Fragen am laufenden Band: Die Stufen sind mir rille!

Wieso, weshalb, warum – so groß wie die Rolltreppen selbst sind auch die Fragen, die sich um sie ranken. Aber jeden Monat wird es eine weniger, denn unser Fahrtreppen-Experte Siny Thottakara beantwortet für den Senkrechtstarter die Fragen am laufenden Band. Dieses Mal: Warum haben die Stufen einer Rolltreppen eigentlich Rillen?

Fahrtreppenstufen haben Rillen. Oder eher Nuten. Aber das hatten sie nicht immer. Die ersten Rolltreppen zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfügten noch über Stufen mit ebenen Trittflächen. Zudem waren sie nicht aus Metall, sondern aus Holz gefertigt. Relativ schnell begann man allerdings damit, hölzerne Leisten in Fahrtrichtung auf diese Holzstufen zu schrauben und damit die bis heute charakteristische Oberflächenstruktur der Fahrtreppenstufe zu schaffen. Auch wenn die Rillen damals viel breiter waren – sie erfüllen dieselbe Funktion wie heute. Nur welche?

Rille meets Kammplatte

Holzstufen mit Holzrillen

Im Grunde erfüllen die Rillen sogar zwei Funktionen. Zum einen soll die Strukturierung der Oberfläche dazu dienen, dass wir nicht abrutschen. Immerhin stehen wir auf einer sich bewegenden Stufe. Da brauchen wir einen sicheren Stand. Darüber hinaus erfüllen die Rillen aber einen noch wichtigeren Zweck: Im Zusammenarbeit mit den Kammplatten am Anfang und Ende der Treppe sorgen sie dafür, dass keine Kleidungsstücke, Gegenstände oder gar Körperteile zwischen die bewegten Stufen und die festen Teile des Zu- und Einstiegs geraten. Bei den frühen Rolltreppen ohne Rillen und Kamm mussten die Nutzer über eine etwa 1 Zentimeter hohe Stoßkante auf die feste Bodenplatte steigen.

Enge Verzahnung von Kamm und Rille

Mamor, Stein und Eisen bricht, aber Alustufen nicht.

Bis auf wenige Ausnahmen sind heute bei allen Fahrtreppen die Stufen aus Metall. Nicht nur aus Brandschutzgründen sind sie den Holzstufen überlegen: Die Nuten der Stufentrittflächen sind viel engmaschiger und erhöhen so die Sicherheit. Je enger sich Kamm und Rillen verzahnen, desto schwerer kann sich ein Schnürsenkelende darin verfangen. Während die Holzstufen nur 29 Rippen aufweisen (siehe Bild oben), kommen die Metallstufen mit 105 daher.

Leichte und stabile Stufen

Die ersten aus Metall gefertigten Trittstufen kommen Ende der 1930er Jahre auf. Sie waren noch vollständig aus Stahl und aus Einzelteilen zusammengesetzt. Bei Schindler verwenden wir heute nur noch Stufen aus Aluminium, die in einem Stück gegossen werden. Im Vergleich zu Stahlstufen, die 40 Kilo wiegen, bringen sie nur 10,5 Kilogramm auf die Waage und sind leichter zu bewegen. Wer nun denkt: leichtes Alu bricht auch leicht, der sei beruhigt: Alle Stufen müssen die eine Prüfung der statischen Bruchlast und der exzentrischen Bruchlast über der Rollenachse durchlaufen, ehe sie die Fabrik verlassen. Bei Schindler liegen die Anforderungen mit 13 Kilonewton bei der statischen Bruchlast und 25 Kilonewton bei der exzentrischen über der Rollenachse sogar über den gesetzlichen Anforderungen.

 

Siny Thottakara leitet den Bereich Fahrtreppen bei Schindler Deutschland, nimmt aber auch hin und wieder mal den Aufzug. Einmal im Monat beantwortet er im Senkrechtstarter Fragen am laufenden Band.

Alle Folgen der Kolumne sowie ein Interview zum Londonder Fahrtreppen-Experiment finden sich hier.

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