Architekt Xaver Egger über das Bauen in die Höhe

Xaver Egger ist Gründer des Büros SEHW Architektur mit Hauptsitz in Berlin. Senkrechtstarter verrät er seine Lieblingshochhäuser – und berichtet von einer leicht verstörenden Fahrstuhlfahrt in Montevideo.

Xaver Egger, geboren 1965 in Altötting, hat nach einer Ausbildung zum Tischler an der Fachhochschule München Architektur studiert sowie zwischendurch an der Kunstakademie Düsseldorf ein Jahr Plastisches Gestalten. Nach dem Abschluß des Architekturstudiums mit dem Diplom 1992 hat er sich relativ schnell selbständig gemacht.
Unter dem Büronamen SEHW, der für die Gründer Martin Schreiber, Xaver Egger, Andreas Horlitz und Christoph Winkler steht, ist er in der Praxis tätig. 1996 gegründet, ist SEHW heute eine eingetragene Marke. Unter dem Dach der Marke existieren mehrere international tätige Unternehmen mit derzeit etwa 50 Mitarbeitern an verschiedenen Standorten. Neben der originären Architektentätigkeit ist SEHW in den Bereichen Generalplanung und Projektentwicklung tätig. Schwerpunkte sind Gebäude öffentlicher Nutzung, meist als Ergebnis vorgeschalteter Architektenwettbewerbe, und Büros, Hotels, Retail, etc. für private gewerbliche Bauherren, Investoren, Entwickler.

Neben seiner Tätigkeit im Büro ist Xaver Egger Professor an der Hochschule Bochum im Fachbereich Architektur. Der von ihm angebotene Masterstudiengang Architektur:Entwicklung ist in seiner Form bisher einzigartig. Er spannt den Bogen von den demografischen Fragen unserer Zeit wie den schrumpfenden Städten und der überalternden Gesellschaft bis hin zu Rendite- und Investitionsrechnungen von Entwicklungsprojekten. Ziel des Masterstudiengangs ist die Aufhebung der zurzeit marktüblichen Trennung der Berufsfelder Städteplanung, Projektentwicklung und Architektur und die Besetzung der Schnittstelle dieser einzelnen Disziplinen durch Architekten.

Auswahl der Projekte:

(Quellen: sehw.de, german-architects.com)

3 Fragen

Bosco Verticale (links) und Marina City (rechts), © Paolo Rosselli und Wiki Commons/Daderot

Bosco Verticale (links) und Marina City (rechts), © Paolo Rosselli und Wiki Commons/Daderot

Worin besteht die Herausforderung beim Bauen in die Höhe?
Für mich persönlich darin, dass ich ungern nach unten gucke. Im Planungs- und Umsetzungsprozess in der Stringenz der Bearbeitung. Beim fertigen Haus hoffentlich im Blick, den man dann hat.

Wann ist ein Aufzug in einem Gebäude gelungen?
Wenn ich ihn gar nicht bewusst wahrnehme und plötzlich schon dort bin, wo ich hinmöchte.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingshochhaus – und warum?
Da gibt es mehrere. Die zwei prägendsten sind der Bosco Verticale in Milano von Stefano Boeri und die Marina City in Chicago von Bertrand Goldberg. Ersteres, da es als zeitgenössisches Hochhaus den Wald in die Höhe bringt, und Zweiteres, da es eine zeitlose Wohnskulptur in grandioser Lage mit tollem Blick ist.

5 Grundsätze

Ein Aufzug ist für ein Gebäude… wie eine Arterie im menschlichen Körper.

Niemals sollte ein Aufzug… Angstzustände auslösen durch Enge, diffuse Beleuchtung, ruckartige Bewegung, etc.

In zwanzig Jahren werden Aufzüge… entweder ganz anders aussehen als heute oder nur kleine Facelifts erhalten, aber noch genauso funktionieren.

Der eindrucksvollste Aufzug… neulich im Hotel in Montevideo: zugelassen für drei Personen, faktisch aber nur alleine nutzbar, deshalb quasi immer belegt und nie zur Verfügung. Wenn man doch mal Glück hatte: abgewetzte Schichtstoffoberflächen, blinder Spiegel und die Stufe zwischen der tatsächlichen Halteposition und dem Fußboden ca. 20 cm.

Ich selbst nutze Aufzugfahrten… selten für den Elevator Pitch, da ich nie Entscheidungsträger in Aufzügen treffe. Nutze sonst gerne auch die Treppe. Außer bei Hochhäusern, wobei wir wieder am Anfang wären.

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