Alter Turm mit neuer Perspektive

Veraltete Technik, überholte Grundrisse, mangelndes Mieterinteresse: Was passiert eigentlich mit Hochhäusern, die außer Mode kommen? In Frankfurt a.M. will die GEG nun eine Antwort für das alte Commerzbank Gebäude finden. Das könnte auch Aufschluss darüber geben, wie eine wirtschaftliche Nachnutzung alter Hochhäuser in Deutschland gelingen kann.

Sie war eine der ersten Türme in der Frankfurter Skyline. Damit zählt die ehemalige Zentrale der Commerzbank zugleich zur ersten Generation der Hochhäuser jenseits der 100-Meter-Marke in Deutschland. Doch bereits 1997 bezog die Commerzbank in den benachbarten Neubau. Vor zwei Jahren verlagerte dann auch die Europäische Zentralbank, lange Zeit der Ankermieter, sämtliche Büros in den neuen Repräsentanzbau im Ostend. Mit „nur“ 107 Metern Höhe ist das Gebäude inzwischen zwar ein Zwerg unter lauter Riesen. Städtebaulich handelt es sich aber immer noch um einen massiven Block, der nicht so einfach zu entsorgen oder ersetzen wäre.

Kernsanierung eines Klassikers

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Schlanke Linie: So sieht der Entwurf des künftigen „Global Towers“ aus. Illustration: GEG

Deshalb hoffte man am Main lange Zeit auf einen Investor, der dem 1973 fertiggestellten Gebäude eine neue Perspektive verschafft. Der wurde nun gefunden: Die German Estate Group AG, Frankfurt (GEG ) hat das Hochhaus in der Neuen Mainzer Straße 32-36 von der Commerzbank AG erworben. Ab Ende 2017 will das Unternehmen das Hochhaus kernsanieren und im Anschluss als „Global Tower“ neu vermarkten. Dabei geht es immerhin um 30.000 Quadratmeter Mietfläche, und ein Investitionsvolumen von 220 Millionen Euro, so die GEG.

Flexible Grundrisse für flexible Nutzungen

Der Umbau soll vor allem eines bringen, mehr Flexibilität bei der Abvermietung an unterschiedliche Nutzer. Neudeutsch heißt das: Multitenant-Nutzung. Will heißen: Mehrere Mieter sollen auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Flächen vorfinden, ohne sich dabei in die Quere zu kommen. Möglich machen sollen dies flexible Grundrisse, die sich abhängig von der aktuellen Nachfrage vergrößern oder verkleinern lassen. Spannend wird jedoch vor allem die konkrete Ausgestaltung des Konzepts sein – sie könnte künftig als Blaupause für in die Jahre gekommene Hochhäuser dienen. Denn die erste Generation der Nachkriegstürme hat inzwischen ja vielerorts reichlich Patina angesetzt.

Auch die Fassade soll leicht modernisiert werden

Die GEG kündigt zudem eine Umgestaltung der Fassade an. Auch hierbei darf man gespannt sein, wie das genau aussehen wird – steht das Gebäude doch unter Denkmalschutz. Die zentralen Gestaltungselemente sollen daher erhalten bleiben. Dazu gehören die monochrome Farbigkeit, die kubische Grundform und die in horizontalen Streifen angeordneten Fensterfronten. Die von modernen Architekturen verwöhnten Londoner, auf welche die GEG aufgrund des Brexits auch schielt, werden bestimmt genau hinschauen. Vertikal-Enthusiasten dürften in jedem Fall begrüßen, dass hier Umbau vor Abriss geht. So wächst vielleicht mit der Zeit eine vielfältige Skyline in Frankfurt heran, die auch im internationalen Vergleich besteht. Wir bleiben dran.

 

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