Wie uns die Musik im Aufzug bewegt

Dass die Musik im Fahrstuhl spielt, haben wir in diesem Blog schon oft erwähnt. Was sie aber mit uns macht, ist weitgehend unerforscht. Immerhin legt uns eine neue Studie nahe, dass Metallica im Aufzug nicht die erste Wahl sein sollte. Warum eigentlich nicht?

Fahrstuhlmusik ist die häßliche kleine Schwester der Barmusik. Schlimmer noch: So wie Aufzüge Nicht-Orte sind, voll mit Menschen und dennoch eigentümlich leer, ist Fahrstuhlmusik Nicht-Musik, omnipräsent und doch nicht gehört. Aber stimmt das überhaupt? Ist Fahrstuhlmusik, auch Hintergrundmusik oder Muzak genannt, denn wirklich ungehörte Musik? Ist sie nicht vielmehr unerhörte Musik, die etwas mit uns anstellt, die uns in Stimmung bringt, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen?

Musik als Stimmungsmacher

Nicht umsonst wird Musik in Filmen, Kaufhäusern und eben Fahrstühlen als Stimmungsmacher eingesetzt. „Mood-Management“ nennt man das. In einer jüngst im Fachmagazin „Journal of Retailing“ veröffentlichten Meta-Studie über den Einfluss von Musik auf unser Einkaufsverhalten zeigte sich, dass die Musik auf die Umgebung abgestimmt sein muss. Mit Death Metal wird im Zweifel niemand zum Kauf einer Yoga-Matte verführt. So entstünden eher „kognitive Dissonanzen“, wird Studienleiter Holger Roschk in dem Beitrag „Warum sich Metallica nicht als Fahrstuhl-Musik eignet“ von der österreichischen Nachrichtenagentur APA zitiert.

 

Metallica im Lift

Womit wir auch sogleich bei der Frage wären: Welche Musik passt denn in den Aufzug? Metallica offenkundig nicht, glaubt man den dort ebenfalls zitieren Robert Zniva vom Institut für Handel und Marketing der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien: „Volksmusik im China-Restaurant ist ebenso wenig ratsam wie Metallica im Lift. Fahrstuhl-Musik soll schließlich zur Entspannung in einer beengten Situation beitragen.“ Um also die von vielen als unangenehm empfundene Enge des Aufzugs besser zu ertragen, soll die Musik zur Erleichterung beitragen. Aber heißt das zugleich, dass gute Fahrstuhlmusik immer dahinplätschern muss? Dauerberieselung, ein gleichförmiges Fließen, in dem jeder markante Harmoniewechsel, jeder herausstechende Tonfolge vermieden werden muss, damit die glatte Oberfläche niemals an der Wahrnehmbarkeit kratzen kann?

Richtig gute Fahrstuhlmusik

Fast scheint es so. Aber das hängt vor allem davon ab, was man mit der Musik erreichen will. Soll die musikalische Untermalung nur dazu dienen, die Menschen zu entspannen oder gar einzuschläfern, oder kann sie nicht auch dazu beitragen, die Kommunikation in diesen meist verschwiegenen Räumen zu fördern? Das war zumindest der Ansatz der amerikanischen Künstlerin Yowei Shaw mit ihrem Projekt „Really Good Elevator Music“. Sie bat 2014 sechs Musiker ihrer Heimatstadt Philadelphia Stücke zu komponieren, die zur „Förderung der Gemeinschaft“ beitragen. Heraus kam ein Album mit 13 Titeln, die man sich hier anhören kann. Ein Interview mit Yowei Shaw zu ihrem Projekt gibt es hier zum Nachlesen.

 

Interessant war dabei, dass die Künstler durchaus mit „aufdringlicheren“ Spuren arbeiteten, als man es von der sogenannten Fahrstuhlmusik bisher gewöhnt war. Straßengeräusche und Interviews mit Bewohnern flossen in die Tracks ein, selbstverständlich war das Wetter ein Thema. Und die Nutzer reagierten darauf, begannen zu tanzen, staunen, waren überrascht. Vielleicht müssen wir Fahrstuhlmusik aufgrund dieser Erfahrungen noch einmal neu denken. Vielleicht muss es nicht gerade Metallica im Aufzug sein, vielleicht reicht schon Musik, die nicht so glatt ist. Musik, die hängen bleibt.

Aufmacherfoto: flickr/felixhuth

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