Aufzüge in aller Welt: Der Kuppelaufzug in Hannover

Zur Kuppel des Neuen Rathauses Hannover führt ein besonderer Aufzug. Foto: HMTG/Lars Gerhardts

Beim Senkrechtstarter steht die vertikale Mobilität im Vordergrund. Manchmal muss man jedoch einen Bogen schlagen, um nach oben zu gelangen – selbst beim Lift. In unserer Reihe „Aufzüge in aller Welt“ blicken daher heute auf den Kuppelaufzug in Hannover.

Knapp 100 Meter ragt die Kuppel des Neuen Rathauses Hannover in die Höhe. Rund die Hälfte davon können Besucher mit einem Aufzug zurücklegen. Das Besondere daran: Die Fahrt führt durch das Kuppeldach, und der Aufzug geht die Neigung von bis zu 17 Grad mit und versetzt sich dabei horizontal um acht Meter. Wegen des bogenförmigen Schachtverlaufs spricht man auch von einem Bogenaufzug.

Modernisierung 2008

Diese in Europa einmmalige Konstruktion wurde beim Bau des Neuen Rathauses mitgeplant, und 1913 ging der Kuppelaufzug in Hannover in Dienst. Der Fahrkorb führte über zwei Holzschienen, die gute gefettet sein mussten, damit die Fahrt möglich war. Bei niedrigen Wintertemperaturen wurde der Betrieb daher eingestellt. 99 Jahre lang ließ die Stadt Hannover den Aufzug in Betrieb – lediglich Steuerung und Antrieb wurden erneuert.

Konstruktionsplan: Kuppelaufzug in Hannover

Bogenfahrt: Kuppelaufzug in Hannover  Bild: Hartmut Mackensen/Wikimedia

2007/2008 erfolgte eine umfangreiche Modernisierung. Auch der neue High-Tech-Aufzug musste sich an die architektonischen Gegebenheiten anpassen. Antrieb und Steuerung passen aus Platzgründen nur auf verschiedene Ebenen. Sie sind auch nicht per Kabel mit der Aufzugkabine verbunden, sondern stehen bei kodiertem Funk in Kontakt. Gebogene T-Schienen ersetzten die alten Holzschienen. Die Türen sind beheizbar, wodurch der Aufzug auch im Winter betriebsbereit ist, und öffnen und schließen automatisch. In Betrieb ist der Kuppelaufzug dennoch nur von März bis Oktober.

Kuppelaufzug in Hannover mit Aufzugführer

Ein Aufzugführer übernimmt die Bedienung. Er ist auch dafür verantwortlich, Fenster über dem Glasboden transparent zu machen. Während im ursprünglichen Kuppelaufzug nur der Ausblick durch das Dach auf die Kuppel möglich war, sind im neuen Fahrkorb Blicke durch Dach und Boden möglich. Und damit die rund 100.000 Touristen im Jahr auch in Ruhe fotografieren und filmen können, regelt der Aufzugführer die Fahrgeschwindigkeit herunter – von 0,8 auf 0,2 Meter pro Sekunde. Eine Fotomontage in der Fahrkabine zeigt zudem mit Leuchten während der Fahrt die jeweilige Position des Aufzugs in der Kuppel an. An der Aufsichtsplattform angekommen, haben Besucher einen tollen Ausblick über die niedersächsische Landeshauptstadt. Wer genau hinschaut, entdeckt einen weiteren Kuppelbau, dessen Aufzug gerade erneuert wird.

Fotonachweis Neues Rathaus am Maschteich: HMTG/Lars Gerhardts

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