Städteplaner Prof. Kees Christiaanse im Interview

Die Anmeldung zum Global Schindler Award 2015 läuft seit Kurzem. Unter dem Motto “Designing the City as a Resource” richtet er sich weltweit an Studierende der Fächer Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur. Ein Gespräch mit dem Jury-Präsidenten Professor Kees Christiaanse.

Die Aufgabe: Urbanen Raum so (barrierefrei) zu gestalten, dass er es allen Menschen gleichermaßen ermöglicht, an kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Ressourcen teilzuhaben. Austragungsort des Awards im Jahr 2015 ist das chinesische Pearl River Delta mit Shenzhen als Zentrum.

Die Jury wird bei ihrer Arbeit unterstützt von Professor Kees Christiaanse, der sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Städtebau beschäftigt.

Professor Kees Christiaanse

Professor Kees Christiaanse

Ein Interview von Jessica Bridger mit dem “Urban Designer” findet sich in englischer Sprache auf schindler.com, einen Auszug präsentieren wir an dieser Stelle auf Deutsch:

Warum ist Städtebau heute eine so dringliche Herausforderung?
Urbanisierung schreitet ganz offensichtlich in noch nie da gewesenem Ausmaß und Tempo voran. Wenn man in die Geschichte des Städtebaus schaut, erkennt man einen gemächlichen Prozess bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Seitdem hat das Tempo immer weiter zugenommen. Heute haben wir die Situation, dass mehr und mehr Menschen immer mehr städtischen Raum benötigen, mehr bebaute Fläche pro Quadratmeter und Person. Arme Staaten verstädtern rasend schnell. Das zeigt sich auf drei Arten: Die erste ist die kompakte Stadt, bei der viele Menschen in einen Ballungsraum migrieren, um Arbeit zu finden, und die Stadt zu einer Megacity anwächst. Die zweite ist das, was ich “Desakota” nenne, den urbanisierten Landschaftsraum, das Lebensumfeld für wahrscheinlich die Hälfte der Weltbevölkerung. Und schließlich die “Akupunktur”-artige Präsenz von Menschen in weniger entwickelten Naturräumen. Diese drei Formen menschlicher Besiedlung umspannen die ganze Welt. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie jede dieser Formen funktioniert und an welcher Stelle man eingreifen kann.

Was ist die Rolle eines “Urban Designers”?
Er muss sich darüber im Klaren sein, dass seine Aufgabe eine Sisyphusarbeit ist. Denn es gibt immer etwas, das einen zum Nullpunkt zurückwirft, oder aber Phasen, in denen man seine Arbeit völlig überdenken muss. Das muss man mögen. Deshalb, glaube ich, lassen viele Architekten die Finger vom Urban Design. Sie wollen ihr wunderschönes Objekt in den Grenzen ihres Grundstücks entwerfen, frei von äußeren Einflüssen. Diesen Luxus gibt es einfach nicht bei großflächigen Urban-Design-Projekten. Zum Beispiel geschieht ein Großteil des städtebaulichen Wachstums in Ländern mit zweifelhaften politischen Umständen. Man muss aber politische und andere Kräfte berücksichtigen, die einen als Interessenten erst mal abschrecken. Ein fähiger Urban Designer muss dazu im Stande sein, einen guten Entwurf aus dem schlechten Geschmack von jemand anderem heraus zu entwickeln.

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