Gerkan zum Achtzigsten: Vom TXL zum BER

Weltweit bekannt wurden er und sein Hamburger Architekturbüro durch Airports, Bahnhöfe und Fußballstadien rund um den Globus, in China erschaffen sie gar eine ganze Stadt. Am Wochenende feierte Meinhard von Gerkan, Schöpfer des Flughafen Tegel, seinen 80. Geburtstag. Eine Würdigung.

Geboren wurde Gerkan am 3. Januar 1935 im lettischen Riga, früh verlor er seine Eltern. Der Vater fiel im Krieg, die Mutter starb kurz nach der Flucht aus Posen. Als Pflegekind wuchs Gerkan fortan in Hamburg auf, dort fiel er an der Waldorfschule durchs Abitur, brach erst ein Jura-, dann ein Physikstudium ab. Zu großen Meriten gelangte er trotzdem – als Architekt. Die Stadt an Alster und Elbe ist seine Heimat und auch die der weltweit renommierten Architektensozietät, die Gerkan 1965 gemeinsam mit Volkwin Marg gründete. Gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, kurz gmp, betreibt heute nicht nur Büros in Hamburg und Berlin, Aachen und Frankfurt am Main, sondern auch im ostasiatischen Raum: in Peking und Shanghai, Shenzhen, Hanoi und Neu-Delhi. Rund 500 Mitarbeiter zählt gmp inzwischen, im Jahr 2013 lag es auf Rang 23 der weltgrößten Architekturbüros.

Flughafen Berlin-Tegel © Wikimedia Commons / MainFrame

Flughafen Berlin-Tegel © Wikimedia Commons / MainFrame

350 Bauten hat das Büro in den 50 Jahren seines Bestehens realisiert, 590 Wettbewerbspreise eingeheimst. Doch als besonders prägend gilt noch immer eines der ersten Projekte: die Erweiterung des Flughafens Berlin-Tegel. Fast zehn Jahre nahmen Planung und Bau des TXL in Anspruch, am 1. November 1974 wurde schließlich das – inzwischen ikonographische – sechseckige Hauptterminalgebäude am südlichen Ende des Airports eröffnet.

Als Flughafen der kurzen Wege gilt Tegel und erfreut sich noch immer großer Beliebtheit – nicht zuletzt wegen der Verzögerungen beim Bau des Flughafens Berlin Brandenburg. Architekten des BER: Gerkan, Marg und Partner.

Berliner Hauptbahnhof © Wikimedia Commons / Ansgar Koreng

Berliner Hauptbahnhof © Wikimedia Commons / Ansgar Koreng

Zwischen dem größten Triumph und dem schlimmsten Debakel lagen zahlreiche weitere Projekte mit deutschlandweiter oder gar internationaler Strahlkraft, nicht zuletzt im Bereich des Flug- und Schienenverkehrs: Für den Ausbau der Flughäfen in Hamburg, Stuttgart und Moskau zeichnete gmp verantwortlich sowie für Fernbahnhöfe im chinesischen Tianjin und in Berlin (Spandau 1998, Hauptbahnhof 2006). Der Streit mit dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn um die Dachlänge des Berliner Hauptbahnhofs führte Gerkan vor Gericht und brachte ihm zudem ein großes Medienecho ein.

Nationalstadion von Brasília © Wikimedia Commons / Brazilian Government

Nationalstadion von Brasília © Wikimedia Commons / Brazilian Government

Doch das Portfolio von gmp kennt noch viel mehr Betätigungsfelder: Für die Fußballweltmeisterschaften in Deutschland, Südafrika und Brasilien bauten beziehungsweise erweiterten die Architekten neun Stadien, unter anderem in Berlin, Kapstadt und Brasília.

Hanoi-Museum

Hanoi-Museum

Auch Kulturbauten verantwortete Gerkans Büro, etwa das Chinesische Nationalmuseum in Peking oder das Hanoi-Museum in der vietnamesischen Hauptstadt. In China entsteht derzeit das gigantischste aller gmp-Projekte: Die Planstadt Lingang ist eine Hafenmetropole unweit von Shanghai, die seit 2003 wächst und im Jahr 2020 fertiggestellt sein soll – mit dann 1,2 Millionen Einwohnern.

Anlässlich seines 80. Geburtstags würdigten zahlreiche Zeitungen Meinhard von Gerkans Verdienste, unter ihnen die tageszeitung, die Frankfurter Allgemeine, die Süddeutsche Zeitung, Der Tagesspiegel sowie Die Welt.

Eine Übersicht über alle bisherigen Projekte von Gerkans bietet gmp-architekten.de.

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