Architekturfilmtage in Wolfsburg

Architektur im Film – das kann mehr sein als bloße Kulisse. Häuser formen Stadtraum, Stadtraum verändert Lebensraum – Lebensraum beeinflusst gesellschaftliche Realität. Das liefert jede Menge spannenden Stoff für Dokumentationen und Spielfilme. Davon kann man sich nun zum Beispiel bei den ersten Architekturfilmtagen in Wolfsburg in Augenschein nehmen. 

Wolfsburg und die Architektur – das ist ein durchaus zweischneidiges Schwert. Als die Retortenstadt kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an die Ufer des Mittellandkanals gesetzt wurde, ging es vor allem um günstigen Wohnraum für die VW-Mitarbeiter. Das sieht man der Stadt hier und da auch noch an, zum Beispiel in der Siedlung Steimker Berg. Und die alles dominierende Markenarchitektur der Autostadt ist, nun ja, recht dominant. Große Teile der Stadt sind jedoch zur Zeiten der Nachkriegsmoderne entstanden, darunter so erstklassige Bauten wie das Kulturhaus des finnischen Stararchitekten Alvar Aalto oder das Theater von Hans Scharoun. In modernerer Zeit setzte etwa Zaha Hadid einen ikonischen Museumsbau direkt neben den Hauptbahnhof.

Erste Architekturfilmtage in Wolfsburg

Man könnte also sagen: Architektonisches ist nicht alles Gold am Mittellandkanal. Für eine nur knapp 130 000 Einwohner zählende Stadt gibt es jedoch allerlei zu entdecken. Und in dieser Woche kommt sogar noch eine Attraktion hinzu: Unter dem Motto „Gebaute Visionen“ veranstaltet die Architektenkammer Niedersachsen ihre Architekturfilmtage erstmalig in Wolfsburg. Sie hätte sich einen schlechteren Standort aussuchen können. Gut gewählt ist auch der Veranstaltungsort selbst. Mit dem ehemaligen Stadtbad und heutigem Kulturzentrum sind die Cineasten hier zu Gast in einem auch architektonisch äußerst interessanten Umnutzungsprojekt.

Zwischen Gentrifizierung und Hedonismus

Gefangen in der Dystopie: Robert Laing ist der neue im High-rise. Er muss bald feststellen, dass er sich die falsche Nachbarschaft ausgesucht hat. Foto: DCM

Für Pendler zwischen Hannover und Berlin könnte das Filmfest ein willkommener Anlass sein, in Wolfsburg einmal auszusteigen. Wenn der ICE den Bahnhof nicht wiedereinmal verfehlt. Auf dem Programm stehen so viel versprechende Filme wie  Andreas Wilckes Langzeitdokumentation „Die Stadt als Beute“ oder der Edel-Thriller „High-rise“.

Das vollständige Programm gibt es hier: Hallenbad Wolfsburg.

Titelbild: Die Böhms – Architektur einer Familie. Screenshot: YouTube.

 

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