Grand Funicular Budapest

Manche Filme gehen einfach steil. Wes Andersons opulent-schrille Tragikkomödie Grand Budapest Hotel von 2014 gehört sicher dazu. In welchem anderen Film haben schon die Aufzuganlagen eines in die Jahre gekommenen Grand Hotels der Belle Epoche eine tragende Rolle. Und ein Lift- und ein Lobby-Boy gleich noch dazu. 

Sucht man derweil im wirklichem Budapest – nicht jenem Film-Budapest der fiktiven Republik Zubrowka, nebenbei bemerkt benannt nach einem polnischen Büffelgras-Wodka – nach den Dreh- und Handlungsorten dieser spätaristokratischen Farce: Viel wird sich nicht finden lassen. Zumeist wurde im böhmischen Karlsbad gedreht, aus dessen opulenter Bäderarchitektur das filmreife Luxushotel zusammengebaut worden ist. Alle Innenräume und auch viele der skurrilen architektonischen Details, diese Melange aus Zinnen, Pomp und Zuckerguss, wurden ohnehin im Studio, genauer in den Studios in Potsdam-Babelsberg, inszeniert.

Fähre in die entrückte Welt

Immerhin ein Hauptdarsteller aber kommt tatsächlich aus Budapest: die Budavári Sikló, jene Standseilbahn, die seit 1870 das Donauufer mit dem Burgberg  verbindet. Im Film führt sie hinauf in die entrückten Höhen des Grand Hotels. Die Standseilbahn ist sozusagen das Tor, oder eben die Fähre, in die entrückte, verrückte Welt des Grand Hotels.


Am 2. März 1870 eröffnet war die Budapester Standseilbahn die zweite ihrer Art auf dem europäischen Kontinent. Noch waren die Alpen nicht von solch industrietechnologischen Steighilfen erschlossen. Wirklich alpin war die in Budapest zurückgelegte Distanz denn auch noch nicht. 51 Höhenmeter liegen zwischen Tal- und Bergstation, gerade einmal eine gute Minute dauert heute wie damals die Fahrt in den 1983 nach Originalplänen rekonstruierten Kabinen mit der originellen Treppensilhouette. Übrigens: neben dem Budavári Sikló wird in Grand Budapest auch ein historischer Aufzug in Szene gesetzt: der spektakuläre, 1904 eröffnete Aussichtslift am Elbhang von Bad Schandau im Elbsandsteingebirge.

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