US-Kunstprojekt: Really Good Elevator Music

Das Image von Fahrstuhlmusik ist schlecht, sie gilt als belangloses Hintergrundgedudel. Die Künstlerin Yowei Shaw zeigt, dass es anders geht: Zusammen mit sechs Musikern beschallte sie Aufzüge in Philadelphia.

Künstlerin Yowei Shaw

Really Good Elevator Music“ ist eine mobile Audioinstallation. Sie versammelt Klänge und Geschichten jener Menschen, die in der Wohngegend von Chinatown North, Philadelphia leben. Sechs einheimische Künstler mit Bezug zur Community waren dazu eingeladen, Tracks für eine Playlist zu komponieren. Für einige Wochen lief sie als Endlosschleife im Wolf Building, danach im Aufzug der Asian Arts Initiative.

Die Mutter der Idee, Yowei Shaw, entstammt in zweiter Generation einer chinesisch-amerikanischen Familie. Sie arbeitet als freiberufliche Audioproduzentin und Jugendradio-Erzieherin.

Yowei, wie kamst du darauf, Fahrstühle als Schauplatz deiner Audioinstallationen zu nutzen?

Ich wollte Menschen dazu bringen, meinen Geschichten zu lauschen. Und wo sonst findet man schon öffentliche Räume, die zum aktiven Zuhören anregen?  Ruhige Orte? Wo Menschen nicht in Eile sind? Aufzüge sind Plätze, an denen man jeden Tag Wartezeit verbringt, völlig selbstverständlich.

Warum hast du dich für das Wolf Building in Philadelphia entschieden?

Es ist die perfekte Umgebung für meine Installation. Die Aufzüge sind im täglichen Gebrauch, und sie sind leise. Das Wolf Building ist ein Gebäude, das ganz unterschiedlich genutzt wird, dadurch gibt es zu jeder Tageszeit einen regen Verkehr verschiedenster Menschen. Es gibt dort einen Nachtclub, einen Ort für Theater, Apartments, Galerien, Web-Design-Firmen, Gesundheitszentren und noch viel mehr. Die Leute im Fahrstuhl würden für einen Moment ein unfreiwilliges Publikum darstellen. Perfekt für eine Audioinstallation!

Was bedeutet „Fahrstuhlmusik“ für dich?

Ich habe erst mehr darüber erfahren, als ich für meine Installation recherchiert habe. Darüber, wie Musik eingesetzt wurde, um menschliches Verhalten zu manipulieren. Um Leute mehr Zeug kaufen zu lassen und die Produktivität von Arbeitern anzukurbeln. Ich war abgestoßen und gleichzeitig fasziniert von der Vorstellung, Musik nicht zum Wohle der Kunst zu produzieren, sondern mit einem speziellen Zweck: um effektiv zu sein. So kam ich auf die Idee zu einem Experiment. Was wäre, wenn wir „Muzak“ auf eine ähnlich utilitaristische Weise verwenden können – allerdings für soziale Zwecke? Nicht für Unternehmen, um mehr Geld zu machen, sondern mit dem einfachen Ziel, eine Gemeinschaft zu schaffen? Was würde passieren?

Nächste Woche: Yowei Shaw berichtet davon, wie sie Musik und Geschichten in die Fahrstühle brachte.

Mehr Informationen zum Projekt unter reallygoodelevatormusic.com.

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