Fragen am laufenden Band: Nichts rollt mehr!

Wieso, weshalb, warum – so groß wie die Rolltreppen selbst sind auch die Fragen, die sich um sie ranken. Aber jeden Monat wird es eine weniger, denn unser Fahrtreppen-Experte Siny Thottakara beantwortet für den Senkrechtstarter die Fragen am laufenden Band. Dieses Mal: Stehen Fahrtreppen im Winter häufiger still?

Ja, und schuld ist vor allem der Streusplitt. Er ist nicht nur der natürliche Feind von Autolack und Fahrradbereifung. Er ist auch dafür verantwortlich, dass im Winter viele Fahrtreppen still stehen. Auch wenn ihm zu verdanken ist, dass der Verkehr bei Glätte und Eis nicht zum Erliegen kommt, für die sogenannten Verkehrsfahrtreppen, die vor allem an Bahnhöfen eingesetzt werden, wird er häufig zum Verkehrshindernis.

Stillstand durch Splitt

Der Grund: Das Granulat wird mit den Schuhen der Passanten auf die Fahrtreppe getragen. Dort bleiben die Körnchen in den Kammplatten hängen, die sich am Anfang und Ende der Treppe befinden. Sie bilden den Übergang von den beweglichen Teilen, den Stufen, zu den festen Teilen der Zu- und Abgänge der Fahrtreppe. Durch die Bewegung der Stufen werden diese Teilchen dann so lange abgeschliffen, bis sie klein genug sind und in die Fahrtreppe fallen. Das kann dazu führen, dass die Anlage stoppt. Oder aber grobkörniger Splitt verkeilt sich so im Kamm, dass die Treppe zum Stillstand kommt.

Wie die bunten Bälle werden die Granulatkörnchen auf der Fahrtreppe zu den Kammplatten transportiert. Foto: Giphy.

Gitter vor der Fahrtreppe

Der beste Weg, um das zu verhindern, ist zu verhindern, dass der Streusplitt überhaupt auf die Treppe gelangt. Gitter oder Matten vor den Zugängen der Fahrtreppe können dabei schon helfen. Da aber auch die Profile der Schuhsohlen immer „gewiefter“ werden, geben sie die Splitkörnchen auch nicht so leicht wieder her. Matten und Gitter helfen also nur bedingt. Winterdienste sind daher auch angehalten, das Winterstreu nicht direkt bis an die Fahrtreppen zu streuen. Zudem kann es helfen, regelmäßig an den Zugängen der Fahrtreppe zu kehren.

Winterdienst im Einsatz. Foto: Pixabay

Rolltreppe aufwärts

Die Münchner Verkehrsgesellschaft greift zu einem kleinen Trick und lässt die Fahrtreppen, die für einen Wechselbetrieb geeignet sind, im Winter nur nach oben fahren. Normalerweise befördern diese Rolltreppen in den U-Bahnhöfen nach oben und nach unten, je nachdem von welcher Seite aus ein Fahrgast die Treppe betritt. Um jedoch möglichst wenig Nässe, Schmutz und vor allem Splitt auf die Treppe zu bringen, schafft sie im Winter die Menschen nur noch raus aus dem Bahnhof und nicht rein.

Da nicht nur der Splitt, sondern eben auch Schneematsch und Streusalze der Fahrtreppe zusetzen, ist der beste Schutz gegen Ausfälle in dieser Zeit vor allem eine verstärkte Reinigung und Wartung.

 

Siny Thottakara leitet den Bereich Fahrtreppen bei Schindler Deutschland, nimmt aber auch hin und wieder mal den Aufzug. Einmal im Monat beantwortet er im Senkrechtstarter Fragen am laufenden Band.

Alle Folgen der Kolumne sowie ein Interview zum Londonder Fahrtreppen-Experiment finden sich hier.

2 Kommentare

  1. Was für ein wunderbares Bild für den Zustand heute:
    — für Sysiphus
    — für das An-Ort-Treten
    — für Bewegung als Stillstand !
    Ja, es wahrlich kälter geworden, auch in der Politik und …

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