Gefilmte Fahrt: Alexander Wedø über den Reiz von Aufzügen

Stop-Taste drücken im Schindler-Frachtaufzug

Die Liebe zu Aufzügen dürfte viele Leser des Senkrechtstarters miteinander verbinden. Doch nicht jeder geht so weit, Aufzüge zu filmen. Alexander Wedø ist Norweger und lebt im dänischen Aalborg. Seit 2007 betreibt er seinen YouTube-Channel Heritage Elevators, auf dem er regelmäßig Aufzüge vorstellt. Im Interview erklärt der 24-Jährige, wie er Teil der weltweiten Aufzug-Community wurde.

Alexander Wedø, wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen YouTube-Channel zu Fahrstühlen anzulegen?
Ich habe mich schon immer für Fahrstühle interessiert, und ich erinnere mich noch gut an die Jahre, in denen ich bei Google nach Aufzug-Bildern gesucht habe. Als YouTube aufkam, habe ich dort nach Aufzug-Videos geschaut. Ich dachte, ich würde nie jemanden finden, der mein Interesse teilt, doch so 2008, 2009 stieß ich auf „DieselDucy“ und „hissen12“ bei YouTube. Und dann habe ich selbst mit dem Filmen begonnen. Meine erste Videokamera habe ich von meiner Mutter zu Weihnachten geschenkt bekommen. Die ersten Videos habe ich im norwegischen Tromsø gedreht.

Wie lange hat es gedauert, ehe Ihr Channel viele Follower bekam?
Das war vor zwei bis drei Jahren. Um ein Beispiel zu geben: 2011 wurden meine Clips rund 50.000 Mal im Monat geklickt. 2012 und 2013 sah es ähnlich aus. Die Zahl der Zugriffe stieg ziemlich schnell an, als ich 2013 das Logo „Heritage Elevators“ einführte, das ich zu Beginn eines jeden Aufzug-Videos benutze und das zu meinem Markenzeichen wurde. Derzeit bekomme ich 1,2 Millionen Klicks im Monat – Tendenz steigend.

Aufzüge: Logo und Markenzeichen des YouTube-Channels von Alexander Wedo.

Logo und Markenzeichen des YouTube-Channels von Alexander Wedo.

Wer sind Ihre Follower, kennen Sie einige von ihnen persönlich?
Die meisten von ihnen interessieren sich für Aufzüge und Luftfahrt, die beiden Themen, zu denen ich Videos drehe. Nur wenige Clips haben ein breiteres Publikum erreicht. Eine Ausnahme ist das Video „Elevator alarm button test GONE WRONG“, das YouTube gefeatured hat. Einzelne Clips wurden auch auf Reddit geteilt. In der Aufzug-Community auf YouTube habe ich einige Freunde. Die, die ich am häufigsten getroffen habe, stammen aus Schweden und Finnland, also Nachbarländern. Ich habe aber auch Aufzug-Fans aus Thailand, Hong-Kong und den Vereinigten Staaten getroffen. Mein Hobby ermöglicht es mir, viel zu reisen und viele Menschen kennenzulernen. Das ist wirklich toll!

Alexander Wedø: „Ich ziehe Aufzüge traditioneller Hersteller vor“

Die angesprochene Aufzug-Community ist groß, die Zahl der Filmer ebenso. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Danke des Internets und neuen Medien kann jeder Videos drehen und weltweit veröffentlichen. Aufzug-Filme sind nur ein Teil dieses viel größeren Phänomens. Uns Filmern geht es genauso darum, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, wie es uns um die Aufzüge geht. „DieselDucy“ geht es inzwischen sogar mehr darum, andere Fans und autistische Kinder zu erreichen.

Was macht für Sie persönlich den Reiz eines guten Aufzug-Videos aus?
Aufnahmequalität und eine ruhige Kameraführung sind für mich die wichtigsten Kriterien. Natürlich muss auch der Aufzug selbst etwas hergeben. Ich interessiere mich vor allem für ältere und seltene Aufzüge. Für andere liegt der Reiz mehr in modernen Aufzügen, die hohe Geschwindigkeiten erreichen, oder in gläsernen Fahrstühlen, die einen tollen Ausblick ermöglichen. Ich ziehe Aufzüge von traditionellen Herstellern wie Kone, Schindler, Otis und Mitsubishi den billigen und gewöhnlichen Produkten vor.

Wie entdecken Sie interessante Aufzüge?
Erfahrung spielt dabei eine große Rolle. Ich weiß, in welchen Ländern es für mich reizvolle Aufzüge gibt. Norwegen steht derzeit zum Beispiel ganz oben auf meiner Liste. Es ist zum Teil ein Wettlauf gegen die Zeit. Durch neue gesetzliche Vorschriften und Modernisierungen geht die Zahl der Oldtimer-Aufzüge immer weiter zurück. Das ist sehr traurig. Die Änderung an alten Aufzügen, die ich am meisten hasse, sind Kabinentüren. Für ihren Einbau gibt es technische Gründe, doch mir verleiden die Türen das Fahrerlebnis.

Aufzüge in der digitalen Welt

Wie schaffen Sie es, die Aufzüge benutzen zu können, die Sie filmen?
Manchmal gehe ich einfach in das Gebäude und steige in den Fahrstuhl, manchmal bitte ich um Erlaubnis. Das hängt auch vom Land und dem Umfeld ab. An manchen Orten sind die Leute entspannt und offen, in anderen eher vorsichtig und ablehnend. In Skandinavien ist es für mich am einfachsten zu filmen, da die Menschen in der Regel freundlich sind und Verständnis haben. Außerdem gibt es keine sprachlichen Hürden.

Welches Ihrer Videos gefällt Ihnen selbst am besten?

Ich mag das Video über diesen Schindler-Aufzug am liebsten, weil es einen alten Frachtfahrstuhl mit drei Türen in einem Gebäude in Tromsö zeigt. Er wurde mittlerweile durch einen modernen Schindler-Aufzug ersetzt. Er existiert also nur noch in der digitalen Welt.

Das Werk welches Aufzug-Filmers würden Sie weiterempfehlen?
Das ist das von Andrew Reams, auch bekannt als DieselDucy. Er ist der Pionier der Szene und hat viele in der Community dazu inspiriert, selbst Fahrstühle zu filmen. Andrew ist ein netter Kerl, wie ich von persönlichen Begegnungen weiß. Dieser kurze Dokumentarfilm porträtiert ihn gut.

Gibt es Aufzüge, die Sie noch nicht gefilmt haben, aber gern mal vorstellen würden?
Ich würde gern mal Schindler in der Schweiz besuchen.

3 Kommentare

  1. Moin moin!

    Sehr gute Zusammenfassung!

    Unser Hobby ist übrigens weltweit vertreten. Wir haben übrigens eine recht große Alters – Spannweite. Von jung bis alt haben wir alles dabei.

    Jeder, der Aufzüge und seine Technik mag -und sich auch für die Geschichte des Aufzuges interessiert, hat sozusagen seine eigene Geschichte / seine Beweggründe.

    Ich persönlich bin „erst“ seit 2013 dabei, da ich etwas später durch YouTube auf dieses etwas ungewöhnliche Hobby aufmerksam geworden bin. Allerdings habe ich mich schon immer für Aufzüge und deren Technik interessiert und mache diese „Arbeit“ (Insider wissen, was ich meine) aus Überzeugung und aus Leidenschaft.

    Der eine filmt Busse und Züge. Wir filmen halt eben alte und besondere Aufzüge aus dokumentarischen Gründen, um ein Stück Geschichte für die Nachwelt zu erhalten.

    Ich persönlich komme aus Deutschland. Aufgrund von diversen Ereignissen, sind die meisten Leute sehr vorsichtig, wen sie z.B so in ihr Haus lassen. Auf „Tour“ trifft man auf die verschiedensten Leute. Der eine ist total überrascht, wenn man ein etwas ungewöhnliches Anliegen hervorbringt -Verständlich, denn in meiner Stadt ist dieses Hobby nicht gerade bekannt. Dieses etwas ungewöhnliche Anliegen erkläre ich z.B folgendermaßen: „Hallo, entschuldigen Sie, aber ich hätte da mal ein etwas ungewöhnliches Anliegen: Und zwar, interessiere ich mich für alte und besondere Aufzüge, und filme diese zu dokumentarischen Gründen (Dabei erwähne ich, dass es sich dabei um Privataufnahmen handelt) ..Dieser hier scheint (z.B) aus einem 30er Baujahr zu stammen und wollte mal fragen, ob es für Sie in Ordnung wäre, wenn ich einige Aufnahmen von ihm machen könnte?“

    Je nach dem wird dann eben eine Entscheidung getroffen ^^

    So ist es mir persönlich auch möglich, auch Aufzüge in Wohnhäusern filmen zu können.

    Joa.. das war soweit das wichtigste von mir 😉

  2. Jan Steeger

    Hallo OLML,

    vielen Dank für Deinen Kommentar und schön, dass Dir unsere Reihe gefällt. Der Aspekt, wie man eigentlich zu und in die betreffenden Aufzüge kommt, bzw. wie man überhaupt aufmerksam wird auf „interessante Objekte“ interessiert uns auch. Vielleicht hättest Du Lust auch mal ein Interview mit uns zu machen, das wir dann hier veröffentlichen?

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