Gefilmte Fahrt: „MrMattandMrChay“

Aufzug-Videos auf YouTube begeistern Fahrstuhl-Fans in aller Welt. In unserer Reihe „Gefilmte Fahrt“ berichtet dieses Mal Matt, wie er seinen YouTube-Kanal als Vater-Sohn-Projekt gestartet hat. Und warnt Laien davor, sich unberechtigt Zugang zu Schächten und Antriebsräumen zu schaffen. Wer diese Einblicke wünscht, sollte lieber den Channel „MrMattandMrChay“ abonnieren – denn als Video- und Sicherheitstechniker darf Matt dort filmen, wo sonst keiner hin darf …

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen YouTube-Channel zu Fahrstühlen anzulegen?
Bevor es YouTube gab dachte ich, mein Interesse an Fahrstühlen ist schon ein bisschen schräg – und bin lieber nicht damit hausieren gegangen. Es war etwa in 2002, als ich auf einem Dach auf eine geöffnete Luke stieß. Arbeiter hatten sich durch den Antriebsraum eines Fahrstuhls Zugang zum Dach verschafft. So kam ich zu meiner ersten Erkundung, am nächsten Tag bin ich noch einmal mit einer Videokamera wiedergekommen. Aber bis zur Gründung von YouTube im Jahr 2005 gab es ja kein Forum, mein Material mit anderen zu teilen. Erst diese Möglichkeit hat mein Interesse an Fahrstühlen noch einmal angefacht. Auch weil ich feststellte, dass andere meine Leidenschaft teilen. Ein Jahr später gründete ich meinen eigenen Kanal. Dass er einmal populär werden könnte, daran habe ich in dem Moment keinen Gedanken verschwendet.

Vater-Sohn-Projekt auf YouTube

Sie betreiben den Kanal gemeinsam mit ihrem Sohn Chay?
Ja, auch, wenn er jetzt älter ist und sein Interesse langsam erlahmt. Ursprünglich hieß der Kanal „flightmatt“ (Ich bin auch in Flugzeuge vernarrt). Aber dann wollte ich meinen damals fünf Jahre alten Sohn einbinden, damit wir gemeinsam unsere eigenen Videos erstellen konnten – ein Vater-Sohn-Projekt, wenn man so will. Also nannten wir unseren Kanal „mattandchay“. Das klang aber noch ein wenig langweilig, und wir benannten ihn nach kurzer Zeit in „mrmattandmrchay“ um. Darauf hatte uns ein befreundeter Belgier gebracht, der jeden Mister nannte, auch wenn er ihn mit dem Vornamen ansprach. Darüber haben wir uns immer herzlich amüsiert. Und so klingt der Kanal doch auch ein wenig interessanter…

Logo des Vater-Sohn-Projekts auf YouTube.

Ihr Channel hat inzwischen knapp 9000 Abonnenten. Ab welchem Punkt ging es aufwärts?
Würde ich den Kanal erst jetzt starten wäre es ungleich schwieriger, so viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. In 2009 aber war YouTube noch ziemlich neu und wir gehörten zu den wenigen Filmern, die sich auf Fahrstühle spezialisiert hatten. Aber es hat noch ungefähr vier Jahre gedauert bis ich bemerkte, dass die Klickzahlen bei einigen unserer Videos in die Höhe schossen. Und auch die Zahl der Abonnenten nahm plötzlich zu. Heutzutage verwende ich viel Zeit darauf, die Videos zu schneiden und Dinge zu erklären. Ich lade die Videos praktisch nie direkt von der Kamera hoch. Und wenn mich ein Video selbst nichtüberzeugt, lade ich es lieber gar nicht erst hoch. Auf diese Weise hoffe ich eine Playlist anzubieten, welche die Leute tatsächlich sehen wollen.

Antriebsräume sind kein Ort für Mutproben

Wer sind Ihre Follower, kennen Sie einige von ihnen persönlich?
Als erstes habe ich mich mit HarriHealy angefreundet, der bereits einen etablierten Kanal betrieb. Leider hat er den versehentlich gelöscht – zu einer Zeit, als YouTube noch nicht über eine recovery-Funktion verfügte. Ich habe mich auch schon mit ein paar anderen Leuten getroffen, darunter auch Fahrstuhltechniker. Als kleiner Junge hätte ich viel dafür gegeben, mich mit anderen über meine Interessen unterhalten zu können. Ihnen fünf Minuten meiner Zeit zu schenken um ihnen etwas zu erklären, was sie interessiert, bedeutet ihnen oft eine Menge. Auf den allergrößten Teil der Kommentare zu meinen Videos antworte ich daher.

Machen Sie dabei auch negative Erfahrungen?
Ich achte sehr darauf, mit wem ich mich außerhalb von YouTube unterhalte. Mein Kanal besitzt eine gewisse Reputation die ich nicht dadurch beschädigen möchte, dass ich in Verbindung mit anderen YouTubern gebracht werde, die zu unverantwortlichem Verhalten animieren. Fahrstuhlsurfern etwa, oder auf Gegengewichten mitfahren, so, als ob das nur ein Spaß wäre! Und der Nachwuchs glaubt dass dann auch noch. Ein Risiko richtig einschätzen zu können ist meiner Ansicht nach eine erlernte Fähigkeit – werden gefährliche Verhaltensweisen als ungefährlich oder gar spaßig präsentiert, kann das schnell ins Auge gehen.

Warnung vor dem Film: Mit diesem Disclaimer weist Matt vor seinen Videos daraufhin, dass Unbefugte sich von Schächten und Antriebsräumen fernhalten sollen. Matt selbst ist Techniker – das erleichtert ihm den Zugang zu solchen Räumen.

Es gibt also auch schwarze Schafe unter den Fahrstuhlfilmern?
Vor einem Jahr etwa habe ich einen dieser Clips gesehen: Eine der Personen mit einem Rucksack, von dem lose Gurte baumelten, kam den Führungsrollen gefährlich nah. Hätte sich ein Gurt bei hohem Tempo darin verfangen, wäre das tödlich für die Person gewesen. Ohne schwerste Verletzung wäre sie zumindest nicht davongekommen. Andere filmen sich dabei, wie sie auf das Dach der Fahrstuhlkabine klettern, um Gegenstände in den Fahrstuhlschacht zu werfen. Sicherheit ist nicht etwas, dass man erst durch Unfälle lernen sollte. Disclaimer wie „tragt keine Rucksäcke beim Fahrstuhlsurfen“ helfen gar nichts. Es ist und bleibt unverantwortlich, und diese Leute sollten sich bewusst machen, was für ein schlechtes Beispiel sie sind.

Mit Liebe zum Detail und ruhiger Hand

Die Aufzug-Community bei YouTube ist groß, die Zahl der Filmer ebenso. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Ich vergleiche das gern mit anderen Themen, die eine größere Fanbasis haben. Warum interessieren sich Leute für Autos oder Flugzeuge? Bevor es YouTube gab, musste man Bücher oder Magazine zum Thema kaufen, um sich zu informieren. Vielleicht interessieren sich nicht so viele Menschen für Aufzüge, aber die, die es tun, tun es aus Überzeugung. Als Techniker kann ich dieser Gemeinschaft andere Einblicke, als sie nur bei einer gewöhnlichen, gefilmten Aufzugfahrt bekämen. Aber für andere drückt sich genau in der einfachen, gefilmten Fahrt ihre Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft aus.

Was macht für Sie persönlich den Reiz eines guten Aufzug-Videos aus?
Ich möchte damit niemanden zu nahe treten, und wer bin ich, dass ich die Clips anderer bewerten könnte? Aber für mich sind Fahrstühle interessant, die man nicht einfach in jeder x-beliebigen Innenstadt findet. Darüberhinaus gehört für mich eine gewisse Liebe zum Detail dazu. Man muss verstehen, dass die Zuschauer das Video durch die Kameralinse betrachten. Also: lieber ein Schritt zurück und die Kamera auch mal für ein, zwei Sekunden ruhen lassen, damit die Leute sich die Einzelheiten anschauen können. Das Sahnehäubchen für mich ist, wenn die Filmer sich auch die Mühe machen, den Antriebsraum aufzusuchen.

Zufallsfunde während der Arbeitszeit

Wie suchen sie nach interessanten Aufzügen?
Das tue ich nicht. Meine Arbeit führt mich manchmal an Orte und in Gebäude, in denen sich interessante Fahrstühle befinden. Bis 2010 etwa, habe ich in Städten gehalten und mich auf der Suche nach Fahrstühlen umgeschaut, die es lohnte zu filmen. Das langweilt mich heute, und es nicht mehr die Zeit wird, die ich darauf verwenden würde, weil die Fahrstühle, die mich interessieren, kaum mehr öffentlich zugänglich sind – sie sind durch Modernisierungen verschwunden.

Gibt es dennoch Fahrstühle, für die sie mehr Aufwand in Kauf nehmen?
Die meisten Fahrstühle, die heute in meinen Videos vorkommen, habe ich während meiner Arbeit entdeckt. Aber es gibt Ausnahmen, die meine Aufmerksamkeit geweckt haben, und bei denen ich vor dem Filmen um Erlaubnis fragen muss, um Zugang zu erhalten. Manchmal muss ich wochenlang E-Mails schreiben, um an die richtige Person zu gelangen. Andere Videos sind entstanden, indem ich befreundete Lifttechniker bei der Arbeit begleitet habe. Das ist aber nicht die übliche Vorgehensweise, weil denen selten jene Fahrstühle unterkommen, an denen ich am meisten interessiert bin – die älteren Baujahre.

Auf Lift-Safari in Saudi-Arabien

Welchen Ihrer Clips mögen Sie am meisten, und warum?
Die Videos aus Saudi-Arabien! Ich war dort, um verschiedene Zugangskontrollen in Riad und Dschidda auf den neuesten Stand zu bringen. Faszinierende Orte, aber keine Städte, die Touristen im Urlaub für gewöhnlich besuchen. Ich war in einer Reihe von „zweitbesten“ Hotels untergebracht – die üblichen vier bis fünf Sterne Häuser waren ausgebucht, und ich musste mich mit drei-Sterne-Etablissements begnügen. Die saudische Firma hat sich immer wieder dafür entschuldigt, aber ich habe nur gesagt: alles ist gut! Hatte ich doch die Hoffnung, so auf ein paar ältere Aufzugmodelle zu stoßen. Und ich hatte Glück: Ich fand diesen Schindler-Klassiker!

Für dieses Video saß ich zwei Monate am Schnittplatz. Ich mag die vielen Details, die ich einfangen konnte:

Meine besten Videos findet man zudem in der Playlist „only the best“. Sie sind sehr unterschiedlich und es fällt mir schwer, meinen absoluten Liebling zu benennen. Ich möchte nur noch diesen erwähnen, weil ich immer noch Kommentare erhalte, weil die Leute sich beim anlaufenden Antrieb erschrecken – so wie ich, deshalb wackelt die Kamera…

Das Werk welches Aufzug-Filmers würden Sie weiterempfehlen?
In jedem Fall „Heritage Elevators“ und einen neuen Kanal, der ich erst kürzlich entdeckt habe und der sich „Thomas Roth“ nennt. Während Heritage Elevators meinem Kanal recht ähnlich ist, überzeugt Thomas Roth vor allem durch exzellente Kameraführung.

Modell eines Antriebsraums aus Holz

Gibt es Aufzüge, die Sie noch nicht gefilmt haben, aber gern mal vorstellen würden?
Ich möchte nicht behaupten, dass mein Kanal schon vollständig ist, aber ich habe inzwischen schon so ziemlich alles gefilmt, was ich mir ursprünglich vorgenommen habe. Ich wollte Antriebsräume filmen und unterschiedliche Designkonzepte verstehen – Dinge, die mich als Kind fasziniert hätten, zu denen ich damals aber keinen Zugang hatte. Jetzt stellt mich mein Kanal zufriden, denn ich habe sehr viel Zeit und Mühe in ihn gesteckt. Hochladen um des Hochladens willen werde ich nicht. Allerdings habe ich noch einige Videos die darauf warten, endlich geschnitten zu werden. Mein Schwiegervater baut mir gerade aus Holz das Modell eines sehr speziellen Antriebsraums, an dem ich dessen Arbeitsweise erläutern kann. Und ich freue mich sehr darauf, diesen Beitrag zu filmen, zu schneiden und mit der Community zu teilen.

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