Fragen am laufenden Band: Das Phänomen der kaputten Fahrtreppe

Wieso, weshalb, warum – so groß wie die Rolltreppen selbst sind auch die Fragen, die sich um sie ranken. Aber jeden Monat wird es eine weniger, denn unser Fahrtreppen-Experte Siny Thottakara beantwortet für den Senkrechtstarter die Fragen am laufenden Band. Dieses Mal: Warum fühlt es sich komisch an, eine stehende Rolltreppe zu betreten?

Viele kennen das: Du betrittst eine Fahrtreppe, die sich nicht bewegt, und hast das Gefühl, sie würde sich trotzdem bewegen. Manche verspüren eine leichten Schwindel, andere weiche Knie, Gleichgewichtsstörungen. Wie ist das zu erklären? Es handelt sich hierbei um das sogenannte „Broken Escalator Phenomenon“. Eine deutsche Bezeichnung für dieses Phänomen gibt es bisher nicht, auch wenn die Zeitschrift The Atlantic schon witzelte, dass „a long German word“ sehr gut dazu passen würde.

Das Kaputte-Fahrtreppe-Phänomen

Wenn eine Fahrtreppe nicht fährt, wird sie einfach zur Treppe. Insofern sollte man sie doch auch einfach als solche benutzen können. Dass dies manche von uns ins Schwanken bringt, liegt an unserem Unbewussten. Dieses steuert viele unserer Bewegungsvorgänge. So müssen wir beispielsweise nicht ständig daran denken, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Das funktioniert automatisch. Auch unsere Bewegungen auf beweglichen Objekten wie Fahrtreppen werden im Untbewussten gespeichert.

Wenn wir eine Fahrtreppe benutzen, passen wir unsere Körperhaltung deren Bewegung an. Unser Gleichgewichtssinn reagiert darauf und wir lehnen uns bei der Aufwärtsfahrt etwas nach vorn, um nicht nach hinten zu fallen. Bereits nach 20-maliger Wiederholung ist uns dieses Bewegungsverhalten ins Unbewusste übergegangen. Das haben Forscher des Imperial College London 2003 bei einer Studie zum „Kaputte-Fahrtreppe-Phänomen“ zeigen können.

Bewusstsein versus Unterbewusstsein

Wenn wir als Fahrtreppen-erprobte Großstadtmenschen nun an ein Exemplar geraten, dass nicht fährt, kommt es zu einer Dissonanz zwischen unserem Unbewussten und Bewusstsein. Obgleich wir bewusst wahrnehmen, dass die Fahrtreppe sich nicht bewegt, steuert unser Unterbewusstsein unsere Bewegungen so, als ob sie sich bewegen würde. Unser Bewusstsein kann nicht schnell genug die Informationen des Unbewussten „überschreiben“. Das führt zu dem kurzen Moment des Schwindels und Unwohlseins, der als „Broken Escalator Phenomenon“ bekannt ist.

Siny Thottakara leitet den Bereich Fahrtreppen bei Schindler Deutschland, nimmt aber auch hin und wieder mal den Aufzug. Einmal im Monat beantwortet er im Senkrechtstarter Fragen am laufenden Band.

Alle bisher erschienenen Folgen der Kolumne „Fragen am laufenden Band“ finden sich hier.

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