Fragen am laufenden Band: Steh, Treppe, steh!

Wieso, weshalb, warum – so groß wie die Rolltreppen selbst sind auch die Fragen, die sich um sie ranken. Aber jeden Monat wird es eine weniger, denn unser Fahrtreppen-Experte Siny Thottakara beantwortet für den Senkrechtstarter die Fragen am laufenden Band. Dieses Mal: Wann bremst eine Rolltreppe?

Anders als bei Pferden oder Fixie-Rädern hat jede Fahrtreppe mindestens eine Bremse. Das ist in der einschlägigen Fahrtreppennorm DIN EN 115 vorgeschrieben. Dort sind auch Rahmenparameter wie Bremslast und Bremsweg festgelegt. Bei Treppen, die länger als sechs Meter sind, fordert die Norm aus Sicherheitsgründen sogar noch eine zusätzliche Bremse. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Stufenband samt Passagieren ungebremst nach unten rollt, falls die Hauptbremse ausfällt.

Der Antrieb einer Fahrtreppe: Die Betriebsbremse befindet sich zwischen Motor und Schwungscheibe.

Bremse am laufenden Band

Die Haupt- bzw. Betriebsbremse ist meist am Motor angebracht. Bei Schindler verwenden wir dabei eine Bandbremse. Gegenüber Backen- und Scheibenbremsen weist der Bremsbelag bei Bandbremsen eine größere Fläche auf, was die Bremswirkung erhöht. Außerdem verfügt die Schindler Bandbremse über ein drehrichtungsabhängiges Bremsmoment. Bei der Aufwärtsfahrt beträgt es nur ein Drittel des Bremsmoments bei der Abwärtsfahrt. Eine zu starke Bremswirkung bei der Aufwärtsfahrt könnte auf einer voll besetzten Treppe ein erhebliches Unfallrisko darstellen.

Die Zusatzbremse kann ebenfalls am Motor angebracht sein. Bei den Schindler-Fahrtreppen setzen wir die Sicherheitsbremse allerdings an der Antriebswelle ein. Wenn die Betriebsbremse versagt, sorgt die Sicherheitsbremse dafür, dass die Kette mit den Stufen nicht nach unten trudelt.

 

Stop and go auf der Fahrtreppe

Bleibt die Frage, wann die Bremse überhaupt zum Einsatz kommt? Zuerst einmal immer, wenn der Strom ausfällt oder ein Sicherheitsschalter betätigt wird. So überwachen Sensoren beispielsweise die Geschwindigkeit der Fahrtreppen. Bei Schindler Fahrtreppen an drei verschiedenen Stellen, am Stufenband, an der Antriebswelle und am Handlauf. Wenn die Sensoren hier eine signifkante Abweichung messen, stoppt die Treppe. Andere Sensoren und Kontakte melden, falls sich etwas zwischen den beweglichen und festen Teilen der Fahrtreppe verklemmt. Auch in diesen Fällen stoppt die Treppe. Und selbstverständlich, wenn jemand den Notstoppschalter betätigt.

An diesen drei Punkten wird die Geschwindigkeit überwacht.

Die Fahrtreppe bremst aber auch bei bestimmten Betriebsfunktionen. So gibt es den sogenannten Stop-and-go-Modus, bei dem die Fahrtreppe erst anfährt, wenn sie jemand betritt, und danach wieder in den Betriebshalt geht, um Energie zu sparen. Ein anderer solcher  Fall ist die Schleichfahrt, bei der die Treppe ganz langsam fährt, wenn sie nicht genutzt wird. Auch die Fahrtreppen, die in zwei Richtungen fahren können, müssen öfter mal auf die Bremse treten.

 

Siny Thottakara leitet den Bereich Fahrtreppen bei Schindler Deutschland, nimmt aber auch hin und wieder mal den Aufzug. Einmal im Monat beantwortet er im Senkrechtstarter Fragen am laufenden Band.

Alle bisher erschienenen Folgen der Kolumne „Fragen am laufenden Band“ finden sich hier.

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