US-Kunstprojekt: Really Good Elevator Music (II)

Das Image von Fahrstuhlmusik ist schlecht, sie gilt als belangloses Hintergrundgedudel. Die Künstlerin Yowei Shaw zeigt, dass es anders geht: Zusammen mit sechs Musikern beschallte sie Aufzüge in Philadelphia.

Künstlerin Yowei Shaw

Really Good Elevator Music“ ist eine mobile Audioinstallation. Sie versammelt Klänge und Geschichten jener Menschen, die in der Wohngegend von Chinatown North, Philadelphia leben. Sechs einheimische Künstler mit Bezug zur Community waren dazu eingeladen, Tracks für eine Playlist zu komponieren. Für einige Wochen lief sie als Endlosschleife im Wolf Building, danach im Aufzug der Asian Arts Initiative.

Die Mutter der Idee, Yowei Shaw, entstammt in zweiter Generation einer chinesisch-amerikanischen Familie. Sie arbeitet als freiberufliche Audioproduzentin und Jugendradio-Erzieherin.

Yowei, was für Künstler haben an deinem Projekt teilgenommen?

Ich habe solche ausgesucht, die schon eine Verbindung zur Gegend hatten, manche mehr, manche weniger. Und weil sie alle unterschiedliche Beziehungen zum Viertel mitbrachten, hatten auch alle einen anderen Zugang zu meinem Experiment. Zwei der Künstler lebten und arbeiteten zum Beispiel schon seit Jahren in der Gegend, sie sind selbst längst Teil der Gemeinschaft. Alex Lewis, ein Radioproduzent und Musiker, hatte wahrscheinlich die loseste Verbindung zum Viertel. Vielleicht hat er sich deshalb ein allgemeingültiges Thema ausgesucht: Gespräche übers Wetter.

Was passierte während des Projekts?

Die Installation fuhr im Wolf Building auf und ab, den gesamten März über. Wir haben versucht, die Reaktionen der Bewohner zu dokumentieren, indem wir inkognito mitgefahren sind. Wir haben aber auch das Material der Überwachungskameras gesammelt, soziale Medien und Mails im Auge behalten und die Menschen ganz einfach nach ihren Eindrücken gefragt. Es gab eine riesige Bandbreite an Reaktionen. Wir haben Leute im Aufzug tanzen sehen, andere waren überrascht oder gar verwirrt angesichts dessen, was sie gehört haben.

Welche Ergebnisse hat Really Good Elevator Music gebracht?

Die meisten Erkenntnisse, die wir gesammelt haben, sind anekdotischer Natur und beruhen auf den Interviews, die wir mit Leuten im Wolf Building geführt haben, auf dem Material der Kameras und auf Mails. Wir haben aber nichts von dem auf wissenschaftliche Weise ausgewertet. Der Gedanke hinter dem Projekt war zu schauen, ob wir soziale Interaktion würden stimulieren und mit unserer eigenen Form von „Fahrstuhlmusik“ eine Gemeinschaft aufbauen können. Es ging darum, in die Alltagsroutine einzugreifen und zu sehen, was passieren würde – nicht so sehr im Sinne wissenschaftlicher Resultate, sondern mehr mit dem Blick darauf, was wir für Reaktionen hervorrufen würden, ob es die Leute aufregt. Wie würde das Experiment die Art und Weise verändern, auf die Menschen über Klänge im öffentliche Raum denken, und wie würden wir sie verwenden?

Vergangene Woche: Yowei Shaw berichtet von der Idee zum Projekt und ihrem persönlichen Verhältnis zu „Fahrstuhlmusik“.

Mehr Informationen zum Projekt unter reallygoodelevatormusic.com.

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