Es ist vollbracht: Ein Rückblick auf das Projekt Solar Impulse

Über 40.000 Kilometer in fast 510 Stunden Flugzeit, ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff: Als das Solarflugzeug Solar Impulse 2 heute Nacht in Abu Dhabi landete, endete ein Pionierprojekt. Wir blicken zurück auf die Höhepunkte der Weltumrundung und ziehen ein Fazit.

Am Ende wurde es noch mal richtig knifflig: Auf der letzten von insgesamt 17 Etappen geriet die Solar Impulse 2 über Saudi-Arabien wegen der hohen Außentemperaturen in heftige Turbulenzen. Pilot Bertrand Piccard erlebte eine unruhige Nacht, wurde aber dann mit einem Sonnenaufgang über der Wüste belohnt.

Der finale Streckenabschnitt von Kairo nach Abu Dhabi mit 2694 Kilometern in 2 Tagen und 37 Minuten war zwar keineswegs der längste, das Team von Solar Impulse sah ihn aber als den schwierigsten an: Flugverbotszonen und thermische Winde stellten Risiken dar. Doch Risiken kannte das Team nur zu gut, schließlich war das gesamte Projekt ein großes Wagnis.

Würde man es schaffen, nur mithilfe von 17.248 dünnen Solarzellen die Erde zu umrunden? Mit einem Flugzeug aus Karbonfasern, das mit 72 Metern eine längere Flügelspannweite besitzt als ein Jumbojet und mit 2,3 Tonnen gerade mal so viel wiegt wie ein großer Pkw?

Von Zollproblemen bis zur Zwangspause

Letztlich gelang die Weltumrundung, auch wenn immer wieder kleinere und größere Rückschläge und Gefahren das Gelingen des Projekts bedroht hatten. Von Zollproblemen in Indien über den im Pazifik lauernden Haifisch Joe bis hin zu irreparabel beschädigten Batterien, die das Flugzeug zu einer neunmonatigen Pause zwangen. Vor der letzten Etappe spielte dann der Magen von Pilot Betrand Piccard nicht mit, doch auch diese Widrigkeit konnte die Mission nicht stoppen.

Was bleibt, sind eindrucksvolle Bilder. Etwa vom Flug der SI2 übers nächtliche New York

…oder über die Pyramiden von Gizeh.

Was bleibt, sind aber auch Rekorde: Die achte Etappe vom ostchinesischen Nanjing quer über den Pazifik nach Hawaii, der moment of truth, war der längste je absolvierte Flug eines Solarfliegers, sowohl was die Distanz (8172 Kilometer) als auch was die Dauer betraf (5 Tage und Nächte).

Das SI2-Team twitterte derweil fleißig unter dem Hashtag #futureisclean, und genau das war auch das übergeordnete Ziel der Reise: zu beweisen, dass man die Welt umrunden kann, ohne sie zu verschmutzen. Ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff zu verbrauchen. Anders gesagt: nachhaltig.

Der Anspruch: ein Bewusstsein für erneuerbare Energien schaffen

In der Presse merkt nun manch einer kritisch an, dass die Solartechnologie zu anfällig gegenüber Wettereinflüssen sei und niemals für reguläre Passagierflugzeuge in Frage kommen werde. Doch das zu zeigen, war nicht der Anspruch von Piccard, Borschberg und ihren Mitstreitern. Stattdessen ging es darum, ein Bewusstsein zu schaffen, wozu erneuerbare Energien ganz allgemein fähig sind. Und das ist ohne Zweifel gelungen.

Nicht nur die weltweiten Medien berichteten über das Projekt, mit US-Präsident Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Albert II., Fürst von Monaco, unterstützten es auch mächtige Politiker. Außerdem wurde Bertrand Piccard im April live aus dem Cockpit der Solar Impulse 2 zugeschaltet, als bei den Vereinten Nationen in New York der Pariser Klimavertrag unterzeichnet wurde. Welch eine Ehre – und welch ein Symbolwert!

Eine Aufforderung an uns alle: Weitermachen!

Dass nicht immer alles rundlief, seit die SI2 im März 2015 in Abu Dhabi abhob, ist kein Makel. Es zeigt vielmehr, vor welch gewaltiger Herausforderung das Team stand. Dass das Solarflugzeug nun tatsächlich wieder am Ausgangspunkt ihrer Reise angekommen ist, ist umso höher zu bewerten. Und nachdem die letzte Landung am frühen Dienstagmorgen geglückt war, twitterte das Team von Solar Impulse seinen Wunsch für die Zukunft als Aufforderung an uns alle: „Treibt es weiter voran!“

Die letzte Etappe und das Ende der Weltumrundung wurde von den deutschsprachigen und den internationalen Medien ausführlich gewürdigt. Besonders eindrucksvoll ist der Rückblick der FAZ auf die Reise der Solar Impulse. Während Zeit Online das Projekt auch kritisch hinterfragt, sprach das Schweizer Radio und Fernsehen mit einem Experten über die Erkenntnisse, die uns die SI2 liefert.

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