Fahrstuhlmannschaft: Entdeckungen der Saison

Arjen Robben, Philipp Lahm oder Xabi Alonso: Dass einige Weltstars der 52. Bundesliga-Spielzeit ihren Stempel aufdrücken würden, war zu erwarten. Doch wer kam mehr oder weniger aus dem Nichts und wurde zum Shootingstar? Wir zeigen die positiven Überraschungen der Hinrunde.

Zwar sind noch nicht alle Spiele vor der Winterpause absolviert, ein Zwischenfazit lässt sich aber trotzdem schon ziehen. Manche Bundesligaspieler haben sich erst in den vergangenen Monaten einen Namen gemacht, vor der Saison kannten sie nur ausgewiesene Experten. Oder aber Altbekannte erlebten ihren zweiten oder gar dritten Frühling. Senkrechtstarter präsentiert seine Fahrstuhlmannschaft: Spieler auf dem Weg nach oben, in die Beletage des Fußballs.

Tor:

Felix Wiedwald (Eintracht Frankfurt) 10 Spiele, 19 Gegentore, Kicker-Durchschnittsnote 2,61
Der 24-jährige Ersatzkeeper gab sein Bundesliga-Debüt in der vergangenen Saison – denkbar undankbar – beim 0:5 gegen Bayern München, und auch im September beim Heimspiel gegen Mainz profitierte er von einer Verletzung der etatmäßigen Nummer eins Kevin Trapp. Am fünften Spieltag eingewechselt, folgten neun komplette Spiele am Stück, bevor ihn selbst eine Krankheit ausbremste. Trotz vieler Gegentore ist Wiedwald laut Kicker-Noten der viertbesteste Spieler dieser Saison.

Abwehr:

Tin Jedvaj (Kroatien/Bayer 04 Leverkusen), 13 Spiele, 2 Tore, 1 Torvorlage, Kicker-Durchschnittsnote 3,38
Nach seinen ersten drei Spielen in der Bundesliga hatte Jedvaj bereits zwei Tore erzielt und eines vorbereitet – und das als weitgehend namenloser, 18-jähriger Abwehrspieler. Inzwischen ist der Kroate 19 geworden, Nationalspieler für sein Land und sah in der Bundesliga eine Rote Karte. Trotzdem ist der Defensivallrounder bereits jetzt fester Bestandteil der Leverkusener Verteidigung.

Uwe Hünemeier (SC Paderborn), 13 Spiele, 2 Tore, 1 Torvorlage, Kicker-Durchschnittsnote 3,12
Aus der Jugend von Borussia Dortmund stammt der 28-Jährige, machte sein erstes von fünf Bundesliga-Spielen für Schwarz-Gelb vor ziemlich genau neun Jahren gegen Bayern München. Doch erst in dieser Saison kam er als Stammspieler in die höchste deutsche Spielklasse, beim krassen Außenseiter Paderborn hält er die Abwehr zusammen und sorgt so für den kaum für möglich gehaltenen Mittelfeldplatz des Aufsteigers aus Ostwestfalen.

Abdul Rahman Baba (Ghana/FC Augsburg), 15 Spiele, 4 Torvorlagen, Kicker-Durchschnittsnote 3,33
17 Ligaspiele hat Abdul Rahman Baba seit August schon auf dem Buckel. In seinem zweiten Spiel, noch im Trikot von Greuther Fürth in der Zweiten Liga, überragte er, seine Bilanz damals: 2 Tore und eine Torvorlage. Nur zwölf Tage später machte er sein erstes Spiel für Augsburg, diesmal in Liga eins, und fehlte seitdem in keiner Partie. Nur drei Mannschaften haben weniger Gegentore hinnehmen müssen als die bayerischen Schwaben – auch ein Verdienst des ghanaischen Nationalspielers Baba.

Jonas Hector (1. FC Köln), 15 Spiele, 1 Tor, Kicker-Durchschnittsnote 3,57
Vor zweieinhalb Jahren noch Regionalliga West, seit dem 14. November deutscher Nationalspieler: Jonas Hector ist ein echter Senkrechtstarter, debütierte nach nur elf Bundesligaspielen in der EM-Qualifikation. Keine Minute hat der 24-jährige Linksverteidiger in dieser Saison bisher verpasst – und wegen des Mangels an Außenverteidigern auch gute Chancen, noch häufiger im Nationaldress aufzulaufen.

Mittelfeld:

Sebastian Rode (FC Bayern München), 10 Spiele, 1 Tor, 4 Torvorlagen, Kicker-Durchschnittsnote 2,7
„Was wollen die Bayern denn mit dem?“, mag sich mancher gefragt haben angesichts des Transfers Sebastian Rodes von Eintracht Frankfurt nach München. Zwar profitierte der 24-Jährige auch von den vielen Verletzten im Bayern-Mittelfeld (Lahm, Thiago, Martínez, Schweinsteiger), aber trotzdem sind seine bisherigen zehn Saisonspiele – dabei sieben Einwechslungen – und die fünfbeste Durchschnittsnote im Team (vor Xabi Alonso, Philipp Lahm und Manuel Neuer) ein dickes Ausrufezeichen.

Moritz Stoppelkamp (SC Paderborn), 14 Spiele, 3 Tore, 1 Torvorlage, Kicker-Durchschnittsnote 3,21
Selbst wenn für Paderborn alles noch ganz schlecht laufen sollte, wird man Moritz Stoppelkamp seinen Rekord nicht mehr nehmen können. Aus 82,3 Metern Torentfernung traf er am vierten Spieltag gegen seinen ehemaligen Verein Hannover 96 und stellte damit womöglich eine Bestmarke für die Ewigkeit auf. Der „Torschütze des Monats“ September genoss noch eine weitere Ehrung: Auf dem Stadion-Vorplatz in Paderborn wurde eine „Stoppelkamp-Allee“ eingeweiht, mit einer Länge von 82,3 Metern.

Zlatko Junuzovic (Österreich/Werder Bremen), 15 Spiele, 2 Tore, 7 Torvorlagen, Kicker-Durchschnittsnote 3,07
Einer der besten Mittelfeldspieler der laufenden Saison spielt beim Tabellenvorletzten. Was unwahrscheinlich klingt, stützen die Zahlen: Nur Wolfsburgs Kevin De Bruyne hat bisher mehr Tore vorbereitet als Zlatko Junuzovic, Spielmacher der abstiegsgefährdeten Hanseaten. Anders gesagt: An 9 von 23 Bremer Toren war der Österreicher bislang beteiligt, jede Minute dieser Saison stand er auf dem Platz. Nicht auszudenken, was geschähe, wenn er einmal fehlen sollte…

Tobias Strobl (TSG Hoffenheim), 14 Spiele, 2 Torvorlagen, Kicker-Durchschnittsnote 3,08
„Ich möchte am liebsten noch mal drei Strobls. So ein Spieler ist einfach super für jeden Trainer und für die ganze Mannschaft“, sagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol erst vor Kurzem voller Anerkennung über den eher unscheibaren 24-Jährigen, der auch eine Karriere als Golfspieler erwog. Man könne ihn eigentlich auf jeder Position einsetzen und mit einer sauberen Leistung rechnen, fügte der Trainer hinzu. Tatsächlich spielte Strobl in dieser Saison als Innen- und Rechtsverteidiger, in der vergangenen Spielzeit vor allem im defensiven Mittelfeld, gilt aber auch als Alternative für die rechte Außenbahn und das zentrale Mitteld. Eine Allzweckwaffe.

Angriff:

Julian Schieber (Hertha BSC Berlin), 9 Spiele, 5 Tore, 1 Torvorlage, Kicker-Durchschnittsnote 3,75
Als der (einstige) Weltstar Salomon Kalou zum Hauptstadtclub wechselte, schien die Zeit von Schieber, Neuzugang aus Dortmund, abgelaufen. Und das trotz dreier Tore und einer Vorlage in den ersten beiden Spielen. Tatsächlich ließ Hertha-Trainer Luhukay nie beide Stürmer zusammen beginnen, Schieber stand zwischen dem 7. und dem 11. Spieltag keine einzige Minute auf dem Platz. Doch seit vier Spielen hat er wieder die Nase vorn. „Julian ist derzeit aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Er ist sehr wertvoll für das Team“, so der Trainer über den 25-Jährigen, der im Abstiegskampf mit guten Zweikampfwerten und deutlich besserem Defensivverhalten gegenüber seinem Konkurrenten punktet.

Alexander Meier (Eintracht Frankfurt), 14 Spiele, 10 Tore, 1 Torvorlage, Kicker-Durchschnittsnote 3,27
56 Bundesligatore hatte Meier vor dieser Saison schon für Eintracht Frankfurt erzielt, eine große Entdeckung ist der 31-Jährige mit dem Allerweltsnamen also nicht. Dass er in seinem elften Jahr am Main noch mal derart aufdrehen würde, war aber nicht gerade zu erwarten. Zumal er in den ersten drei Partien höchstens eingewechselt wurde; erst am vierten Spieltag stand er in der Anfangsformation. Die beeindruckende Bilanz seitdem: 10 Tore in 12 Spielen.

Karim Bellarabi (Bayer 04 Leverkusen), 15 Spiele, 7 Tore, 4 Torvorlagen, Kicker-Durchschnittsnote 2,73
Überzeugen konnte Bellarabi schon in der vergangenen Saison als Leihspieler bei Eintracht Braunschweig. Aber dass er sich nun auch in Leverkusen auf Anhieb würde durchsetzen und die Nachfolge des zu Schalke abgewanderten Sidney Sam würde antreten können, war längst nicht gesagt. Nach 15 Startelfeinsätzen in der Liga und acht im Europapokal scheint klar: An Bellarabi führt kein Weg vorbei. Vielleicht gilt das künftig ja auch für die deutsche Nationalmannschaft, in der der Flügelstürmer im Oktober und November seine ersten vier Länderspiele bestritt.

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