Alle Artikel vonClemens Niedenthal

Grand Funicular Budapest

Manche Filme gehen einfach steil. Wes Andersons opulent-schrille Tragikkomödie Grand Budapest Hotel von 2014 gehört sicher dazu. In welchem anderen Film haben schon die Aufzuganlagen eines in die Jahre gekommenen Grand Hotels der Belle Epoche eine tragende Rolle. Und ein Lift- und ein Lobby-Boy gleich noch dazu.  Weiterlesen

Gedachte Linie – die gescheiterte Idee der Porta Alpina

Die Porta Alpina ist der längste Aufzug Europas – den es gar nicht gibt. Vor allem aber erzählt die Porta Alpina von der (gar nicht mal nur) utopischen Idee, per Lift nicht nur Gebäude, sondern Landschaften, ja Landesteile zu erschließen. Tatsächlich, so postulierten es die Befürworter dieses alpinen Aufstiegsversprechens, hätte dieser Alpenaufzug eine ganze Region wieder angehängt. Das Bündner Surselva, das nicht unbedingt dicht, aber doch besiedelte Vorderrheintal, wäre plötzlich kaum eine Zugstunde mehr weg von Zürich gewesen. Eben noch Peripherie, hätten die Alpenweiler hinter dem Oberalppass so beinahe zum Villenvorort getaugt.

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Der Gotthard-Basistunnel kurz vor seiner Fertigstellung am ersten Juni diesenjahres. Foto: Alp Transit

Der Aufzug im Berg

Doch zunächst die ganze Geschichte. Seit 1999 wurde am neuen Gotthard-Basistunnel gebaut. Die 57 Kilometer lange Untertunnelung der Alpen sollte ein Nadelöhr des europäischen Bahnverkehrs nivellieren: den alten Gotthardtunnel mit seinen steilen, nur langsam zu befahrenden Rampen. Für den Bau des Tunnels wurden drei Versorgungsstollen senkrecht in das Alpenhauptmassiv getrieben, der Mittlere bohrt sich vom rund 1400 Meter hoch gelegenen Weiler Sedrun, der westlichsten Gemeinde des Kantons Graubünden,  in die Tiefe. Und brachte Touristiker und Lokalpolitiker auf eine Idee: Warum nicht ein Zughalt mitten im Gotthard-Basistunnel, eine Haltestelle mit einem Aufzug nebendran. Aus dem Zug in den Lift und hinauf in die Berge. So sah das ganze dann im PR-Video aus:

Pläne wurden geschmiedet. Und tatsächlich, um das Jahr 2005, auch ökonomisch und ingenieurstechnisch durchkalkuliert. 50 Millionen Schweizer Franken hätte der rund 800 Meter lange Aufzug kosten sollen. Und weil wir hier in der Schweiz sind, gab es am 21. Februar 2006 einen Volksentscheid der Graubündener Bürger über den Kantonanteil am bald Porta Alpina, Tor zu den Alpen genannten Projekt. Mit einer Zustimmung von 71 Prozent ging dieser Aufzug durch die Decke.

Schattenbahnhof unter den Alpen

Indes: Die Zeiten ändern sich. Und nach mehreren Verzögerungen wurde die Porta Alpina am 16. Mai 2012 endgültig zu den Akten gelegt. Zu exzentrisch sei das Vorhaben, zudem war nicht abnschließend zu klären in wie weit der Regelzugverkehr im Gotthard-Basistunnel beeinflusst worden wäre. Geblieben ist ein Schattenbahnhof mitten unter den Alpen, eine Aussparung für den Porta-Alpina-Halt, der in nicht ganz so weiser Vorraussicht schon 2006 in den Berg gesprengt worden war.

Realisiert wurde die Porta Alpina inde trotzdem: Im Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt, im Maßstab 1:87. Aber das ist, zugegeben, nur ein Modell(bahn)versuch.

#liftclip: Mit Mr. Bean auf der Rolltreppe

Ein Aufzug ist kein Fahrstuhl. Und auch das Sofa hat keine Räder, das da im Schaufenster die Begehrlichkeiten weckt. Deshalb: Nichts wie rauf in die Möbelabteilung, zu einem Möbel, das man eben nicht teilen kann. Dabei sind es ja eben zwei, einer von Rowan Atkinsons Comicfigur-Alter-Ego Mr. Bean, die dieses Sofa unbedingt und im Wortsinne besitzen wollen. Was folgt ist ein Wettrennen. Mann gegen Frau, Aufzug gegen Rolltreppe. Beide gegen die Fliehkraft der modernen, automatisierten Alltagswelt.

Aber falls Sie jetzt selbst eine kribbelnde Lust verspüren, im Kaufhaus Ihres Vertrauens mal die Rolltreppen zu beschleunigen: So einfach ist das leider nicht. Oder besser: zum Glück.

Geschäftsidee im Elevator Pitch: Brewbox Berlin – Kaffee aus dem Zapfhahn

Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee. Nur leider hat man nicht immer und überall einen guten Kaffee zur Hand. Und schon gar nicht jene helfenden Hände, die gemeinhin den besten Kaffee machen: ausgebildete Baristas, wie es Cory Andreen und Travis Wilson sind. Und so haben sich die beiden Wahl-Berliner daran gemacht, guten, handwerklich gebrühten Kaffee für alle verfügbar zu machen. Brewbox Berlin heißt ihre Idee, die aus dem Zapfhahn kommt.

Elevator Pitch mit Cory Andreen und Travis Wilson

Wer seid ihr?

Cory Andreen: Wir sind Brewbox Berlin, mein Name ist Cory Andreen …
Travis Wilson: … und ich bin Travis Wilson …
Andreen: … wir sind beide schon seit vielen Jahren im Café-Business, haben als Baristas gearbeitet, haben Cafés gegründet, solche Sachen. Wir haben uns also immer um den letzten Schritt gekümmert, bevor der Kaffee im Gaumen der Kunden landet. Jetzt haben wir uns dafür entschieden, das Thema Kaffee einmal grundsätzlicher anzugehen.

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Deshalb nun also Brewbox Berlin. Aber, was ist eine Brewbox?

Andreen: Brewbox hat sich zum Ziel gesetzt, guten Kaffee so einfach wie möglich zu machen. Bis dato ist nämlich so, dass ein einfach und schnell zubereiteter Kaffee niemals, wirklich niemals wirklich gut ist. Und dass es aus verschiedenen Gründen auch noch nie einfach war, einen wirklich guten Kaffee zu machen. Schon gar keinen, der nicht immer frisch gebrüht werden muss. Das größte Problem dabei ist die Oxidation. Nach spätestens einer Stunde hat ein Kaffee, egal wie temperaturstabil er gelagert wird, sein Aroma verloren. Uns ging es darum, das Aroma zu bewahren. Ohne jetzt alle Details preiszugeben: Ganz zentral ist, dass der Kaffee abgefüllt wird, ohne mit Sauerstoff in Berührung zu kommen.
Wilson: Womit wir beim zweiten zentralen Punkt unserer Geschaftsidee angekommen wären: Brewbox is made for everyone. Derjenige, der den Kaffee serviert, muss einfach nur den Zapfhahn aufdrehen, wir haben alle Arbeit schon erledigt. Das kann also jeder, dazu braucht es keinen ausgebildeten Barista. That’s make it nice and easy.

Brewbox ist1 sowohl Convenience-
als auch Premium-Produkt?

Andreen: Brewbox ist für jeden – vor allem aber für jede Situation. Klar, in einem guten Café gibt es die Muße auch einen guten Kaffee zu machen. Aber wir denken an Krankenhäuser, Behörden, Büros … all die Orte, wo man heute üblicherweise sehr schlechten Kaffee trinkt.

Passt Brewbox also auch gut ins Supermarkt- oder Tankstellenregal?

Andreen: Auch darum geht es, klar. Wir arbeiten daran, Dosen abzufüllen. Aber leider ist das nicht ganz so einfach wie etwa beim Bier.

Keine Zauberei – Wissenschaft: Wenn Moleküle Aufzug fahren

Über das Wesen der Metapher hat uns ein gewisser Thomas Müller anlässlich eines Fußballgroßereignisses im vergangenen Sommer Erhellendes gesagt: Eine Metapher sei eine Verbildlichung zur besseren Versinnlichung. Genau.

In diesem Sinne und in diesem Herbst eines wissenschaftlichen Großereignisses, der Bekanntgabe der Nobelpreisträger nämlich, hat uns also folgende Metapher natürlich besonders gut gefallen: der molekulare Aufzug. So nennt Sir J. Fraser Stoddard, neben Bernhard Feringa und Jean-Pierre Sauvage seit heute Nobelpreisträger für Chemie, nanokleine molekulare Maschinen, deren Potenzial die Wissenschaftsredaktion der Zeit ziemlich anschaulich aufbereitet hat. Tatsächlich nämlich passt dieses Bild nicht nur in der unten stehenden Infografik ziemlich gut: Moleküle werden zu einer Nanomachine, in der wiederum andere Moleküle ihr Level ändern. Eine Aufzugsfahrt im Blutkreislauf.

Bildschirmfoto 2016-10-05 um 15.31.46Was die drei Forscher in ihren Labors entwickelten, ist tatsächlich bahnbrechend, auch wenn die realen Anwendungsgebiete noch Zukunftsmusik sind: In einer Welt, die 10.000 mal kleiner ist als ein menschliches Haar, ließen sich aus Molekülen Fahrzeuge und Motoren bauen, die etwa Medikamentenwirkstoffe über den Blutkreislauf zielgenau am jede beliebige Körperstelle bringen könnten.

Die Nobelpreiträger nannten ihre Prototypen analog zur realen Welt „molekularen Muskel“ (Sauvage) „molekularen Motor“ (Feringa) oder eben „molekularen Aufzug“ (Stoddard). Gut möglich, dass der Brite, der seit 2003 an der University of California, Los Angeles, lehrt und vor allem forscht, auf diese Metapher während einer Aufzugsfahrt gekommen ist.

Rasant charmant: über den Dächern von Paris

Eine junge Frau nimmt uns mit. Ein kleiner, verschwörerischer Fingerzeig und dann hinaus aus dem Fenster und hinauf in den Himmel. Rennen. Springen. Staunen. Eine Parcours-Turnstunde über den Dächern von Paris. Zack, schon sind wir drin im Mythos dieser Metropole. Paris, das ist der zweite Hauptdarsteller bei dieser wilden Hatz.

Eine Minute und 45 Sekunden dauert das Spektakel. Es endet an einem Briefkasten, darin ein hübsches, verschnürtes Paket. Die junge Frau freut sich. War also alles nur Werbung. My little Box heißt die Firma, die eben kleine Boxen verschickt. Und die mit diesem Video einen viralen Hit gelandet hat.

IMG_2675-630x354Zugegeben, spektakuläre Videos von nicht minder spektakulären (Fun-)Sportarten haben durch neue Kameratechnologien (von der HD-Helmkamera bis zur Videodrohne) eine gewisse Konjunktur erfahren. Dieser Clip aber zieht uns hinein – oder eben hinauf auf die Dächer über Paris –, weil er mit unseren Erwartungen spielt. Dieses zarte Persönchen, das man allenfalls an einer Ballettstange vermuten würde, zelebriert die athletischen, akrobatischen Moves todesmutiger Parcours-Sportler mit einer lässigen, beiläufigen Eleganz. Selten hatte Nervenkitzel so viel Charme.

Tatsächlich sollte es einige Tage dauern, bis das Netz herausgefunden hatte, was im Netz schon mit Erscheinen des Videos herumgeraunt worden war. Superzeitlupen wurden bemüht, Schnittbilder analysiert – und siehe da: Alles Lüge. Oder eben ein wunderschön erzählte, beschleunigte Illusion von diesem Mädchen auf dem Dach. Einige Szenen wurden mit professionellen Parcours-Sportlern gedreht, andere komplett am Computer montiert. Aber hey, so charmant lassen wir uns gerne verführen. Und schaudern auch beim dritten Gucken wieder kurz, wenn die weißen Sneakers da haarscharf über der Häuserschlucht landen.