Ausstellung: Visionen einer Stadt in Skizzen

Kaum eine andere deutsche Stadt hat im Verlauf der vergangenen hundert Jahre so viele Wandlungen durchgemacht, wie Berlin. Von der Boomtown zur ausgebombten Reichshauptstadt, von der Frontstadt im kalten Krieg zur Hauptstadt des wiedervereinten Deutschlands. Die Stiftung Tchoban zeigt nun in Berlin, wie Architekten aus sieben Jahrzehnten die Aufbrüche und Brüche der Stadt in Architekturskizzen festgehalten und gestaltet haben.

Ikonischer Schachtelbau: Museum für Architekturzeichnung, Foto: Ansgar Koreng, Wikicommons

Mittendrin und doch etwas ab vom Schuss: Das Museum für Architekturzeichnungen in den Räumen der Tchoban Foundation befindet sich nah am Herzen von Berlin-Mitte. Die Torstraße mit ihren unzähligen Galerien liegt direkt um’s Eck. Und die Lebensader des Bezirks Prenzlauer Berg, die Schönhauser Allee, verläuft parallel zur eigenen Adresse. Auf die Christinenstraße selbst verirren sich jedoch eher selten Touristen. Eingeweihte wissen jedoch, dass sich in der rückwärtigen Hofzufahrt des Pfefferbergs zwei Kleinode verbergen. Die Aedes Architektur-Gallerie, seit 2006 zu Hause auf dem alten Brauereigelände am südlichen Ende der Schönhauser Allee. Und eben das Museum für Architekturzeichnungen, das 2013 in einen schicken Neubau an der Rückfront des Geländes eingezogen ist.

Skizzen als Ausdruck künstlerischer Stadtgestaltung

Gottfried Böhm, 1992, Reichstag (Umgestaltung) Skizze: Ansicht, Variante C Kohle auf Transparentpapier 50 x 81 cm. Abbildung: © Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main; Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

In Zeiten computergestützter Bauplanung droht der handgezeichneten Architekturskizze das Aus. Das will der Architekt Sergei Tchoban verhindern. Und schuf an mit dem Museum einen Ort, die dem Architektennachwuchs einen Eindruck von der Vielfältigkeit des Entwerfens mit Aquarell, Bleistift, Kreide oder Gouache vermitteln soll. Dafür kann Tchoban auf sein eigenes, umfangreiches Archiv zurückgreifen. Das ist ebenfalls in dem auffälligen, viergeschossigen Betonbau an der Christenenstraße untergebracht. Es umfasst hunderte Werke von Größen wie Mies van der Rohe, Zaha Hadid oder Frank Gehry. Doch immer wieder zeigt die Gallerie die Bestände anderer Sammlungen.

Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt

Hans Poelzig, 1928/29, Messegelände, Berlin, Entwurf: perspektivische Ansicht Pastell auf Papier auf braunem Karton 27,7 x 55,7 cm, Abbildung: Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main; Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt am Main

Nun sind Entwürfe von 1920 bis 1990 aus den Archiven des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt zu sehen. Darunter Arbeiten von Architekten wie Hans Scharoun, Hans Poelzig, Frei Otto, Gottfried Böhm, Zaha Hadid oder Álvaro Siza Vieira. Ein thematischer Schwerpunkt bildet die Aus- und Umgestaltung des Reichstags. Daher werden auch Exponate der Christo-Verhüllung aus dem Jahr 1995 gezeigt. Ein anderer Schwerpunkt sind die Beiträge zum Wettbewerb „Berlin morgen“ vom Beginn der 1990er-Jahre. Damals herrschte noch Aufbruchstimmung in der Stadt, selbst extravagante Entwürfe schienen realisierbar. Aber auch das Thema innerstädtische Nachverdichtung kam erstmals auf den Plan.

Wer sich ein Eindruck von den Ideen der Architekten verschaffen will: Die Ausstellung ist noch bis zum  25. Juni zu sehen im Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, 10119 Berlin. Montags bis freitags von 14 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Die  Tickets kosten fünf, ermäßigt drei Euro.

 

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