Gedankengebäude: myPORT im Park-Tower

Der Park-Tower im schweizerischen Zug ist ein Wohnhochhaus, das vielleicht weniger durch sein Äußeres besticht als vielmehr durch seine inneren Qualitäten – durch eine hier erstmals eingesetzte Technologie, die etwa Türen, Garagen und Briefkästen automatisch öffnen lässt, sobald ein Bewohner sich nähert. Und auch der Aufzug ist immer schon da.

Das höchste Gebäude des Kantons Zug ist also zugleich das klügste. Denn mit seinen 88 Metern Höhe bietet der Park-Tower nicht nur einen traumhaften Ausblick über den Zugersee und auf die nahen Alpen – in dem Wohnhochhaus sorgt das Verkehrsmanagementsystem The PORT Technology dafür, dass die Gebäudenutzer schnell, sicher und intuitiv ans Ziel kommen. Alles, was sie dafür brauchen, ist die Smartphone-App myPORT und eine Zugangsberechtigung. Verfügen sie über beides, öffnet sich die Schranke zur Tiefgarage automatisch, der Aufzug heißt sie willkommen und fährt sie in die richtige Etage, ohne dass ein Knopf betätigt werden muss. Schließlich öffnet sich auch die Wohnungstür wie von Zauberhand. Die Zutrittskontrolle trägt im Park-Tower keinen Bart, seinen Schlüssel trägt hier niemand am Bund.

myPORT: Mehr als nur eine Smartphone­App

Am Zug: In der gleichnamigen Stadt in der Schweiz steht das momentan vielleicht cleverste Wohnhochhaus Europas, der 2015 eröffnete Park-Tower. Foto: Schindler Deutschland

Bei insgesamt 100 Wohnungen und Gewerbeeinheiten auf 25 Etagen und einer Gesamtfläche von 14200 Quadratmetern ist eine solche individuelle Zutrittskontrolle trotz- dem eine komplexe Angelegenheit. Hinzu kommen rund 20 verschiedene Eigentümer, das macht es nicht einfacher. »Da ist man schnell bei 400 Zutrittsbereichen, bei denen festgelegt werden muss, wer da reindarf und wer nicht«, sagt Florian Trösch, der Projektleiter bei The PORT Technology. Apropos: »myPORT ist weniger eine Smartphone- Applikation als vielmehr eine konsequente Weiterführung der PORT-Steuerung«, so Trösch. Und als eines der wenigen Wohnhochhäuser in der Schweiz sei der Park-Tower geradezu prädestiniert, die Möglichkeiten dieses Verkehrsmanagementsystems als erstes Wohngebäude auszukosten.

myPORT: Mehr als nur vertikale Mobilität

Der Ausgangspunkt ist die Aufzugssteuerung. Sie ist das zentrale Nervensystem dieses vernetzten Hauses und ermöglicht nicht nur vertikale Mobilität, sondern sorgt auch für Sicherheit. Denn im Park-Tower sind die drei Aufzüge zunächst einmal der einzige Weg nach oben. Die Treppe ist vom Foyer aus nicht zugänglich. Wer also die Aufzüge kontrolliert, kontrolliert den Zutritt. Bei der Planung des Verkehrsflusses in Gebäuden sollte man aber nicht nur in der Kategorie der Vertikalität denken. Eine andere Frage ist viel grundlegender: Wie bringe ich einen Gebäudenutzer effizient, schnell, sicher und vor allem komfortabel von A nach B? Das ist der Ansatz von myPORT Technologie. Der Grundgedanke: Der Personen- verkehr in einem Gebäude wird effizienter, wenn die Bedürfnisse jedes individuellen Nutzers bekannt sind und zusammen optimal geplant werden.

Was sich anhört wie eine schöne Utopie, ist bereits in vielen Gebäuden der Welt Realität. Der höchste Wolkenkratzer Hongkongs, das 2010 eröffnete International Commerce Center (ICC), war eines der ersten Gebäude, in denen diese Technologie zum Einsatz kam. Nicht nur, dass die 30000 Passagiere in diesem 484 Meter hohen Gebäude dank PORT schnell zum Ziel kommen – jährlich werden zudem 85 000 kWh Strom eingespart – allein dadurch, dass das System die Hälfte der Aufzüge in Zeiten mit wenig Verkehr stilllegt.

myPORT: Mehr als nur auf und ab

Um die Idee hinter myPORT zu verstehen, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, dass Aufzüge insbesondere bei hohem Verkehrsaufkommen oftmals das Nadelöhr in Gebäuden sind. Das große Manko von konventionellen Aufzugssteuerungen besteht darin, dass die Nutzer ihr Ziel erst angeben, wenn sie bereits in der Kabine sind. Wäre dies bereits vor dem Betreten der Kabine der Fall, könnte jenen mit einem gemeinsamen Ziel derselbe Aufzug zugewiesen werden. Mit dieser Überlegung war die sogenannte Zielrufsteuerung geboren, die unter dem Namen Miconic 10 1992 von Schindler auf den Markt gebracht wurde.

 

An der Schnittstelle:
kommunikatives Wohnen, interaktives Miteinander. Foto: Schindler Deutschland

Nutzer vor der Fahrt auf verschiedene Aufzüge zu verteilen, vermeidet Zwischenstopps. Alle kommen schneller ans Ziel und es wird weniger Energie verbraucht. Noch effizienter kann das System allerdings arbeiten, wenn sich die Nutzer identifizieren. Das war die Idee von Schindler ID, der zweiten Generation der Zielrufsteuerung, die 2000 eingeführt wurde. Wenn jeder Passagier über ein Identifikationsmedium – wie zum Beispiel eine Karte – verfügt, dann kann der Zutritt auch für jeden individuell geregelt werden. Das erhöht die Orientierung und Sicherheit in einem Gebäude. Von da aus war es nur ein weiterer Schritt zum Verkehrsmanagementsystem: Jeder Nutzer soll auf individuelle Weise schnell und sicher durchs Gebäude geleitet werden.

myPORT: Mehr als einfach

Was das in der Realität bedeutet, kann man im Park-Tower Tag für Tag erleben. »Im simpelsten Fall hat der Bewohner eine Karte, mit der er Briefkasten, Garage, Wohnungstür öffnen und Aufzug fahren kann«, sagt Florian Trösch. Inzwischen nutzen jedoch die meisten Bewohner bereits die myPORT App auf ihrem Smartphone. Dadurch, dass das gesamte Gebäude mit Bluetooth ausgestattet ist, öffnen sich Türen und der Aufzug steht bereit, sobald der Bewohner mit seinem Smartphone in die Nähe kommt, gleichzeitig wird am Haupteingang die Sicherheit gegenüber herkömmlichen Systemen erhöht. Dazu wird hier ein vierstufiges System eingesetzt. Nach der Identifikation des Bewohners versendet das System einen Berechtigungsnachweis auf dessen Mobiltelefon. Erst wenn der Nutzer sich dann authentifiziert, indem er sein Telefon entsperrt, erhält er Zugang zum Gebäude. »Auf diese Weise können wir sicherstellen, dass es sich auch wirklich um die richtige Person handelt«, so Trösch.

Wenn Besucher in das Gebäude möchten, benötigen
sie einen Zugang. Dazu versendet der Bewohner einen sogenannten »Crazy Color Code« (CCC) an den Besucher, mit dem dieser Zugang zum Gebäude erhält. Der CCC stellt dabei eine signifikante Verbesserung gegenüber dem QR-Code dar. Er basiert auf Farben und wird so wesentlich schneller von einer Kamera gelesen. Sobald der Besucher das Gebäude betritt, wird der Einladende über die myPORT App sofort benachrichtigt. Er kann sogar via Livestream sehen, wer vor seiner Tür steht. Selbst dann, wenn er gar nicht im Gebäude ist.

Autor: Jan Steeger. Zuerst erschienen im Schindler Magazin, das man hier kostenfrei abonnieren kann.

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