Völlig von Simmen: Koolhaas in Venedig

Würdigt den Aufzug! Das forderte der niederländische Architekt Rem Koolhaas schon 1978. Jetzt tut er es erneut, auf der Architektur-Biennale. Jeannot Simmen war zu Besuch in Venedig. Einmal im Monat schreibt der Kulturwissenschaftler und Fahrstuhl-Experte für Senkrechtstarter.

Der Aufzug – ein „Fundamental“ in Venedig

Die Architektur-Biennale in Venedig ist das Highlight nicht allein für Architekten und Bauinvestoren (noch bis 23. Nov. 2014!). Das Neueste und das Beste wird in den vielen Nationalpavillons gezeigt. Im Zentral-Pavillon wird stets das Wichtigste der Architektur von einem Kurator ausgestellt.

2014 entwarf der international führende Architekt und Uni-Professor Rem Koolhaas (Rotterdam) das Gesamtkonzept als Chefkurator, unterstützt von den Mitarbeitern der Harvard Graduate School of Design. Und: 2014 ist Alles anders als bislang!

Rem Koolhaas präsentiert nicht statisch-extreme Entwürfe von Hochhäusern, keine Highlights von wagemut-gekrümmt-verdrehten Architekturen. Sondern „Basics“, die „Fundamentals“ von „Wand – Decke – Dach“ bis „Treppe – Lift – Rampe“, insgesamt 15 Positionen. Einfach und klar. Ein großes Plädoyer für eine durchdachte, intelligente Architektur, ein Kontra zu allen künstlerisch-individuellen, kreativen Markensetzungen; durchkonjugiert in 15 Basis-Abteilungen.

Der Aufzug spielte 1978 eine wichtige Rolle in dem großartigen Manifest von Koolhaas Delirious New York. – Der Lift ermöglichte die sinnvolle Erschließung der Skyscraper, ohne Fahrstuhl kein Hochhaus! Koolhaas beklagte damals wie jetzt in Venedig 2014 die nach wie vor versteckt-stiefmütterliche Anordnung der elementaren Vertikal-Erschließung durch Aufzüge.

Foto: Francesco Galli

Foto: Francesco Galli

Allerdings der Raum „Elevator“ enttäuscht (nach dem vielfältigen „Treppen“- Raum) durch die simple Anordnung von zwei Zugängen zu Up und Down Shuttles. Verweist aber auf einen Prototypen eines Aufzugs der Eindhoven University Robotics, der horizontal und vertikal sich bewegen könne (war under repair bei meinem Besuch).

Interessant ist der separate kleine Katalog „Elevator“ (enthalten in: „Elements“) mit vielen historischen Informationen und Abbildungen und vor allem mit innovativen Überraschungen, die zeigen, dass die Aufzugsanlagen technisch ausgereift und ein Gebiet neuer Ideen sind. Interessant liest sich das Interview von Rem Koolhaas mit Paul Friedli, dem Chief Innovator bei Schindler.

Fahren Sie nach Venedig, im Herbst wunderbar – oder erwerben Sie wenigstens den Katalog! Schöne Reise und schöne Lektüre wünscht Ihnen Ihr
Jeannot Simmen

Statement of Rem Koolhaas:
Elements of Architecture looks under a microscope at the fundamentals of our buildings, used by any architect, anywhere, anytime: the floor, the wall, the ceiling, the roof, the door, the window, the façade, the balcony, the corridor, the fireplace, the toilet, the stair, the escalator, the elevator, the ramp. …
It brings together ancient, past, current, and future versions of the elements in rooms that are each dedicated to a single element. To create diverse experiences, we have recreated a number of very different environments – archive, museum, factory, laboratory, mock-up, simulation…

SimmenDr. Jeannot Simmen ist Autor, Ausstellungs- und Büchermacher. Er lehrte Kunst und Design an Universitäten in Berlin, Kassel, Wuppertal und Essen und ist Gründer sowie Vorsitzender des Club Bel Etage in Berlin, einem Ort kulturellen Austauschs und kreativer Initiativen.
Von Simmen stammen unter anderem die Bücher Der Fahrstuhl. Die Geschichte der vertikalen Eroberung und Vertikal. Aufzug – Fahrtreppe – Paternoster. Eine Kulturgeschichte vom Vertikal-Transport.

In der kommenden Woche präsentiert Senkrechtstarter ein Gespräch mit Jeannot Simmen über Bedeutung und Geschichte des Fahrstuhls – und darüber, wie er selbst zu dem Thema kam.

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