Quadratur des Bungalows: Würfelwohnen im Libanon

Würfelwohnen im Wohnwürfel: Was Orange Architekten da auf die Hügel der libanesischen Hauptstadt Beirut gestapelt haben, sieht aus wie ein statisches Experiment. Allerdings wie ein besonders elegantes. Das Council for Tall Buildings kürte es 2016 sogar zum „Best Tall Building Middle East & Africa 2016“.

The Cube, Beirut Libanon. Foto: © Matthijs van Roon, Courtesy of Orange Architects.

Ganz schön schnittig: 14 Wohnwürfel stapelten die Baumeister vom niederländischen Büros Orange Architects für dieses Projekt aufeinander. Aber nicht einfach Kante auf Kante. Versätze, Vor- und Rücksprünge prägen seine äußerst dynamische Silhouette. Jedes Stockwerk verfügt über zwei smaragdgrün-schimmernde Panoramafronten. Sie sind um jeweils um 90 Grad zu den angrenzenden Etagen versetzt. Dazwischen verleiht breites, geometrisch gemustertes Rahmenwerk der Fassade ihren expressiven Look. „The Cube“ nennen die Architekten das Ergebnis. Allerdings beschreibt dieser Name das Projekt nur höchst unzureichend.

Ausgezeichnete Architektur mit Ausblick

Denn der Wohnturm ist eben gerade nicht ein einfacher „Würfel“. Vielmehr schichten sich hier einzelne, horizontale Baukörper zu einer vertikalen Struktur. Bungalow, über Bungalow, über Bungalow. Dass jedes Stockwerk für sich zu stehen scheint, gelang den Architekten indes durch einen konstruktiven Trick. Auf nur vier tragenden Säulen, jede gerade einmal 35 mal 35 Zentimeter groß, ruht das gesamte Bauwerk. Dies wurde durch die Verwendung eines neuartigen Betons möglich, der sich selbst stabilisiert. So ließ sich die Flächenüberschneidung zwischen den Etagen auf ein Minimum reduzieren. Die Etagen scheinen nur lose miteinander verbunden zu sein.

Würfelwohnen statt Kastenwohnen

The Cube, Beirut Libanon. Foto: © Matthijs van Roon, Courtesy of Orange Architects

Was auch das Council for Tall Buildings besonders herausstrich. Anders als die meisten Wohntürme rund um den Globus, so die Jury, lässt sich das Gebäude keine Kastenform aufzwängen. Vielmehr bilde sich hier ein Stapel gänzlich unabhängiger Villen in den Himmel. Das ist poetischer formuliert, als es den Architekten selbst gelang. Wir haben aber auch noch ein paar Vorschläge: Warum das Projekt nicht einfach umbenennen? The Cube weckt doch ohnehin nur unschöne Assoziationen. Wie wäre es mit: „Vertical Villas“? Oder „Pile of Cubes“? Nicht griffig genug? „Tower Bungalows“ ist unser Favorit. Denn so wird aus einer eigentlich zu flach geratenen Architektur doch noch ein fahrstuhlwürdiges Gebäude…

 

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