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1849 fanden unter Leitung des englischen Archäologen William Kennett Loftus erstmals Ausgrabungen an dem Ort statt, der heute als erste Metropole der Menschheitsgeschichte gilt: Uruk im Süden des heutigen Iraks. Foto: Shutterstock
1849 fanden unter Leitung des englischen Archäologen William Kennett Loftus erstmals Ausgrabungen an dem Ort statt, der heute als erste Metropole der Menschheitsgeschichte gilt: Uruk im Süden des heutigen Iraks. Foto: Shutterstock

Nicht in Stein gemeißelt: die älteste Stadt der Welt

Wo nahm das urbane Leben seinen Ursprung? Ein Rätsel, das Historiker ebenso umtreibt wie Archäologen. Viele Spuren führen nach Jericho im Westjordanland. Doch wer die Frage nach der ältesten Stadt der Welt beantworten will, muss zuerst die Frage nach ihrer Definition stellen.

Die Stadt als Lebensraum des Menschen ist ein Erfolgsmodell. Ganz besonders in der jüngeren Vergangenheit zieht es immer mehr Menschen in urbane Ballungsgebiete. Während Mitte des 20. Jahrhundert noch 30 Prozent der Weltbevölkerung in Städten gelebt haben, sind es heute laut Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereits mehr als 50 Prozent – Tendenz stark anteigend. Bis 2050 soll der Anteil der Stadtbewohner demnach weltweit bei 80 Prozent liegen. In Deutschland sind es schon heute knapp 78 Prozent.

Die älteste Stadt der Welt: eine Frage der Definition

Bleibt die Frage, woran wir überhaupt festmachen, was wir als Stadt bezeichnen. Dafür gibt es heute verschiedene Ansätze. Die meisten richten sich nach der absoluten Bevölkerungszahl oder der Bevölkerungsdichte. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung etwa begreift eine Gemeinde dann als Stadt, wenn sie mindestens 5.000 Einwohner hat. Das oberbayerische Oberammergau ist demnach ebenso eine Stadt wie Berlin.

Blickt man zurück in die Vergangenheit, wird die Sache etwas komplizierter. Die Einwohner lassen sich Jahrtausende später nur noch schätzen – und die Dimensionen ohnehin kaum vergleichen. Aufschluss darauf, was damals Stadt war und was nicht, geben auch andere Indikatoren, zum Beispiel eine Stadtmauer.

Çatalhöyük: erste Großsiedlung der Menschheit?

Für viele Wissenschaftler gilt Çatalhöyük als Ursprung für städtisches Zusammenleben, wie wir es heute kennen. Die Siedlung entstand vor ca. 9.500 Jahren in der heutigen Türkei. In Çatalhöyük hausten zeitweise wohl bis zu 8.000 Menschen dicht an dicht in rechteckigen Gebäuden, die nur über das Dach zugänglich waren. Dort spielte sich das Leben auch größtenteils ab, denn Plätze oder Straßen gab es ebenso wenig, wie die besagte Stadtmauer. Auch für eine zentrale Organisation des Zusammenlebens gibt es keine Anzeichen. Man geht davon aus, dass die Menschen zwar gleichberechtigt zusammenlebten, die einzelnen Hausgemeinschaften aber jeweils für sich selbst sorgten.

Die Ausgrabungsstätte in Çatalhöyük ist seit 2012 Teil des UNESCO-Welterbes. Foto: Adobe Stock____
Die Ausgrabungsstätte in Çatalhöyük ist seit 2012 Teil des UNESCO-Welterbes. Foto: Adobe Stock

Von einer Stadt im heutigen Sinne kann also nicht wirklich die Rede sein und daher auch kaum von der ältesten Stadt der Welt. Dafür, dass das Konzept anscheinend trotzdem aufging, spricht die Annahme, dass Çatalhöyük über zwei Jahrtausende durchgängig bewohnt war, bevor es aus bisher unbekannten Gründen verlassen wurde. Die Ausgrabungsstätte nahe dem Fluss Çarşamba gilt heute als eine der wichtigsten der Welt.

Jericho: erstmals besiedelt im 10. Jahrtausend v. Chr.

Ein weiterer heißer Anwärter auf den Titel für die älteste Stadt der Welt ist Jericho im Osten der Palästinensischen Autonomiegebiete, dass sich dank der gegenwärtig 22.000 Einwohner heute auf jeden Fall als Stadt bezeichnen darf. Doch wie steht es um die Anfänge der mehrfach zerstörten und zeitweise aufgegebenen Siedlungsstätte?

Die ersten Menschen ließen sich bereits im 10. Jahrtausend v. Chr. nahe der wasserreichen Großoase vor Ort nieder. Stadtähnliche Strukturen entwickelten sich jedoch erst im 8. Jahrtausend v. Chr. – und damit fast analog zu denen in Çatalhöyük. Jericho hatte zu diesem Zeitpunkt Schätzungen zufolge zwar bloß 3.000 Einwohner, dafür aber eine Stadtmauer. Dient diese also als ausschlaggebendes Kriterium für die Anerkennung als Stadt, hat das historische Jericho gegenüber Çatalhöyük die Nase im Rennen der ältesten Städte der Welt vorn.

Jericho liegt im Jordanengraben, 250 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit die tiefgelegenste Stadt der Welt. Ausgerechnet dort wurde der älteste Turmbau der Welt gefunden – auch wenn dieser nur knapp über 8 Meter hoch ist. Foto: Shutterstock____
Jericho liegt im Jordanengraben, 250 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit die tiefgelegenste Stadt der Welt. Ausgerechnet dort wurde der älteste Turmbau der Welt gefunden – auch wenn dieser nur knapp über 8 Meter hoch ist. Foto: Shutterstock

Auch bei der Bedeutung der jeweiligen Ausgrabungsstätten nehmen sie sich wenig. In Jericho wurde unter anderem der mutmaßlich älteste Turmbau der Welt gefunden, der in seinem Inneren gleichzeitig die älteste bekannte Treppe der Welt mit 22 Stufen verbirgt. Der Turm selbst ist 8,25 Meter hoch und stammt aus der Zeit der ersten Verstädterung, ist also etwa 10.000 Jahre alt.

Uruk: die erste Metropole der Menschheit

Fraglich bleibt, ob eine Stadtmauer und ein Turm dafür reichen, einem Ort urbanes Leben einzuhauchen. Um beim anfänglichen Beispiel zu bleiben: Wohl kaum ein Berliner würde das Leben in Oberammergau als echtes Stadtleben empfinden, obwohl es definitorisch eine Stadt ist. In Jericho wäre es ihnen vermutlich kaum anders ergangen – trotz Retro-Charme.

Wer wirklich urbane Strukturen finden möchte, muss in späteren Phasen der Menschheitsgeschichte suchen – genauer gesagt im 4. Jahrtausend v. Chr., als sich im Süden des heutigen Iraks entwickelte, was in seiner Blütezeit um 3.000 v. Chr. zu einer Großstadt mit schätzungsweise 50.000 bis 80.000 Einwohnern wurde: Uruk, die erste Metropole überhaupt.

Uruk galt nicht nur als Handelszentrum, das, umgeben von kilometerweit reichenden Feldern, die Massen anzog, sondern auch als bedeutende Kulturstätte. So sollen im regen Treiben vor Ort Schrift und Literatur erfunden worden sein. Davon zeugt unter anderem das Gilgamesch-Epos, das die Geschichte des Uruk-Königs Gilgamesch erzählt und als erstes literarisches Werk der Menschheitsgeschichte gilt.

Die Ausgrabungen deuten daraufhin, dass die Häuser in Uruk größtenteils aus Lehmziegeln bestanden. Foto: Shutterstock ____
Die Ausgrabungen deuten daraufhin, dass die Häuser in Uruk größtenteils aus Lehmziegeln bestanden. Foto: Shutterstock

Darüber hinaus trieb das Leben auf engstem Raum neue Technologien voran – in zuvor unbekanntem Tempo. Dazu gehörten Kanäle für den Transport von Frischwasser in die und den Abtransport von Abwasser aus der Stadt ebenso wie Keramiken für den täglichen Bedarf. Durch das geballte Wissen vieler erreichte die Handwerkskunst in Uruk insgesamt ein neues Level.

Im Laufe der Zeit verlor Uruk durch das Erstarken anderer Städte immer mehr an Bedeutung und politischem Einfluss. Kriege und Eroberungen konnten die älteste Metropole der Welt jedoch nicht kleinkriegen. Das schaffte erst im 3. Jahrhundert n. Chr. die zunehmende Trockenheit in der Region, in Folge derer Uruk verlassen wurde.

Eine Geschichte vom Anfang – ohne Ende?

Ohne Frage hat Uruk einen großen Anteil an der Siedlungsgeschichte der Menschheit – ebenso wie Çatalhöyük und das frühe Jericho. Welche der drei als erste echte Stadt gilt, ist und bleibt Definitionssache. Hinzukommt, dass weitere Städte den Titel für sich beanspruchen, zum Beispiel Damaskus, das zu den ältesten durchgehen besiedelten Städten überhaupt zählt. Ob die Diskussionen darum je ein Ende finden, ist fraglich. Und wer weiß schon, welche zukünftigen Funde die Geschichte über die älteste Stadt der Welt noch mal komplett neu schreiben könnten?

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