Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Foto: © Klaus Meier-Ude, 1977

Foster + Partners: Commerzbank Tower Foto: © Uwe Dettmar, 2009

Foster + Partners: Commerzbank Tower Foto: © Uwe Dettmar, 2009

Murphy \ Jahn: Messeturm Foto: © JAHN, 1991

Murphy \ Jahn: Messeturm Foto: © JAHN, 1991

Ludwig Mies van der Rohe, Wettbewerbsentwurf für die Commerzbank, Modell, 1968 Foto: © 2014 MoMA, New York; Scala, Florenz

Ludwig Mies van der Rohe, Wettbewerbsentwurf für die Commerzbank, Modell, 1968 Foto: © 2014 MoMA, New York; Scala, Florenz

Gateway Gardens mit dem Frankfurter Flughafen im Hintergrund und The Squaire (rechts außen), Visualisierung © Gateway Gardens, 2014

Gateway Gardens mit dem Frankfurter Flughafen im Hintergrund und The Squaire (rechts außen), Visualisierung © Gateway Gardens, 2014

 

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