Gefilmte Fahrt: Alex von „The French Elevator Channel“

The French Elevator Channel von Aufzug-Filmer Alex

Alex ist 17 Jahre alt und kommt aus Lyon. Seit 2012 betreibt er den YouTube-Channel „The French Elevator Channel“ und ist damit Teil der großen Community der Aufzug-Filmer. Wie er zu seinem Hobby kam und welche Aufzüge er bevorzugt, erläutert er im Interview mit dem Senkrechtstarter.

Alex, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen YouTube-Channel zu Fahrstühlen anzulegen?
Ende 2010 bin ich auf YouTube auf Clips von Aufzug-Filmern gestoßen. Es hat mir gefallen, wie sie Aufzüge porträtiert haben. Im Oktober 2011 habe ich dann beschlossen selbst zu filmen und mein Hobby mit anderen zu teilen. Doch ich habe mich dagegen entschieden, den Film hochzuladen, da die Qualität zu schlecht war. Außerdem klang meine Stimme noch sehr kindlich, daher habe ich meine ersten Filme alle gelöscht. Am 26. Februar 2012 habe ich dann meinen Kanal „The French Elevator Channel“ gegründet und wenige Tage später den ersten Film hochgeladen. Wegen meiner Stimme habe ich in den Videos zunächst nicht gesprochen, später aber doch. Mein Englisch war damals allerdings ziemlich schlecht, und ich glaube, viele waren vom Klang meiner Stimme genervt.

Aufzug-Filmer Alex entwarf das Logo zu seinem YouTube-Channel selbst.

Voilà: Das Logo von Aufzug-Filmer Alex alias „The French Elevator Channel“.

Wie lange hat es gedauert, ehe Ihr Channel viele Follower bekam?
Zu Anfang haben vor allem andere Aufzug-Fans meine Filme geschaut. Doch mit der Zeit kamen Zuschauer jenseits der Community hinzu, denn 2014 erreichte ich die Schwelle von 100.000 Klicks. Vergangenes Jahr habe ich begonnen, meine Filme zu monetarisieren. Dadurch stiegen die Klicks und die Zahl der Abonnenten. Im November 2016 kam der Durchbruch: Jemand verlinkte bei Reddit mein meistgesehenes Video. Innerhalb eines Tages stieg die Zahl der Abonnenten von 500 auf 1.200, die Klickzahlen stiegen auf 300.000. Mittlerweile habe ich 432.000 – unglaublich!

Wer sind Ihre Follower, kennen Sie einige von ihnen persönlich?
In erster Linie sind es andere Aufzug-Fans. Ich habe sie bislang noch nicht persönlich getroffen, doch ich tausche mich regelmäßig mit anderen Aufzug-Filmern per SMS, über Hangouts und Skype aus. Wir unterhalten uns darüber, was wir gefilmt haben, welche Aufzüge wir noch filmen möchten, wo wir gern hinreisen würden. Mit einem anderen Franzosen, „lloyd999ify“, stehe ich am häufigsten in Kontakt. Da ich gut Englisch spreche, kann ich mich auch gut mit Followern aus anderen Ländern verständigen.

Aufzug-Videos voller Details

Die angesprochene Aufzug-Community ist groß, die Zahl der Filmer ebenso. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Bei rund 2.000 Aufzug-Filmern auf YouTube ist das nicht leicht zu beantworten. Für die einen ist es wohl Hobby, wie für mich, andere machen es aus Leidenschaft. Es gibt noch eine andere Erklärung: „Dieselducy“, der meistgesehene Aufzug-Filmer, leidet am Asperger-Syndrom, und er ist ein Vorbild für viele andere, die an dieser Störung leiden.

Was macht für Sie persönlich den Reiz eines guten Aufzug-Videos aus?
Es muss alle wichtigen Details enthalten, also von den Knöpfen, über die Kabine bis hin zu Hinweisschildern und Fenstern, falls vorhanden. Wenn möglich sollte auch der Aufzugschacht zu sehen sein – aber ohne die Schachttüren zu öffnen.

Wie entdecken Sie interessante Aufzüge?
Ich bevorzuge alte Aufzüge mit Holzkabinen und Scherengittertüren, mag aber auch Modelle aus den 1970er–1990er-Jahren. Die M-Serie von Schindler zum Beispiel, hat alles, was einen guten Aufzug ausmacht. In Frankreich haben verschärfte Sicherheitsvorschriften dazu geführt, dass ältere Aufzüge modernisiert werden oder gar verschwinden, etwa weil sie nicht über Kabinentüren verfügen. Wer interessante, ältere Aufzüge in Frankreich kennt, kann sich gern bei mir melden. Ich selbst recherchiere viel online. Kürzlich habe ich eine Website zu regionaler Kultur entdeckt, die viele Aufnahmen älterer Gebäude zeigt, zum Teil auch Innenaufnahmen. Google Street View zeigt ebenfalls einige Gebäude von innen.

Aufzug-Filmer im öffentlichen Raum

Wie schaffen Sie es, die Aufzüge benutzen zu können, die Sie filmen?
Das ist nicht immer leicht, weil man uns Aufzug-Filmer oft nicht ernst nimmt. Ich bevorzuge daher Aufzüge im öffentlichen Raum, etwa in Einkaufszentren, Bahnhöfen oder öffentlichen Gebäuden. In Bürogebäuden, Wohnhäusern und Hotels frage ich nicht vorher. Bei Häusern mit geschlossener Haustür warte ich auch schon mal, bis jemand herauskommt und schleiche mich dann rein. In Gebäude mit Sicherheitsschleusen komme ich so allerdings nicht.

Welches Ihrer Videos gefällt Ihnen selbst am besten?
Ich mag vor allem meine jüngeren Werke von älteren Aufzügen, wie diesen Schindler-Lift in Lyon, und die auf Reisen gefilmten, etwa in Dubai, Armenien oder der Schweiz. Meine ältesten Beiträge mag ich gar nicht, besonders wegen meiner nervigen Stimme. Und ich kann jeden verstehen, der sie deshalb nicht leiden kann.

Das Werk welches Aufzug-Filmers würden Sie weiterempfehlen?
Ich mag sehr gern die Videos von Heritage Elevators, weil dort nur interessante Aufzüge zu sehen sind. Ich kann auch „Batatavator“ empfehlen, der Aufzüge aus dem Libanon vorstellt, darunter vor allem einzigartige alte Aufzüge in Hochhäusern.

Gibt es Aufzüge, die Sie noch nicht gefilmt haben, aber gern mal vorstellen würden?
Oh ja, da gibt es einige. In meiner Heimatstadt Lyon zum Beispiel. Dort würde ich gern Hochhauslifts filmen. Da die Gebäude über eine Sicherheitsschleuse verfügen, bin ich bislang nicht hineingekommen. Auch in Paris möchte ich noch verschiedene ältere Aufzüge filmen.

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