Trendsport Yokoshi: Treppenlaufen im Lift

Nehmen wir den Fahrstuhl oder die Treppe? Im japanischen Yokohama müssen sich die Angestellten und Besucher des Yokohama Landmark Towers nicht mehr entscheiden. Denn hier wurden in den einigen Lifts kürzlich Stepper instaliert – für eine Trendsportart, die sich vielleicht auch bald in Europa durchsetzen wird.

Trendsport Treppenlauf: Die Wurzeln des neuen Fahrstuhlworkouts liegen im asiatischen Raum. Neben Japan gilt auch Taiwan als Hochburg der Treppenläufer.

Yokoshi sagt der Japaner. Und meint damit ein ziemlich vertikales Wettrennen. Schließlich wurde im Land der aufgehenden Sonne der Treppenlauf erfunden. Der immer wieder für den Literaturnobelpreis gehandelte Haruki Murikami hat dieser Disziplin in seinen Bestseller „Wo von ich rede, wenn ich über das Laufen rede“ gleich ein ganzes Kaiptel gewidmet. Und etwa Kanaguri Kawichu, heute 72 Jahre alt, porträtiert, der als Buchhalter bei Toshiba nur sechs oder sieben Mal den Aufzug in sein Büro im 27. Stock genommen hatte – als er aufgrund einer Ermüdungsfraktur an Krücken ging.

Ursprung des neuartigen Fahrstuhl Workouts – der Landmark Tower im japanischen Yokohama. Foto: Wikicommons/ Σ64 – Σ64

Einen Marathon zu laufen ist längst Mainstream. Auch in Japan. Weswegen sich Yokoshi, diese etwas andere Art zu laufen, plötzlich wieder neuer Beliebtheit erfreut. Epidemisch sind geradezu die Entwicklungen im Yokohama Landmark Tower, mit knapp 300 Metern das zweithöchste Gebäude Japans. Bis zu 12 Athleten trainierten dort zuletzt tagsüber in den teilweise für den normalen Besucherverkehr gesperrten Treppenhäusern … oft waren sie mehrere hundert Kilometer angereist, weil ihnen zuhause in den entlegenen Bergdörfern einfach die Hoch- und damit die Treppenhäuser fehlen.

Ein Mitarbeiter der Schindler Forschungsabteilung hat den Trendsport für uns ausprobiert. Sein Urteil: „Lift-Yokoshi schafft die perfekte Balance zwischen sportlicher Herausforderung und bequemer vertikaler Mobilität.“ Illustration: Schindler/ Fotolia

Um einen Konflikt mit den Athleten zu vermeiden und trotzdem allen Bau- und Brandschutzbestimmungen gerecht zu werden, kam die Immobilienverwaltung Takashi Enterprises jetzt auf eine kuriose Idee: in zwei der insgesamt sechszehn Aufzuganlagen wurden Stepper mit Trittfrequenzmessung installiert. Der Clou: Ihr Widerstand erhöht sich von Etage zu Etage – so wie es beim tatsächlichen Yokoshi ja auch von Stockwerk zu Stockwerk anstrengender wird.

Dennoch wird es den Hobby-Athleten leicht gemacht: Die Aufzuganlage im Yokohama Landmark Tower gehört leider zu den schnellsten der Welt. Dementsprechend zügig ist auch der simulierte Treppenlauf zu Ende.

Autor: Clemens Niedenthal

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