Aufzüge in aller Welt: Der Poller-Lift im Louvre

Eine Gewissheit aber haben wir: Ein Aufzug besteht immer mindestens aus einer Fahrgastkabine und und einem Fahrstuhlschacht. Immer? Der Poller-Lift im Louvre belehrt uns eines Besseren. Deshalb fragen wir uns in dieser Ausgabe unserer Serie „Aufzüge in aller Welt“: Ist das noch Technik – oder schon Kunst?

Pollertechnik in XXL: Aufzug im Foyer des Louvre. Screenshot: YouTube/ DB8GM

Ihr süffisantes Grinsen lockt Besucher aus der ganzen Welt. Kaum ein Gemälde besitzt eine solche Strahlkraft, wie die Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Beheimatet ist sie bereits seit dem Ende der Französischen Revoltion im Pariser Louvre. Sieht man einmal davon ab, dass sich der dreiste Napoleon die Dame für ein paar Jahre als Dekoration für sein Schlafgemach ausgeliehen hat. 1989 schenkte sich die „Grande Nation“ eine neues Entrée für das Haus der alten Dame. Zum Zuge kam damals der chinesische Stararchitekt I.M. Pei.

Pollertechnik mit musealen Weihen

Oben ohne: Aufzug mit Cabriolet-Feeling. Screenshot YouTube/ DB8GM

Der zeichnte auch für die spektakuläre, gewundene Treppe im Foyer verantwortlich. Inklusive des ungewöhnlichen „Aufschubs“ in deren Mitte. Denn von einem Aufzug kann hier eigentlich keine Rede sein: Schacht und Seile fehlen. Statt dessen hebt sich das Gebilde wie ein versenkbarer Straßenpoller aus dem Boden. An dessen Spitze stehen die Fahrgäste, gesichert nur von einer etwas über Hüfthöhe hohen Balustrade. Und genießen eine Cabrioletfahrt der etwas anderen Art. Höhepunkt des wahrhaft erhebenden Erlebnisses: Oben angekommen entfaltet sich ein technisches Ballett, bei dem zunächst eine Klappbrücke den Spalt zwischen Fahrstuhl und Ausstieg schließt. Und sich dann sogar noch die Flügeltüren zu einem gläsernen Geländer entfalten.

Aufzug, -schub oder doch schon Hebebühne?

Technikballett: Erst fährt die Brücke aus, dann entfalten sich die Türen zu Sicherheitsgeländern. Screenshot: YouTube/ DB8GM

Mann mag vielleicht darüber streiten, ob es sich dabei eigentlich noch um einen Aufzug handelt. Oder nicht vielleicht doch schon eher um eine Hebebühne. Wir sagen es mal so: Kunst darf alles. Und eben auch einen Aufzug ohne Schacht entwerfen. Oder würden Sie Raffaels träumenden Engeln etwa vorwerfen, dass die Pummelchen mit dem Stummelfügeln niemals fliegen könnten? Eben. Fahren Sie doch einfach – virtuell – einmal mit, und machen Sie sich selbst ein Bild…

Titelbild: Screenshot YouTube/ Catherine Tew

 

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