Seouler Großprojekt: Hochhäuser im Gangnam-Style

Leben, arbeiten und spielen im Gangnam-Style: Das niederländische Architekturbüro UNStudio plant gemeinsam mit den südkoreanischen Architekten von Heerim ein bestehendes Wohnviertel in Seoul neu. Der Kiez ist rund einen halben Quadratkilometer groß, umfasst 32 Hochäuser und bietet viel Platz für innovative Ideen. 

Gangnam-gu ist einer der wohlhabendsten Stadtbezirke Seouls und damit ganz Südkoreas. Daechi-Dong wiederum ist einer der 26 Verwaltungsbezirke Gangnams. Er ist für seine hohe Dichte an erstklassigen Privatschulen berühmt. Deshalb sind die Hochhäuser hier alles andere als Sozialbauten. Die Anwohner sind einen hohen Lebensstandard gewohnt, das Beste ist ihnen gerade gut genug. Das hat schon der Musiker Psy in seinem viralen Hit Gangnam-Style persifliert. Nun soll das Wohnviertel  eine Frischzellenkur bekommen. Bei der geht es einerseits darum, die Lebensqualität zu verbessern. Andererseits soll neuer Wohnraum geschaffen werden. Die Wirtschaft boomt, Wohnraum ist knapp. Gute Bedingungen für ehrgeizige Entwicklerträume.

1500 zusätzliche Wohnungen sind geplant

Hochhausviertel Daechi-Dong

Lageplan des Hochhausviertels in Daechi-Dong, Seoul. Illustration: UNStudio

Stolze 4.424 Wohnungen umfasst das Areal bislang – 1.500 weitere sollen hinzukommen. Hierfür schlugen die Architekten von UNStudio und Heerim vor, die 32 existierenden 35-Geschosser durch 50-Geschosser zu ersetzen. Und gewannen den vom Eigentümer Eunma ausgelobten Wettbewerb. Für europäische Ohren mag das Konzept radikal klingen, doch die Architekten nutzen die Tabula rasa für einen guten Zweck. Nicht nur sollen künftig alle Wohnungen über natürliches Tageslicht, ausreichend Frischluft (in Seoul keine Selbstverständlichkeit) und Grün verfügen. Auch der gesamte Autoverkehr samt Parkraum wird in den Untergrund verlegt. An der Oberfläche prägen künftig sechs Landschaftsparks das Bild. Ein Abenteuerwald ist ebenso geplant wie ein Ziergarten, ein Spielpark und Flächen zur Entspannung und zur Kontemplation.

Gangnam-style: Balance zwischen privatem und öffentlichem Raum

Hochhausviertel Daechi-Dong

Typologie der geplanten Hochhäuser in Daechi-Dong. Illustarion UNStudio

Knapp 40 Jahre jung ist Eumna Town. Nach Medienberichten liegen die Kosten für eine Einheit derzeit bei rund 820.000 Euro. Dass sich die Eigentümer dennoch für eine Radikalkur entschieden haben zeigt, wie schlampig Ende der 1970er-Jahre in Korea gebaut wurde. Und wie hoch die Ansprüche der koreanischen Elite heute sind. Denn statt eines reinen Wohnviertels entwarfen die Architekten gleich eine kleine Stadt innerhalb der Stadt.

Mit Fokus auf Gesundheit, Bildung, Kunst und Kultur

Neuer Luxus unter alter Adresse: Künftige Skyline von Eunma Town. Illustration: UNStudio

Rund um die Familien- und Gemeinschaftsgebäude sollen Bildungseinrichtungen und Bibliotheken entstehen. Sport- und Erholungseinrichtungen ergänzen die „Professional Towers“, die Wohnraum für junge Berufsaufsteiger bieten. Das Herz des Komplexes bilden allerdings sechs neue Hochhäuser im Zentrum des Viertels. Sie beherbergen nicht nur Luxusapartments, sondern sind zudem der Kunst, der Kultur und der Gesundheit gewidmet. Und auch beim Thema Aufzüge zeigt sich der Luxuscharakter der Siedlung: Lediglich zwei Parteien pro Etage teilen sich  einen Fahrstuhl. Die führen auch zu den Grünflächen und Gemeinschaftsräumen in den Türmen, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Nachbarschaft stärken sollen. Allerdings ist das Wohnen im Gangnam-Style erst in rund sieben Jahren möglich. So lange soll der Komplettumbau von Seouls erster Adresse nämlich dauern.

 

 

1 Kommentare

  1. M. Kayser

    Da können sich die Hamburger Stadtplaner mit ihrem (scheidenden) Ober-
    baudirektor Walter mal eine ganz kleine Scheibe abschneiden! Vielleicht
    käme man dann ein Stück aus dem Denken in Erhaltungssatzungen heraus,
    Hamburg hätte wieder Platz für den dringend benötigten Wohnraum und
    könnte dennoch eine grüne Stadt bleiben. Aber hier gehen die Bebauungs-
    pläne oft noch auf 1955 zurück, wir wollen nichts dazulernen.

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